Aarwangen/Langenthal

Umfahrung Emmental: Finanzierung wird später geklärt

Aarwangen/LangenthalVerkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord: 136 Millionen Franken würde die Variante Umfahrung kosten, 44 Millionen die Variante Null+. Der Kanton zeigt sich zuversichtlich, dass eine Finanzierung machbar ist.

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Aus Oberaargauer Sicht war die Überraschung am Dienstag eine positive: Mit geschätzten Gesamtkosten von 136 Millionen Franken käme eine Umfahrung der verkehrsgeplagten Gemeinde Aarwangen günstiger als angenommen. Noch 2007 war man von 170 Millionen für eine Umfahrungsstrasse ausgegangen. Und auch die Variante Null+ könnte mit geschätzten 44 Millionen Franken gegenüber den 56 Millionen Franken von vor acht Jahren heute offenbar günstiger realisiert werden.

Ganz anders präsentiert sich die Ausgangslage indes im Emmental: Dort rechnet das Vorprojekt für die Umfahrungen im Gebiet Burgdorf-Oberburg-Hasle plötzlich nicht mehr mit Kosten von 370, sondern stolzen 647 Millionen Franken. Weitestgehend offen lassen die Vorprojekte in beiden Fällen die Frage, wie die Mammutprojekte konkret finanziert werden sollen.

«Die Finanzierung ist mit der Reservierung von Fondsmitteln aus dem Investitionsspitzenfonds und mit der signalisierten Unterstützung von Bundesmitteln grundsätzlich machbar», zeigte sich Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP) an der Medienorientierung vom Dienstag zwar zuversichtlich. Gesichert ist das Geld aber nicht.

Bundesgelder: Konkrete Zahlen 2019

Es würden Bundesmittel «erwartet», drückt sich die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion in der Medienmitteilung noch vorsichtig aus. Selbstsicherer gibt sich der Kanton in den Mitwirkungsunterlagen zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord: Die Umfahrung von Aarwangen sei Bestandteil der sogenannten flankierenden Massnahmen im Zusammenhang mit dem Ausbau der A1 zwischen Luterbach und Härkingen auf sechs Spuren, die vom Bund mitfinanziert werden, steht dort.

«Es kann davon ausgegangen werden, dass das Projekt als Bestandteil der flankierenden Massnahmen Gelder vom Bund erhält», sagte Barbara Egger auf Anfrage. Noch keine verbindliche Zusage gebe es über die Höhe der Beiträge. Den Mitwirkungsunterlagen ist zu entnehmen, dass diese mit der Plangenehmigung des Autobahnprojekts, «voraussichtlich im Jahr 2019», festgelegt werden könne.

Fondsmittel: In Relation zum Emmental

Offen ist zum jetzigen Zeitpunkt auch, wie viele Mittel aus dem Investitionsspitzenfonds des Kantons dereinst in die Verkehrssanierung im Oberaargau fliessen. Erst im März hat der Grosse Rat beschlossen, dass die nach dem Nein zum Tram Region Bern frei gewordenen Fondsmittel den Verkehrssanierungen im Emmental und im Oberaargau zukommen sollen.

Ging man damals von mindestens 240 Millionen Franken aus, ist nun bereits von mindestens 280 Millionen die Rede. Reichen würde dies zwar für beide Null+-Varianten, nicht aber für die Umfahrungen im Emmental und im Oberaargau. Überhaupt muss erst einmal festgelegt werden, wie die Gelder dereinst verteilt werden.

Sie gehe heute von einer anteilsmässigen Aufteilung der Fondsmittel aus, sagte Barbara Egger am Dienstag. Heisst: Für das Emmental dürfte so oder so der grössere Teil des Kuchens herausschauen, übersteigen die Kosten der dortigen Varianten diejenigen der Oberaargauer Lösungen doch bei weitem.

Bleiben als dritte Säule der angedachten Finanzierung schliesslich die Mittel, die dem Kanton ordentlich für Verkehrsinfrastrukturen zur Verfügung stehen. Über diese Mittel entscheidet jeweils der Grosse Rat. An ihm wird es nach dem Variantenentscheid des Regierungsrats im kommenden Frühling auch sein, voraussichtlich noch 2016 den Projektierungs- und später den Baukredit für die Verkehrssanierungen zu sprechen.

Verteiler: Nach Variantenentscheid

Ob auch Gemeinden und weitere Beteiligte ihren Beitrag leisten müssen, wird sich zeigen. Sie müssen gemäss Mitwirkungsunterlagen nur jene Mehrkosten finanzieren, die zum Beispiel für einen höheren Ausbaustandard oder einen neuen Strassenanschluss verursacht würden. Der Verteilschlüssel könne aber erst nach dem Variantenentscheid aufgrund des detaillierten Projekts vereinbart werden.

«Über den Kostenteiler haben wir bewusst noch nicht diskutiert. Zuerst müssen wir wissen, was wir wollen», unterstrich am Dienstag Kreisoberingenieur Roger Schibler. Dasselbe gelte für die Bahnbetreiberin Aare Seeland mobil (ASM): Sie werde sich an den Kosten beteiligen, zumal sie auch abgesehen von der Verkehrssanierung in den Substanzerhalt ihrer Anlagen investieren müsste.

Klar ist: Im Gegensatz zu früheren Projektphasen sind sogenannte flankierende Massnahmen, die eine neue Strasse erfordern würde, inzwischen Bestandteil der Variante Umfahrung und somit auch in den Gesamtkosten aufgeführt. Die Kosten für die Strasse alleine belaufen sich auf 106 Millionen Franken – die zusätzlichen rund 30 Millionen Franken würden für notwendige Umbauten auf dem bestehenden Strassennetz anfallen.

Nicht berücksichtigt sind dabei weitere, von den Vorprojekten unabhängige Massnahmen, die ebenfalls zur Verbesserung der Verkehrssituation im Raum Aarwangen-Langenthal beitragen sollen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.10.2015, 19:08 Uhr

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