Radikal in allen Belangen

Langenthal

Mit ihrem neuen Hauslieferdienst bringt Nadja Biedermann Mahlzeiten genau so an den Mann und die Frau, wie sie es selber seit Jahren bevorzugt: vegan und regional, ohne Abfall zu erzeugen – und natürlich hausgemacht.

Das Mittagessen im Glas: Mit Spätzli und Schichtsalaten hat Nadja Biedermann am Märit auf ihren Root Food aufmerksam gemacht.

Das Mittagessen im Glas: Mit Spätzli und Schichtsalaten hat Nadja Biedermann am Märit auf ihren Root Food aufmerksam gemacht.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

Wenn Nadja Biedermann von einem «Gläsli Liebi» spricht, verspricht sie damit nicht zu viel. Es muss neben viel Können schon eine gehörige Portion Leidenschaft drinstecken in diesem Weckglas, so lange, wie die 38-jährige Langenthalerin dafür in der Küche gestanden ist.

Eingekauft hat sie für die Kostproben, die sie an diesem Märitmorgen den Passanten in der Langenthaler Marktgasse anbietet, nur die Rohstoffe. Bei der Biofarm in Kleindietwil und den Landwirten der Umgebung. Und noch unverarbeitet versteht sich, denn wo «hausgemacht» draufsteht, ist bei Nadja Biedermann auch eben das drin.

Das Rüsten und Schneiden der verschiedenen Zutaten für ihren Schichtsalat gehört dazu ebenso wie das Herstellen des eigenen Seitans oder der Bärlauchspätzli samt Schnittlauchterrine im anderen Glas.

«Ohne Zusatzstoffe?», will eine Marktbesucherin wissen. «Und alles biologisch», sagt Nadja Biedermann, erfreut und erleichtert zugleich ob des regen Interesses der Passanten an ihrem Angebot. Schon gegen halb elf Uhr am Vormittag hat sie mehr als die Hälfte ihrer rund 30 Gläser verkauft. Wenn der Markt gegen 12 Uhr zu Ende geht, wird auch das letzte Glas unterwegs sein auf einen Langenthaler Mittagstisch.

Mit dem Cargovelo

Zwei verschiedene Angebote, neben einem reichhaltigen Salat immer auch etwas Aufwärmbares, will die Langenthalerin künftig jeden Dienstagvormittag an die Kundschaft bringen.

Nach den zwei Werbeauftritten diese Woche am Gemüsemarkt wird sie fortan nun aber nicht mehr hinter dem Stand stehen, sondern in die Pedale treten. Mit dem Cargovelo wird sie ihre Mahlzeiten auf Bestellung innerhalb des Stadtgebietes ausliefern. Dafür ins Auto zu steigen, würde zu ihrer Überzeugung nicht passen.

«Radikal gut essen» lautet die Devise ihres Root Food, wie sie den Lieferdienst nennt. Wobei «radikal» eben nicht nur für lokale und rein pflanzliche Zutaten steht, sondern auch für unverpackt und abgasfrei.

Die Weckgläser können Nadja Biedermann bei einer nächsten Lieferung wieder mitgegeben oder in der Kornblume abgegeben werden. Selbst die Flyer, mit denen sie an diesem Morgen für ihren Lieferdienst wirbt, hat Biedermann aus alten Konzertplakaten gefertigt.

Die Küchenphilosophin

«Mit Root Food habe ich eine Schnittstelle gefunden zwischen der Notwendigkeit, Geld zu verdienen, und genau dem, woran ich glaube», sagt die studierte Philosophin, in deren Leben das Kochen und das Essen schon immer eine zentrale Bedeutung genossen haben.

Bereits als 10-Jährige habe sie regelmässig die ganze Familie bekocht, erzählt sie. Eine Kochlehre wie der Vater absolvierte sie nicht. Ihrer Leidenschaft fürs Kulinarische sollte das allerdings keinen Abbruch tun.

Nadja Biedermann war noch Gymnasiastin, als sie im Chrämerhuus als Köchin angestellt wurde. Während des Philosophiestudiums brachte sie mit dem Pflanzenfresser die vegane Küche ins Lakuz und auf den Wuhrplatz – ein Angebot, das sie heute mit monatlichen Brunchs im Restaurant Sous le Pont in Bern weiterführt.

«Meine Kunden sind Leute, die einfach gerne fein essen.»Nadja Biedermann

Daneben sind es Kurse und Cateringaufträge, mit denen die Mutter eines siebenjährigen Buben ihren Lebensunterhalt bestreitet. Die Kundschaft: nur selten selber Veganer und Veganerinnen wie die Köchin. «Es sind Leute, die einfach gerne fein essen», sagt sie und schmunzelt.

Wieder geht ein Spätzliglas über den Standtisch. «Eine geniale Idee», lobt eine Passantin. Für Nadja Biedermann ist die erste Hürde geschafft. Noch einmal wird sie morgen Samstag am Märit für ihren Root Food werben.

Und dann voller Spannung darauf warten, wie viele Bestellungen bis zum Montagabend bei ihr eingehen für ihre erste Liefertour am Dienstag. Maximal 40 Kunden könne sie an einem Vormittag beliefern, sagt sie. Mit 20 sei sie bereits recht zufrieden. Eine kurze Nacht wird es sowieso werden vorher, will sie die letzten Salathäupter doch jeweils erst frühmorgens vom Märit holen.

Langenthaler Tagblatt

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