Pädophiler: «Gut, wurde ich erwischt»

Ein Vater aus dem Oberaargau verschwindet für 42 Monate hinter Gittern. Der psychisch angeschlagene Mann hatte sich dutzendfach an seiner Tochter vergangen.

Der Vater wusste schon seit vor der Geburt seiner Tochter um seine pädophilen Neigungen (Symbolbild).

Der Vater wusste schon seit vor der Geburt seiner Tochter um seine pädophilen Neigungen (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Johannes Hofstetter

Zweieinhalb Jahre lang lebte ein Oberaargauer seine sexuellen Fantasien an seiner Tochter aus. «Mindestens 30- bis 40-mal» habe er sich an dem Kind vergriffen, heisst es in der Anklageschrift. Zum Zeitpunkt der ersten Vorfälle war das Mädchen vier Jahre jung. Wenn es jemandem von seinen «Spielchen» erzähle, würde er verhaftet, liess der Täter das Opfer wissen.

Bei einer Durchsuchung seines Computers entdeckten die Ermittler Hunderte von Bildern und Filmen, welche sexuelle Handlungen mit Kindern zeigten. Auf einer Aufnahme war zu sehen, wie der Mann seiner Tochter unter die Unterhose greift. Um seine pädophilen Neigungen habe er schon vor der Geburt der Tochter gewusst, sagte der Angeklagte vor dem in Dreierbesetzung tagenden Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Von einer Behandlung habe er jedoch abgesehen, weil er nicht gewusst habe, wie er seiner eifersüchtigen Frau die dafür nötigen Absenzen erklären soll.

«Ich bin froh, dass ich erwischt wurde», gab der geständige Beschuldigte zu Protokoll. Was er getan habe, tue ihm sehr leid. Kontakt zur Familie hat er keinen mehr: Die Frau hat sich von ihm getrennt. Seine heute achtjährige Tochter liess ihm über eine Anwältin ausrichten, er habe ihr «das Herz gebrochen». Auch die anderen Kinder wollen nichts mehr von ihm wissen.

In Therapie

Der Mann lebt nun in einem Wohnheim für psychisch erkrankte Menschen. Mit einem Psychologen versuche er, zu verstehen, was damals wieso passiert sei, sagte er. Und sicherzustellen, dass «so etwas nie wieder passieren kann». «Vermutlich bleibe ich für den Rest meines Lebens in Therapie», stellte er fest.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft konstatierte, der Mann habe das Zärtlichkeitsbedürfnis des Mädchens «rücksichtslos ausgenutzt», um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Zugute zu halten sei ihm die Kooperationsbereitschaft nach der Verhaftung. Während der Untersuchung des Falls habe der Mann seine persönlichen Interessen immer hinter jene des Kindes gestellt.

«Das ist schlimm»

Das Gericht verurteilte den nicht vorbestraften Angeklagten wegen sexueller Nötigung, sexueller Handlungen mit Kindern und Pornografie zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten und ordnete eine vollzugsbegleitende Therapie an. Weiter untersagte es ihm für die nächsten zehn Jahre jede berufliche und organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst.

Die Verfahrenskosten von knapp 40'000 Franken muss der Mann bezahlen, sobald er seinen Schuldenberg in sechsstelliger Höhe abgetragen hat. Der Prozess wurde als abgekürztes Verfahren abgewickelt. Dem Mädchen blieb damit eine weitere Einvernahme erspart. «Mit Ihren Taten haben Sie Ihre Familie auseinandergerissen. Ihre Kinder verloren ihren Vater. Das ist schlimm», gab Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser dem Mann mit auf den Weg.

Berner Zeitung

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