Walterswil

«Wer befiehlt, soll auch bezahlen»

WalterswilZusammen mit der ebenso kleinen ­Nachbarin Oeschenbach wäre Walterswil stark von der Streichung der Kantons­beiträge für Schülertransporte betroffen. Deshalb wehrt sie sich – und stösst im Ober­aargau auf viel Solidarität.

Der Schulbus fährt von Walterswil nach Oeschenbach – und umgekehrt. Durch den Wegfall der Kantonsbeiträge kämen auf die kleinen Gemeinden happige Kosten zu. Den Fahrdienst stellen sie aber nicht infrage, denn dieser habe sich bewährt.

Der Schulbus fährt von Walterswil nach Oeschenbach – und umgekehrt. Durch den Wegfall der Kantonsbeiträge kämen auf die kleinen Gemeinden happige Kosten zu. Den Fahrdienst stellen sie aber nicht infrage, denn dieser habe sich bewährt. Bild: Thomas Peter

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«Ja, der Schülertransport geht für uns und Oeschenbach ins Geld», sagt die Walterswiler ­Gemeindepräsidentin Katharina Hasler. Und in Zukunft droht die Belastung noch grösser zu werden. Bereits klar ist, dass nächstes Jahr rund 12'000 Franken wegfallen. Diese hat der Kanton in den ersten fünf Jahren ausgerichtet, nachdem die Schulstandorte zusammengelegt worden waren.

Und nun drohen auch noch die verbleibenden 30'000 Franken wegzubrechen. Denn der Regierungsrat will im Rahmen des Entlastungspakets 2018 die Kantonsbeiträge an die Schülertransporte streichen. 4,2 Millionen Franken will der Regierungsrat damit einsparen.

Wobei er in seinem Bericht gleich einräumt, dass es sich eigent­lich um keine Einsparung, sondern um eine Abwälzung auf die Gemeinden handelt. Knapp 200'000 Franken würden in den Oberaargauer Gemeinden anfallen. Das zeigen Zahlen, die Katharina Hasler über die Geschäftsstelle der Region Oberaargau von der Erziehungsdirektion und dem regionalen Schulinspektorat erhalten hat.

Den teuersten Schultransport leistet sich demnach die Gemeinde Madiswil, gefolgt von den ­Gemeinden des Schulverbandes Aare-Oenz, denen des Schulverbandes Bettenhausen-Ochlenberg-Thörigen und eben Walterswil-Oeschenbach. Rechnet man die Kosten jedoch auf die Anzahl Einwohner um, dann kehrt sich die Reihe um, und andere Gemeinden rücken hinter Walterswil und Oeschenbach aufs Podest vor: Rohrbachgraben, Gondiswil und Reisiswil.

Klein und ländlich

All diese Dörfer haben gemein, dass sie klein und ländlich sind. «Auf diese Gemeinden kommt eine unverhältnismässig hohe Mehrbelastung zu», hält die Gemeinde Walterswil in einem Schreiben an die Oberaargauer Grossrätinnen und Grossräte fest. «Uns wurde erst mit dem Auswerten der zusammengetragenen Zahlen klar, wie ungerecht diese ‹Sparmassnahme› des Kantons für uns ist», betont Katharina Hasler.

Nur knapp die Hälfte der Gemeinden in der Region rechnet Schülertransportkosten mit dem Kanton ab: genau 20 von 46. Trotzdem stiess Walterswil mit seinem Anliegen vielerorts auf grosses Verständnis: 39 Oberaargauer Gemeinden lassen sich im Brief der Walterswiler an die Kantonsparlamentarier namentlich aufführen und fordern damit, den Teil aus dem Entlastungspaket des Regierungsrates zu streichen. Das erstaunt insofern nicht, als auch der Verband Bernischer Gemeinden bereits in dieser Sache aktiv geworden ist.

