Mit geübter Hand zu Gold

Über 60 Medaillen holte die Berner Delegation an den Schweizer Berufsmeisterschaften. Sechs von ihnen gingen in die Region Oberaargau-Emmental – für die Gewinner noch kaum zu fassen.

Raphael Furrer, Automatiker EFZ, Aarwangen

«Für uns ging mit den Swiss Skills eine intensive Vorbereitungszeit zu Ende, die nach den Sommerferien begonnen hatte. Bei den Automatikern war der Andrang gross. Ursprünglich waren 66 junge Berufsleute zur Ausscheidung angetreten. Diese mussten sich zuerst in zwei Vorrunden qualifizieren. In Bern antreten konnten bloss noch die besten 12, die sich Tag für Tag bis in den Final vorkämpfen mussten.

Im Verlauf der sechs Aufgaben, die ich in den vier Tagen lösen musste, wurde die Anlage, die ich programmierte, immer komplexer und vollständiger. Am Samstag konnte sie schliesslich Kunststoffbecher mit Deckeln schliessen und sie nach den verschiedenen Farben sortieren. Es ist eine Aufgabe im Kleinen, wie sie in der industriellen Produktion häufig vorkommt.

Ich hatte mir die Strategie zugelegt, den Zeitvorgaben immer einen Tick voraus zu sein. Das hat sich bis in den Final bewährt, obschon es am Schluss doch noch eng wurde. Als mein Sieg dann feststand, war endlich Zeit, etwas zu verschnaufen und zu feiern. Doch mit der Goldmedaille von letzter Woche geht die intensive Zeit für mich gleich weiter, denn mit dem Sieg habe ich mich für die World Skills qualifiziert, die nächstes Jahr in Kazan in Russland stattfinden. Ich hoffe, dass ich auch von diesen Vorbereitungen in meinem weiteren Berufsleben profitieren kann.»

Nick Hirsbrunner, Bodenleger Fachrichtung Parkett, Sumiswald:

«Dass ich ein Schweizer Meister bin, realisiere ich erst jetzt richtig. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich überhaupt nicht mit dem Sieg gerechnet habe. Ich trat gegen sechs Berufskollegen an und malte mir höchstens einen vierten, im Idealfall einen dritten Platz aus.

Als Ausgangsposition am Wettkampf bekamen wir zwei leere Holzbretter. Zuerst ging es darum, bei beiden einen Rand anzufertigen. Danach galt es bei einem Brett ein Flächenmuster zu verlegen. Mittendrin musste ein Würfel platziert werden, auf diesen habe ich ein Schweizer Kreuz gemacht. Beim anderen Brett konnte das Parkett nach Gutdünken verlegt werden, verziert mit einem Muster.

Ich habe mich für einen Diamanten entschieden. Insgesamt hatten wir 261/2 Stunden Zeit. Mit reichte dies gut. ­Bestimmt half mir, dass ich mich im Lehrbetrieb, der Kühni AG in Ramsei, zwei Wochen lang vor­bereiten konnte. Die Teilnahme am Wettkampf war ein unvergessliches Erlebnis, ich werde mich bestimmt oft daran er­innern.»

Chantal Wiedmer, Floristin, Trub:

«Ich startete bereits am Donnerstag in einer Siebnergruppe in die Qualifikation. Erst mussten wir einen Blumenschmuck zum Thema «jung, wild, smart» herstellen – dazu konnten wir ein vorbereitetes Gerüst mitbringen. Wir hatten eine Stunde lang Zeit, diesen Brautschmuck mit frischen Blumen fertigzustellen.

Danach folgte eine Bepflanzung zur Trendfarbe Grün. Anschliessend bestand unsere Aufgabe darin, einen Strauss zum Thema Öko zu fertigen. Zuletzt machten wir ein Gesteck, wobei alle Teilnehmenden spontan zwischendurch für ein Interview auf den heissen Stuhl geholt wurden. Ich musste etwas ausharren, da man uns erst am Freitagabend via E-Mail mitteilte, ob wir ins Finale einziehen konnten.

Am Samstagmorgen ging es dann bereits weiter. Das Wettkampfthema wurde uns ebenfalls via E-Mail mitgeteilt. Erst stellten wir ein Gesteck zu «Switzerland meets Russia» her, denn die World Skills 2019 finden in Russland statt. Unsere zweite Aufgabe bestand darin, ein gebundenes Werkstück über «Switzerland, my home» zu gestalten. Zuerst wurden die Ränge vier bis sieben bekannt gegeben, da freute ich mich bereits riesig, unter den besten drei zu sein.

