Gondiswil

Nicht ohne diese zwei Holzwürmer

Gondiswil Ihr Auftritt an der Gewerbeausstellung 1999 half Roland und Antoinette Nyffeler, bekannt zu werden. Klar, trifft man die beiden «Förobeholzwörm» ­ auch am kommenden Wochenende ­wieder an der Goga an.

Haben bisher noch alle Ideen umgesetzt: Antoinette und Roland Nyffeler.

Haben bisher noch alle Ideen umgesetzt: Antoinette und Roland Nyffeler. Bild: Daniel Fuchs

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«Förobeholzwörm» nennen sich Roland und Antoinette Nyffeler. An einem Feierabend haben sie ihre Arbeit damals tatsächlich begonnen. Es war auf dem Gondiswiler Bauernhof in der untern Seilern, den die beiden von Roland Nyffelers Vater übernehmen konnten. Das ö im Firmennamen indes ist Antoinette geschuldet: Sie stammt aus dem luzernischen Hergiswil bei Willisau.

Als Garagenschreiner sei er anfänglich auf dem Bau unterwegs gewesen, erzählt Roland Nyffeler in der offenen Wohnküche im Bauernhaus, in dem man sowohl im grossen Ganzen wie auch in den kleinen Details überall die Arbeit der beiden Fachleute in ihrem Handwerk sieht. Der Bauschreiner aber war jeweils vor allem dann gefragt, wenn die eigene Arbeitskraft auch auf dem Bauernbetrieb nötig war. Weil in Huttwil Alice lngold mit Kerbschnitzen aufhörte, witterten ­Roland und Antoinette Nyffeler schliesslich eine Marktlücke, in der sie sich seither gezielt etablieren konnten. Die erste Gewerbeausstellung in Gondiswil kam für die beiden 1999 da gerade goldrichtig, denn dort konnten sie sich einem grösseren Publikum vorstellen.

Auffallen erwünscht

Seither hält sich das Paar etwa am Huttwiler Wiehnachtsmärit und am Gotthelfmärit in Sumiswald im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Dabei hätten es Roland und Antoinette Nyffeler heute eigentlich gar nicht mehr nötig, sich bekannt zu machen. Dennoch wollen sie auch an der bevorstehenden Gondiswiler Gewerbeausstellung (Goga) nicht fehlen. «Wenn sich die Betriebe der Gemeinde zeigen, wollen auch wir dabei sein», sagt Antoinette Nyffeler. Bereits haben sie sich für ihren Auftritt ein spezielles Häuschen gestaltet. «Es wird auffallen», versprechen sie.

In ihrer Schreinerei in einem Wagenschopf haben die «Förobeholzwörm» neben dem notwendigen Maschinenpark auch in einen Laser investiert, mit dem sie praktisch jedes beliebige Sujet ins Holz brennen oder fürs Schnitzen vorzeichnen können. Seinen Niederschlag gefunden hat das auch im Gewerbeverein unter Präsident Thomas Thierstein. Der Käser stellt nicht nur Emmentaler her, sondern hat in Anlehnung an die Knochenfunde in den Kohlengruben des Ersten Weltkrieges auch einen Mammutkäse kreiert. Auf einer Stabelle für Thomas Thierstein und seine Familie hielten Roland und Antoinette Nyffeler deshalb sowohl den Schriftzug des Emmentaler Käses wie auch ein Mammut fest.

Neben Stabellen und anderen Möbeln gehören Uhren, Wetterstationen und Schnapshalter zu den beliebtesten Produkten der Fürobeholzwörm. Das Angebot reicht von der Miniaturmodellwerkstatt über die Griffe von Taschenmessern, Schatullen und Blumenübertöpfen bis hin zum Brunnen und zur Tischgarnitur mit Bank. «Wir mussten noch keine ldee ablehnen, weil wir sie nicht umsetzen konnten», hält Roland Nyffeler fest.

Bis ins Ausland

Dabei sind die Fürobeholzwörm nicht etwa die einzigen Gondiswiler Gewerbler, die Holz aus der Gemeinde und ihrer Nachbarschaft verarbeiten. Auch Gemeindepräsident Peter Nyffen­egger wäre zu nennen, der in ­vierter Generation eine Sägerei betreibt. Das bekannteste Holzprodukt aus Gondiswil sind jedoch die Cuboro-Spielwürfel, mit denen sich Marmelbahnen bauen lassen. Hergestellt werdens sie von der Firma Nyfeler Holzbau im Byfang. Kürzlich erlebten die Würfel sogar in Japan einen veritablen Hype.

So weit ist der Ruf der Holzgeschenke von Roland und Antoinette Nyffeler noch nicht vorgedrungen. Doch mit den Schwingern und den Hornussern sind die beiden inzwischen in der ganzen Schweiz im Geschäft, wenn es um Preise und Souvenirs geht. Via Website geht ein kleiner Teil sogar ins Ausland.

Das schaffen die beiden «Holzwörm» definitiv nicht mehr am Fürobe. Sollte es einmal mit der Landwirtschaft nicht mehr klappen, könnten sie mit ihrem Handwerk denn auch durchaus ihr Auskommen finden, sind die beiden überzeugt. Solange es geht, wollen sie jedoch Milchkühe, Jungvieh und Mastschweine behalten. Denn ein Landwirtschaftsbetrieb ist letztlich Voraussetzung dafür, dass sie ihre Werkstatt in der untern Seilern behalten können und diese nicht in eine Arbeitszone verlegen müssen.
Dieser Text ist Teil eines Beitrages, den der Autor, Redaktor dieser Zeitung, für das Jahrbuch des Oberaargaus zum Jubiläum des Gewerbevereins verfasste. Das Jahrbuch erscheint im November. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.10.2018, 06:37 Uhr

Die Ausstellung

Zu seinem 75-jährigen Bestehen organisiert der Gewerbeverein Gondiswil über das bevorstehende Wochenende seine dritte Gewerbeausstellung nach 1999 und 2009. 45 Aussteller präsentieren sich in der und rund um die Gondiswiler Mehrzweckhalle dem Publikum. Für das leibliche Wohl der Besucherinnen und Besucher sorgen das Restaurant Bahnhöfli sowie der Frauenturnverein und der Gesangverein mit Festwirtschaft, Bar und Kaffeestube. (jr)

Öffnungszeiten: Freitag, 5. Oktober, 18–22 Uhr; Samstag, 6. Oktober, 14–22 Uhr; Sonntag, 7. Oktober, 10–17 Uhr.

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