Zum Abriss wirds wohl nicht kommen

Niederbipp

Das Alterszentrum Jurablick soll im grossen Stil ausgebaut werden. Von den Plänen betroffen ist auch die erhaltenswerte Brauischür.

Die Brauischür befindet sich in einem desolaten Zustand.

Die Brauischür befindet sich in einem desolaten Zustand.

(Bild: Thomas Peter)

Béatrice Beyeler

So viel steht fest: Die Niederbipper Bevölkerung ist dem Ausbau des Alterszentrums Jurablick gegenüber positiv eingestellt. Hat die Gemeindeversammlung die dafür nötige Zonenplanänderung im Juni doch deutlich gutgeheissen. Bis Anfang letzter Woche sind nun die Unterlagen zur Teilüberbauungsordnung (ÜO) sowie das Baugesuch öffentlich aufgelegen. Daraus geht das genaue Vorhaben des Gemeindeverbands Alterszentrum Jurablick hervor: Die bestehende Liegenschaft an der Deckergasse 10 soll umgebaut und um einen direkt anliegenden, gleichen Bau erweitert werden.

Das bringe grosse statische und bautechnische Herausforderungen mit sich, heisst es in den Akten. Im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus ist ein Physio- und Fitnessbereich vorgesehen, im 1. und im 2. Stock sollen Pflegezimmer und im 3. Geschoss sieben Alterswohnungen entstehen. Auch das Untergeschoss soll vergrössert werden: Eine Einstellhalle mit 22 Parkplätzen samt Zufahrtsrampe ist geplant.

Damit würden die Raumbedürfnisse des Alterszentrums befriedigt. Es liegt auf der Hand, dass ein Bauprojekt in diesem Masse ins Geld geht: 7,25 Millionen Franken sind im Gesuch angegeben.

Beginn erst Anfang Jahr

Die Zone mit Planungspflicht 4 sei von der Gemeindeversammlung im Juni 2018 beschlossen worden, fasst Nadja Stauffiger, Leiterin Bau bei der Gemeinde Niederbipp, zusammen. Dafür habe das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) seine Genehmigung bereits erteilt. In der Folge seien die ÜO sowie das Baugesuch erarbeitet worden.

«Die Scheune soll grundsätzlicherhalten werden.»Nadja Stauffiger, Leiterin Bau bei der Gemeinde Niederbipp

Der Gemeinderat müsse jetzt die ÜO nach der Auflagefrist beschliessen und dann die gesamten Unterlagen dem AGR zur Genehmigung einreichen. Der Kanton gehe dabei von maximal drei Monaten aus. «Wir hoffen, dass dies reicht», sagt die Bauverwalterin. Da die Gemeinde aber bei mehreren Projekten Verzögerungen erlebt habe, rechne sie nicht damit.

Das Alterszentrum gibt auf seiner Website an, dass mit dem Baubeginn und dem Umzug in die Wohncontainer voraussichtlich erst im Januar/Februar 2019 gestartet werden könne. Es müssten im Vorfeld noch weitere Abklärungen zur Baubewilligung getroffen werden.

Auf Anfrage wollen sich die Exponenten des Gemeindeverbands, der die elf Ortschaften des nördlichen Oberaargaus umfasst, derzeit nicht zum Bauprojekt äussern. Die Zurückhaltung ist nicht zwingend: Gegen das Gesuch und die Überbauungsordnung sind bei der Bauverwaltung Niederbipp keine Einsprachen eingegangen.

Gebäude soll erhalten bleiben

Von den Ausbauplänen des Alterszentrums ist auch die erhaltenswerte Brauischür betroffen. Derzeit ist das Erscheinungsbild der Scheune mitten im Dorf stark durch den vernachlässigten Unterhalt und die fehlende Nutzung geprägt: Bretter hängen lose herunter, Sprayereien prangen an der Fassade.

In der bauhistorischen Beurteilung vom August 2016 macht die kantonale Denkmalpflege indes deutlich, dass noch keine irreparablen Schäden am 1907 erbauten Gebäude entstanden sind. Die Scheune eigne sich ausgezeichnet für eine Umnutzung – eine Abbruchbewilligung hingegen werde an hohe Anforderungen geknüpft.

Das betroffene Areal wird in zwei Sektoren, A und B, unterteilt. «Die Brauischür selbst liegt nicht im Sektor A, welcher nun beschlossen wird», erklärt Nadja Stauffiger. Heute werde erst von der Teilüberbauungsordnung A, ohne Brauischür, gesprochen. «Die Scheune soll grundsätzlich erhalten werden», betont die Bauverwalterin indes.

Nebst der Gemeinde und der Bauherrschaft sei auch die Denkmalpflege beim Gutachterverfahren miteinbezogen worden. «Was die jetzige Eigentümerin mit der Brauischür vorhat, muss ich offenlassen», sagt Stauffiger. Dies könnten nur die Verantwortlichen des Alterszentrums beantworten – und die Pläne werden dann in einer neuen Überbauungsordnung sichtbar.

Langenthaler Tagblatt

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