Als wir auf die Bühne stiegen, hatte niemand eine Ahnung, wer gewinnen würde. Bei mir reichten 88,3 Punkte für Gold. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Ich konnte mich super auf die Wettkämpfe vorbereiten, da in unserem Floristenteam von Blumen Gardyland in Langnau mehrere Teilnehmerinnen aus früheren Jahren dabei sind. Sie haben mir im Vorfeld auch bei den Vorbereitungen geholfen und wichtige Tipps gegeben.»

Benjamin Messerli, Gerüstbauer, Roggwil (links):

«Nachdem wir am Donnerstag unsere Aufgabe beendet hatten, gingen wir davon aus, dass wir auf dem letzten Platz landen. Wir hatten einen relativ komplizierten Brunnen einzurüsten. Unsere Skepsis gründete auf der Reaktion der Experten, aber auch unser eigenes Gefühl war nicht das beste.

Dass die Swiss Skills für uns anders enden könnten, ahnten wir erst am Samstagabend, als wir für die Rangverkündigung auf separate Plätze eingewiesen wurden. Und dann wurden wir als Erste aufgerufen. Gross feiern konnten wir noch nicht, aber auf künftigen Bewerbungen wird sich die Goldmedaille sicher gut machen.»

Alexander Grossniklaus, Formenbauer, Burgdorf:

«Nach diesem Wochenende bin ich auf den Felgen. Bis zum Schluss der Wettkämpfe blieb die Spannung hoch, der Entscheid fiel mit wenigen Punkten für mich überraschend zu meinen Gunsten. Die Ausmasse der Swiss Skills haben mich beeindruckt: Die Menge an Menschen, die einem auf die Finger schauen, und der hohe Geräuschpegel, das war immens. Irgendwann ist es mir gelungen, den Trubel auszublenden.

Vorbereitet habe ich mich mit dem ehemaligen Oberstift, der mir Grundlagen gezeigt hat. Grösstenteils habe ich allein daheim geübt – mit einer Software, die für alle Teilnehmenden neu war. Der Start der Wettkämpfe war etwas holperig, weil das Programm Probleme machte.

Als Formenbauer fertigen wir Zeichnungen an, auf deren Basis wir ­3-D-Modelle programmieren, die den Fräsweg von CNC-Maschinen vorgeben. Am ersten Tag haben wir hauptsächlich am Computer gezeichnet, am zweiten konnten wir mit den Einzelteilen der Drohne beginnen, und während des dritten Tages ging es um den Zusammenbau und das Lackieren.

Nun geht es mit den World Skills so richtig los – auch wenn ich jetzt müde bin: Ich freue mich sehr darauf!»

Nadja Wüthrich, Detailhandelsfachfrau EFZ Bäckerei-Konditorei-Confiserie, Langnau:

«Ich war sehr überrascht, als mein Name an der Siegerehrung fiel. Eigentlich hatte ich überhaupt nicht damit gerechnet, einen Podestplatz zu erreichen, und erst recht nicht mit dem ersten Platz. Eine der Geschenkpackungen, welche ich als Aufgabe fertigen musste, ist mir nicht so gelungen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sonst war ich aber mit meinen Leistungen sehr zufrieden. Dadurch war der Druck auch etwas geringer, und ich konnte ruhiger arbeiten.

Anfangs hatte ich Angst, dass die siebeneinhalb Stunden, die wir für alle Aufgaben zur Verfügung hatten, nicht ausreichen würden. Schliesslich hat aber doch alles gut geklappt, ich war sogar noch etwas zu früh mit allem fertig. Eine spezielle Situation war es schon, dass so viele Menschen um unseren Stand herumstanden.

Obwohl ich es im Detailhandel gewohnt bin, an der Front zu arbeiten, war die Situation doch etwas anders. Geschafft habe ich das alles aber nur dank der Hilfe meines Lehrbetriebes, der Backmanufaktur Eichenberger AG, und meiner Familie, die mich während des Wettkampfes und der Vorbereitungen unterstützt und ermutigt haben.»

jr/jgr/jpw/cd/mhe

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