Ammann lagert die Lehrlinge aus

Langenthal

Ab August werden die Lernenden der Ammann Group das Ausbildungszentrum Mittelland besuchen. Was bedeutet das ­genau für den beruflichen Nachwuchs und den Standort?

Die Ammann Group lässt ihre Nachwuchskräfte künftig extern ausbilden.

Die Ammann Group lässt ihre Nachwuchskräfte künftig extern ausbilden.

(Bild: Keystone)

In den Diskussionen um den Stellenabbau der Ammann Group am Hauptsitz in Langenthal wäre eine Neuigkeit beinahe unter­gegangen. Jene nämlich, wonach das Unternehmen per 1. August auch seine Lernenden auslagert.

Diese gehen vom hauseigenen Ausbildungs- und Lernzentrum (ALZ) ins neue Ausbildungszentrum Mittelland (AZM) über. Betroffen von der Massnahme sind 102 Lernende und 8 Mitarbeitende von Ammann und Avesco sowie 11 Auszubildende aus Partnerfirmen.

Die Ammann Group und Avesco sehen den Schritt ins AZM als Chance für die ganze Region, wie der Presseverantwortliche Daniel Müller sagt. Mit dem AZM, einer Geschäftsstelle des Ausbildungszentrums Winterthur (AZW), lasse sich individuell auf die Bedürfnisse der Lernenden und der Firmen eingehen.

Daniel Christen, der seit 2011 das ALZ leitet, ist sicher: «Die Vorteile des neuen Zentrums werden noch zahlreiche weitere Firmen überzeugen.»

Der Standort bleibt bestehen

Die Basisausbildung soll weiterhin an der Eisenbahnstrasse 44 stattfinden. Die Lernenden sind juristisch aber bei der AZW in Winterthur angestellt – obschon der Ausbildungsstandort in Langenthal bleibt.

Die Ammann Group habe sich besonders in den letzten zwei Jahren Gedanken zur eigenen Berufsbildung machen müssen, nachdem die Firma bereits damals Produktions­abschnitte ausgelagert habe, sagt Christen.

«Hätten wir diesen Entscheid nicht gefasst, müssten wir heute für jeden Lernenden nach individuellen Lösungen suchen.» Das AZM soll in solchen Fällen einspringen und Lernenden die Ausbildung garantieren.

Nicht von den Änderungen betroffen seien Lernende im vierten Lehrjahr.

Wenn die Ammann Group ihre Produktion in Langenthal zurückfährt, scheint es klar, dass die bisherige Lehrlingsausbildung nicht mehr rentabel war. Das bestätigt Christen denn auch.

Lernende und deren Eltern seien frühzeitig über das neue Ausbildungszentrum Mittelland informiert worden. Im Prinzip ­ändere sich inhaltlich aber wenig. Ausser dass die Lernenden im neuen AZM eine zweijährige Grundausbildung erhalten würden. Danach kehren sie entweder in ihre Stammfirma zurück oder schliessen ihre Lehre in einer Partnerfirma ab.

Eine Chance für Kleine

Noch ist das AZM auf der Suche nach interessierten Branchenpartnern. Aus der Region hätten sich aber schon einige Unter­nehmen gemeldet.

«Gerade für Kleinstbetriebe, die aus eigener Kraft keine Lehrlings­ausbildung mehr anbieten können, ist unser Modell interessant.»Daniel Christen, Leiter des Ammann-Lernzentrums

«Gerade für Kleinstbetriebe, die aus eigener Kraft keine Lehrlingsausbildung mehr anbieten können, ist unser Modell interessant», sagt Christen. Denn diese könnten von der bereits vorhandenen Infrastruktur des AZM profitieren.

«Neues Modell macht Sinn»

Bereits in den vergangenen Jahren ist der Lehrlingsbestand bei der Ammann Group stetig zurückgegangen. Wobei ein Grossteil auf unbesetzte Lehrstellen zurückzuführen sei, wie es seitens des Unternehmens heisst.

Ein Abbau bei den Lernenden im Maschinenbau ist aber auch schweizweit zu beobachten. Laut Thomas Zaugg, Rektor der Berufsfachschule Langenthal, sei davon der Beruf des Polymechanikers besonders stark betroffen.

Dass durch die Auslagerung des ALZ künftig weniger Lernende den Unterricht hier besuchen werden, daran glaubt er indes nicht: «Wir müssen diese Herausforderung annehmen.» Vielleicht sei das neue Ausbildungszentrum Mittelland sogar eine Chance, zusätzliche Lehrlinge aus den umliegenden Kantonen anzuwerben.

Schwarzmalen möchte auch Langenthals Stadtpräsident Reto Müller nicht. Mitte Mai habe ihm die Ammann Group versichert, dass die Lehrplätze am Standort Langenthal erhalten bleiben würden.

«Ich habe zudem das Gefühl, dass das neue Modell angesichts der heutigen Wirtschaftslage mehr Sinn macht.» Der Stadtpräsident weist aber darauf hin, dass Firmen auch gewillt sein müssen, Lehrlinge auszubilden.

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