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Wechsel vom Lehrstellen- zum Lehrlingsmangel

RegionDie Suche nach dem passenden Stift: Viele Betriebe haben Mühe, gute Lernende zu finden. Derzeit sind noch 183 Lehrstellen im Oberaargau offen.

Körperlich anspruchsvolle Berufe geniessen bei den Schulabgängern ein schlechtes Image.

Körperlich anspruchsvolle Berufe geniessen bei den Schulabgängern ein schlechtes Image. Bild: Keystone

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Wer eine Lehrstelle in seinem Wunschberuf fand, hatte in vergangenen Jahren meist eine langwierige Lehrstellensuche hinter sich. Heute hingegen sind nicht mehr nur die Schulabgängerinnen und Schulabgänger auf der Suche. «Dieses Jahr hatten wir in allen Berufen Mühe, Lernende zu finden», sagt Daniel Christen, Leiter des Ausbildungs- und Lernzentrums der Ammann-Unternehmungen in Langenthal. Derzeit sind bei Ammann vier der dreissig Lehrstellen für diesen Sommer nicht besetzt.

Auch Nicole Schneider, Lehrlingsverantwortliche bei Création Baumann, stellt eine solche Entwicklung fest. «Früher hatten wir auf eine KV-Lehrstelle 50 bis 60 Bewerbungen, heute sind es noch 10 bis 20», sagt sie. Für diesen Sommer seien zwar alle Lehrstellen vergeben, doch hätten sich für die Stellen im nächsten Jahr bislang nur wenig Schnupperlehrlinge beworben.

Insbesondere in den handwerklichen und technischen Berufen sind derzeit einige Stellen offen. Insgesamt 183 Lehrstellen sind im Oberaargau bislang nicht besetzt. Davon 26 im Bereich Metall und Maschinen und 20 in der Baubranche, dies zeigen die Zahlen des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes.

Schlechtes Image

«Berufe, in denen man körperlich arbeiten muss, leiden unter einem schlechten Image», sagt Brigitte Eggimann Wullschleger, Leiterin des Berufs- und Informationszentrums Langenthal. Einen tiefen Lohn und keine Aufstiegsmöglichkeiten würden die Jugendlichen von diesen Berufen erwarten, sagt sie.

«Dabei gibt es gerade in den handwerklichen Berufen sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten», so die Leiterin des BIZ. Aber die Suche nach Lernenden gestalte sich derzeit auch in anderen Berufen schwierig. Das liege nicht daran, dass mehr Schüler eine Mittelschule besuchen würden, vielmehr sei der Grund in der demografischen Entwicklung zu suchen.

Suche nach Traumberuf

Trotz freien Lehrstellen gibt es Schulabgänger, die bislang keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Mangelnde Flexibilität sei oft der Grund dafür, so Eggimann Wullschleger: «Ich rate den Jugendlichen, sich nicht auf einen Beruf zu fixieren, sondern andere Berufe anzusehen.»

Gelegenheit dazu bietet die Veranstaltung Lehrstellenmarkt (siehe Box). Bei den jungen Männern seien es Traumberufe wie Mediamatiker oder Informatiker, bei denen die Nachfrage grösser sei als das Angebot. Und bei den Frauen seien besonders soziale Berufe wie Fachperson Betreuung oder Fachperson Gesundheit gefragt.

Eine Schnupperlehre hilft

Ausbildungsplätze für Fachfrau/Fachmann Gesundheit sowie Assistentin Gesundheit und Soziales gibt es in den Alters- und Pflegezentren der Dahlia Oberaargau. Doch auch dort sind vier der zwölf Lehrstellen noch offen. «In den Pflegeberufen suchen viele zuerst im Akutbereich, beispielsweise in Spitälern», sagt Lotti Bärtschi, Bildungsverantwortliche bei Dahlia in Herzogenbuchsee.

Wenn sie nichts fänden, würden sie dann in der Langzeitpflege suchen, so Bärtschi. Ein Problem darin sieht sie jedoch nicht. «Bei einer Schnupperlehre merken wir schnell, wer tatsächlich interessiert ist», sagt Bärtschi.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2016, 18:13 Uhr

Lehrstellenmarkt

Am 16. März findet die Veranstaltung Lehrstellenmarkt des BIZ Langenthal statt. Dort treffen Lehrstellensuchende auf Betriebe, die offene Lehrstellen haben. Es besteht die Gelegenheit für ein Gespräch und die Möglichkeit, eine Schnupperlehre zu vereinbaren. (rsc)

Infos und Anmeldung: www.be.ch/biz.

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