«Märitgass 2020» wird konkret

Langenthal

Stadt und Gewerbe wollen den Einzelhandel stärken und das Zentrum attraktiver machen. Erste Massnahmen wurden bereits in die Wege geleitet. Unter anderem soll gezielt an der Kommunikation gearbeitet werden.

Die Marktgasse soll aus dem Dornröschenschlaf geholt werden. Die Projektgruppe verspricht sich positive Auswirkungen auf die ganze Stadt.

Die Marktgasse soll aus dem Dornröschenschlaf geholt werden. Die Projektgruppe verspricht sich positive Auswirkungen auf die ganze Stadt.

(Bild: Thomas Peter)

Nicht mehr Einkäufe im Ausland gehören zu den grössten Herausforderungen der Schweizer Detaillisten. Vielmehr ist es die wachsende Konkurrenz durch Online-Verkaufsplattformen wie Amazon, Ebay oder Alibaba, die Sorgen bereitet. Das zeigte der Detailhandelsexperte Thomas Bretscher am Dienstag am Wirtschaftslunch der Stadt Langenthal auf.

Und er weiss: «Detailhändler, Dienstleister und Poli­tik müssen zusammenarbeiten.» Anders könne man diese Herausforderungen nicht anpacken.Das Problem erkannt haben auch die Detailhändler und das Gewerbe in Langenthal. In einer Arbeitsgruppe arbeiten die Stadtvereinigung (SVL), der Gewerbeverein, die Stadt Langenthal und Projektbegleiter Thomas Bretscher an einer Lösung.

Mit dem Ziel, den Detailhandel und das Gewerbe zu stärken und den Stadtkern attraktiver zu machen, lancierten sie 2016 das Projekt «Z’Langetu – Märitgass 2020».

Zentraler Einkaufsort

Bereits im Mai hatte die elfköp­fige Arbeitsgruppe 8 Handlungsfelder vorgestellt. Am Dienstag präsentierte sie nun 20 konkrete Massnahmen, die im kommenden Jahr geprüft und umgesetzt werden sollen.

Den Fokus hat die Gruppe dabei auf die Marktgasse gelegt. Diese soll als zentraler Einkaufsort positioniert werden. «Funktioniert die Märitgasse, funktioniert auch alles ringsherum», sagt Sabine Germann, Inhaberin des Bernina-Nähcenters und Mitglied der Arbeitsgruppe.

Die Massnahmen wurden in zwei Gruppen unterteilt: 13 haben A-Priorität und befinden sich bereits in der Konzepterarbeitung oder gar in der Umsetzung. Für diese konnten die Verantwortlichen am Dienstag einen Zwischenbericht vorlegen.

7 Massnahmen sieht die Arbeitsgruppe als weniger dringend an, sie wurden als B-Priorität eingestuft. Der Zwischenbericht für diese soll im März 2018 folgen.

Parkleitsystem für die Stadt

Die Hälfte der Massnahmen, davon 5 mit A-Priorität, liegen in der Verantwortung der Stadt Langenthal. Der Gemeinderat habe diese am vergangenen Mittwoch beraten, sagt Stadtpräsident Reto Müller (SP). Bereits seien auf der Stadtverwaltung erste Projekte ausgelöst worden.

So will der Gemeinderat bis Ende 2018 dem Stadtrat oder dem Stimmvolk einen Vorschlag für ein Parkleitsystem in Langenthal vorlegen. Ausserdem werden Parkfelder für Elektrofahrzeuge eingerichtet. Des Weiteren sollen bis nächsten Frühling die Sitz­gelegenheiten und bis zum Sommer die Sanitäreinrichtungen im Zentrum optimiert werden.

Nicht weiterverfolgen will der Gemeinderat den Vorschlag der Arbeitsgruppe, Infrastrukturarbeiten wie Unterhalt und Abfallentsorgung in der Marktgasse künftig vor den Ladenöffnungen zu beenden. «Wir sind in diesem Bereich schon gut unterwegs», so Reto Müller. Wenn der Werkhof noch früher mit der Arbeit be­ginnen müsse, hätte dies we­gen Nachtzuschlägen zusätzliche Kosten zur Folge.

Gratisparkieren?

Auch die Massnahme, mit einer Allmendverordnung Bewilligungsverfahren für Anlässe zu vereinfachen, lehnt der Gemeinderat ab. «Wir haben bereits genug Verordnungen und überprüfen laufend, was verbessert werden kann», so Müller.

In der Gruppe der B-Prioritäten fällt die Entwicklung eines neuen Parkingkonzepts in das Aufgabengebiet der Stadt. Dabei sollen unter anderem die Park­tarife harmonisiert und elektronische Bezahlmöglichkeiten eingerichtet werden. Ausserdem schlägt die Arbeitsgruppe vor, auf den öffentlichen Parkplätzen eine Stunde Gratisparkieren anzubieten.

Politisch gesehen habe diese Idee einen schweren Stand, sagt Reto Müller. Einerseits würden falsche Anreize für noch mehr Verkehr im Zentrum geschaffen. Andererseits könne die Stadt dies nicht allein entscheiden, da viele öffentliche Parkplätze im Besitz Privater seien.

Metzgerei zurückholen

Drei Massnahmen liegen in der Verantwortung von Gian Kämpf, Geschäftsführer des SC Langenthal. Er arbeitet einerseits an einem Lösungsvorschlag für die gezielte Vermarktung der Immobilienflächen im Zentrum. So möchte die Arbeitsgruppe etwa wieder eine Metzgerei in die Marktgasse holen.

Andererseits entwickelt Kämpf ein Kommu­nikationskonzept. Dazu gehören zum Beispiel die Lancierung einer Langenthal-App, eine So­cial-Media-Offensive und das Erstellen eines Veranstaltungsplans. Das Konzept soll später durch einen respektive eine ­«Mr. oder Mrs. Langenthal» umgesetzt werden (siehe Kasten).

In den Verantwortungsbereich der SVL fällt unter anderem das Handlungsfeld zur Weiterentwicklung des Service-, Detailhandels- und Gastronomieangebots. Zu den Massnahmen gehört hier die Vereinheitlichung der Ladenöffnungszeiten. Wie diese genau aussehen werden, konnte SVL-Präsident Peter Frei am Dienstag noch nicht sagen.

Workshops im nächsten Jahr

Den Detaillisten und den Gastronomiebetrieben sollen zudem Workshops angeboten werden. Für Anfang 2018 hat die SVL bereits zwei Kurse zu den Themen Gastfreundschaft und Dienstleistungen angesetzt. Über eine Website soll Anfang nächsten Jahres eine gemeinsame Onlineplattform entstehen.

Als weitere Massnahme erarbeitet der Vorstand derzeit ein Konzept, wie Veranstaltungen in der Marktgasse gefördert und die Zusammenarbeit mit den Behörden erleichtert werden könnte. Um Netzwerke zu fördern, hat die SVL ausserdem ein regelmässig stattfindendes Forum ins Leben gerufen. Dieses soll künftig noch weiter ausgebaut werden.

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