Schwierige Schüler dürfen etwas kosten

Langenthal

Eine Entlastung der Lehrpersonen bei schwierigen Schülern darf die Stadt Langenthal durchaus etwas kosten, befindet das Parlament. Dafür soll anderswo gespart werden.

Lehrpersonen, die schwierige Schüler unterrichten, sollen in Langenthal entlastet werden (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Vor versammeltem Parlament musste sich EVP-Stadtrat Daniel Steiner die Schelte von Bernhard Marti anhören. Mit dem Rückzug seiner Motion für ein Pilotprojekt Schulsozialarbeit sei er im November all denen, die Jahre mit ihm für ebendieses Anliegen gekämpft hätten, in den Rücken gefallen, geizte der SP-Stadtrat nicht mit Kritik an seinem ehemaligen Lehrer Steiner.

Der wiederum konterte: Im Parlament gehe es darum, Sachlösungen zu finden. Dem habe er in einer seit Jahren blockierten Situation Rechnung getragen. Noch letzten November haben EVP/GLP, SVP und FDP/JLL die gemeinsame Motion eingereicht, die nun statt einer Schulsozialarbeit eine Entlastung der Lehrpersonen bei der Begleitung «schwieriger» Schulkinder fordert: durch eine bessere Nutzung bereits bestehender Angebote und somit «weitgehend budgetneutral», wie es die Motionäre formulierten.

Daran, dass es nach langem Hin und Her nun tatsächlich vorwärtsgehen soll, hatte am Montag auch Rot-Grün nichts einzuwenden. Selbst die Liberalen gingen mit der SP/GL-Fraktion einig, dass der Vorstoss ­entgegen dem Antrag des Gemeinderats nicht als Motion mit Richtlinien, sondern mit Weisungscha­rakter qualifiziert werden müsse.

Zumal die zu ergreifenden Massnahmen bei einer Richtlinienmotion die gemeinderätliche Kompetenz von 150 000 Franken bei einmaligen Ausgaben und 30'000 Franken bei wiederkehrenden Kosten nicht übersteigen dürften.

Spielraum statt Schranken

Letzteres entspreche gerade einmal einer 20- bis 30-Prozent-Stelle, hinterfragte Daniel Steiner am Montag die Wirksamkeit einer solchen Entlastungsmassnahme. Es werde finanzielle Ressourcen brauchen, verwies die parteilose Josephine Lüdi im Namen der SP/GL-Fraktion auf laufende Leistungsverträge zwischen den bestehenden Institutionen und dem Kanton, die man auf Gemeindeebene nicht einfach so anpassen könne.

Auch Diego Clavadetscher (FDP) sprach sich namens der Motionäre dafür aus, dem Gemeinderat den Weg für die Umsetzung vorerst offenzulassen. Schliesslich spreche die Motion nicht von einer kostenneutralen Lösung, sondern einer budgetneutralen.

Entsprechend Unterstützung boten die Liberalen in der Folge der SVP. Bei der Qualifizierungsfrage allein auf weiter Flur, beantragte die Volkspartei nun, dass der Gemeinderat im zu erarbeitenden Projekt zugleich aufzeige, mit welchen Einsparungen in anderen Bereichen er die Budgetneutralität zu erreichen gedenke.

Vergeblich warf Roland Loser (SP) die Frage in den Raum, ob das nicht der Einheit der Materie widerspreche. Bei gleich vier Absenzen in seiner krankheits­geschwächten Fraktion fand die Auflage der SVP mit 17 Ja zu 16 Nein (bei 2 Enthaltungen) eine knappe Zustimmung.

Langenthaler Tagblatt

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