Langenthal

Sicherheit geht vor – auch an Fasnacht

LangenthalViele Feierfreudige auf engem Raum und Alkohol, der in Strömen fliesst: Private sorgen während des Guggenspektakels für Ordnung. Warum Glas ihr grösstes Problem ist und sie Cowboys mit Colts im Auge behalten.

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20 Uhr. Mit grossen, zügigen Schritten bewegt sich Thomas Fehlmann, Geschäftsführer der Sicherheits- und Eventfirma Event Workers GmbH, am Samstagabend durch die Langenthaler Innenstadt. Er geht von Eingang zu Eingang, kontrolliert nochmals, ob alle Absperrungen richtig platziert sind und ob bei den Eingangskontrollen alles glatt läuft.

Fehlmann ist bereits seit 15.45 Uhr auf dem Gelände, denn schon ab 18 Uhr muss alles bereit sein. Ab da kommt nämlich nur noch in die Innenstadt, wer eine Plakette vorzuweisen hat. Das kontrollieren die Sicherheits­leute mit den Mitgliedern des Schwingervereins, die an den Eingängen aushelfen. So können sich die an den Eingängen stationierten Sicherheitsleute auf ihre zentrale Aufgabe konzentrieren: dafür zu sorgen, dass keine verbotenen Gegenstände, wie etwa Waffen, und möglichst wenig Glas auf das Gelände gelangen.

Vorsicht, Scherben!

Das ist wichtig, um die Verletzungsgefahr an der Fasnacht zu verringern – besonders Kinder sind durch herumliegende Glasscherben gefährdet, wenn sie am Boden liegende Konfetti aufheben wollen. Es ist aber auch schwer: Trotz Taschenkontrollen schafft es doch jedes Jahr die eine oder andere Glasflasche auf das Gelände. «Das kann man nicht komplett verhindern», sagt Fehlmann. Man könne einfach nicht jeden durchsuchen, dafür seien die Kostüme oft viel zu komplex.

Die meisten Probleme machten aber in der Regel sowieso nicht die aufwendig kostümierten Fasnächtler, für die die Fasnacht viel bedeute, sondern eher die «Pseudoverkleideten», die lediglich ihr Gesicht mit einer Maske verdeckten, erklärt er. «So jemand wird dann vielleicht auch mal etwas genauer durchsucht, um sicherzustellen, dass er oder sie keine Waffen dabeihat.»

Waffen in der Markthalle?

Kurz nach 23 Uhr kommt es dann trotzdem zu einem Zwischenfall mit einer Waffe. Über Funk bekommen die Sicherheitsleute Meldung, dass sich jemand mit einer Waffe oder sehr echt aussehenden Attrappe in der Marktgasse aufhalte. Schnell sind zwei der patrouillierenden Sicherheitsleute vor Ort, um den jungen Mann unauffällig im Auge zu behalten. Solange, bis die Polizei eintrifft und die Waffe kon­fisziert.

«Solche Dinge kommen schon ab und zu vor», sagt Fehlmann. «Manche Leute nehmen auch Schwerter aus Metall oder Äxte mit. Die Meisten wollen diese Dinge natürlich meistens nicht als Waffe einsetzten, sondern damit nur ihr Kostüm möglichst echt gestalten.» Trotzdem: Alles, was für andere Besucher gefährlich werden könnte, ist verboten. Noch ein zweites Mal kontrolliert eine Securitypatrouille an diesem Abend einen Mann, der eine gelungene Waffenattrappe dabeihat. Dieses Mal handelt es sich aber um eine Wasserpistole – die ist erlaubt.

Plaudern auf dem Heimweg

Derselbe Mann wird den Sicherheitsleuten später, auf dem Heimweg noch mal begegnen, kurz anhalten und ein bisschen mit ihnen plaudern. Ein freundlicher Umgang mit den Besuchern ist laut den Sicherheitsexperten wichtig. «Ziel ist es immer, mit den Leuten das Gespräch zu suchen und deeskalierend zu wirken», sagt Fehlmann. So könne man viel mehr erreichen, als wenn man gleich tadelnd auf die Leute zugehe. «In der Regel können wir vermeiden, dass die Situation überhaupt erst eskaliert, denn wir sind gut ausgebildet und sehen schon früh, wenn sich irgendwo eine Krise anbahnt. Dann greifen wir sofort ein.»

Ruhe und Friedfertigkeit

Es ist nicht das erste Mal, dass das Unternehmen am Guggenspektakel mit der Kantonspolizei für Sicherheit, Ruhe und Ordnung sorgt. In diesem Jahr sei es aber besonders friedlich an der Langenthaler Fasnacht, darüber sind sich mehrere Sicherheitsleute ­einig.

Auch Fasnachtsober Stefan Spahr ist zufrieden mit der Lösung. In den sechs Jahren der engen Zusammenarbeit hätten die Bandenschlägereien aufgehört. Zivile Sicherheitsanbieter einzukaufen koste zwar viel Geld, die Massnahme verfehle ihre Wirkung aber nicht. Während die Polizei von der Stadt finanziert wird, kommt die Langenthaler Fasnachtsgesellschaft für die privaten Sicherheitsleute auf, die am Samstagabend vor Ort sind. Wie im letzten Jahr werden auch dieses Mal die Zufahrt auf den Strassen hin zur Marktgasse mit Betonklötzen geschützt. Diese postiert der Werkhof in Absprache mit dem Stadtbauamt und der Feuerwehr.

Betrunkene in Seitengassen

Ab Mitternacht ist die Innenstadt schliesslich wieder für alle frei zugänglich. Die Securitypatrouillen drehen aber weiterhin ihre Runden, um für die Sicherheit der Fasnächtler zu sorgen.

Dazu gehört auch das regelmässige Überprüfen von Orten wie Seitengassen oder Toilettenbereichen, wo sich Betrunkene aufhalten könnten, die womöglich medizinische Hilfe benötigen. Dafür ist dann aber nicht mehr so viel Personal notwendig. «Wir sind da flexibel in unserer Grösse», so Fehlmann, «geplant ist, dass wir bis etwa 4 Uhr morgens vor Ort sind. Wenn aber noch länger was los ist, bleiben wir auch bis 5 oder 6.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 19.02.2018, 06:35 Uhr

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