Katharina Hasler, zugleich Schulleiterin von Affoltern im Emmental, will jedoch mit dem Vorstoss ihrer Gemeinde nicht die Schülertransporte infrage stellen: «Diese machen bei uns durchaus Sinn.» Das gelte nicht nur für die Nachbargemeinde ­Oeschenbach, die mit ihren Schülerzahlen gar keine eigene Schule mehr führen könnte, sondern durchaus auch aus pädagogischen Gründen.

Oeschenbach und Walterswil beschlossen 2010, ihre Schulen zusammenzulegen und einen Schulbus zu organisieren. Seither wird die Schule nur noch in Walterswil geführt, der Kindergarten in Oeschenbach. Die Kindergärteler und Oberstufenschüler aus Gassen besuchen den Unterricht ebenfalls an der Schule Walterswil-Oeschenbach.

Nicht «einfach so»

«Einfach so» würden die Kinder und Jugendlichen jedoch nicht transportiert, hält Katharina Hasler fest. «Sondern nur die, die nach den Vorgaben des Kantons einen Anspruch darauf haben.» Hier hakt sie denn auch ein, warum die Überwälzung der Kosten auf die Gemeinden keinen Sinn mache: «Entscheiden können wir nichts, und sparen damit auch nicht.»

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Das musste auch Eriswil vor gut einem Jahr erfahren. Zur Gemeinde gehört auch der obere Teil des Tals von Neuligen. Dort führte sie bis 1998 ein eigenes Schulhaus, ehe dieses wegen rückläufiger Schülerzahlen geschlossen wurde. Als jedoch Eltern aus diesem Gemeindeteil nicht mehr bereit waren, sich für den Transport ihrer Schüler abzusprechen, musste die Gemeinde einen Bus organisieren.

Kein Präjudiz schaffen

Das taten die Verantwortlichen nur ungern. Sie fürchteten, dass auch die Eltern in anderen abgelegenen Teilen der Gemeinde auf den Geschmack kommen könnten und die Kosten ins unermessliche steigen würden. Auch Eriswil versuchte damals, andere Gemeinden für den Widerstand zu gewinnen. Es stiess damals aber auf taube Ohren, weil die Erfolgsaussichten in den anderen Gemeinden als praktisch gleich null eingeschätzt wurden – auch in Walterswil.

Denn auch der Kanton formulierte seine Vorschriften nicht einfach aus dem Blauen heraus, sondern gestützt auf Urteile des Bundesgerichtes. Dieses leitete den Anspruch der Eltern aus dem Grundsatz des unentgeltlichen Unterrichts ab.

Nur mit Stichentscheid

An der Gemeindeversammlung von Eriswil fand dieser Anspruch vor einem Jahr trotzdem wenig Anklang: Ein Stimmbürger stellte den Antrag, den Beitrag für die Schülertransporte aus dem Budget zu kippen, und fand bei der Hälfte der Anwesenden Unterstützung. Nur der Stichentscheid von Gemeindepräsident Heinz Ruch an seiner letzten Versammlung verhinderte, dass sich die Verantwortlichen trotz fehlenden Erfolgsaussichten mit dem Kanton anlegen mussten.

In Eriswil fährt der Schulbus auch heute einzig nach Neuligen. Die anderen Eltern würden sich zum Glück immer noch auf den Standpunkt stellen, dass sie gewusst hätten, wo das Schulhaus stehe, als sie ihre Kinder auf die Welt gestellt hätten, sagt Heinz Ruchs Nachfolgerin Sonja Straumann. Noch halten sich die Kosten für Eriswil deshalb im Rahmen. Auf seine Unterstützung konnte Walterswil trotzdem zählen. «Das ist selbstverständlich», hält Straumann fest. «Es ist doch ein starkes Stück, wenn der Kanton uns alles vorschreiben will und wir trotzdem allein bezahlen müssen.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 06.11.2017, 06:32 Uhr

Katharina Hasler, Gemeindepräsidentin von Walterswil

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