Langenthals Stapi sah die Notre-Dame brennen

Paris/Langenthal

Langenthals Stadtpräsident Reto Müller reiste am Sonntag mit seiner Familie in die Hauptstadt Frankreichs. Er wurde Zeuge des Brandes der Kathedrale Notre-Dame und berichtet, was er gesehen hat.

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Tobias Granwehr

Diese Reise werden Reto Müller und seine Familie so schnell nicht vergessen. Der Langenthaler Stadtpräsident ist mit seiner Frau und den Kindern für knapp eine Woche nach Paris gereist. Am Montagabend wurden sie wie viele Einheimische und Touristen Zeuge des Grossbrandes in der Kathedrale Notre-Dame.

Sie seien mit dem Funiculaire auf den Montmartre hochgefahren, erzählte der Stapi am Dienstag am Telefon. Vom bekannten Künstlerquartier aus hat man eine gute Aussicht auf die ganze Stadt und somit auch auf die Kathedrale. «Wir haben dann Rauch gesehen, und ich sagte noch zu meiner Frau, dass es nach einem Brand aussieht.» Da sei aber noch nicht klar gewesen, was genau geschehen war, so Müller.

«Ich sagte noch zu meiner Frau, dass es nach einem Brand aussieht.»Reto Müller

Erst etwa eine Viertelstunde später wurde den Anwesenden bewusst, was für ein Drama sich in der französischen Hauptstadt mittlerweile abspielte. «Die Rauchentwicklung war intensiv, und uns wurde klar, dass die Notre-Dame in Brand geraten war.» Allerdings hätten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, wie schlimm es sei, sagte der 41-Jährige.

Dann habe man Flammen aus dem Dach aufsteigen sehen. Es habe stark gewindet und das Feuer sich schnell ausgebreitet, schilderte er seine Eindrücke, die er auch auf Social Media festhielt. Erst als er aber die ersten Meldungen auf seinem Handy gesehen habe, sei ihm und seiner Frau bewusst geworden, was wirklich passiert sei.

Reto Müller berichtete weiter, dass sie am Montagabend viele fassungslose Leute angetroffen hätten. In einem Restaurant sprachen sie mit Franzosen. «Viele sagten, dass gerade 800 Jahre Kulturerbe in Flammen aufgegangen sind.» Es seien auch Leute auf den Montmartre hochgelaufen oder -gefahren, um zu schauen, was passiert sei. Man habe gemerkt, dass das Feuer die Einheimischen beschäftige.

Distanz gesucht

Am Dienstag passte gemäss Müller zumindest am Morgen auch das Wetter zur tristen Lage in Frankreichs Hauptstadt: Es regnete. Es sei schon spürbar, dass eine gedrückte Stimmung herrsche. «Wohl das Verdauen des grossen Schocks.» Allerdings stellte er auch klar, dass der Alltag in der Stadt trotzdem weitergehe und Paris so gross sei, dass man an den meisten Orten gar nicht so nah am Geschehen dran sei. Er habe mit seiner Familie bewusst etwas Distanz gesucht und unter anderem Versailles besucht.

Noch am Montagabend sagte Frankreichs Präsident, man werde die Kathedrale wieder aufbauen. Es wurden sogleich Spenden gesammelt für das sehr kostspielige Vorhaben. Ob auch Langenthal etwas dazu beisteuern könnte, konnte der Stadtpräsident nicht beantworten. Der Gemeinderat entscheide über Spenden, sagte Müller. Bei offiziellen Aufrufen der Glückskette habe die Stadt auch schon gespendet.

Er persönlich dürfe sich nicht zu fest von der Aktualität lenken lassen. Erst kürzlich habe ein Zyklon zu starken Überschwemmungen in Moçambique geführt. Das sei ebenfalls eine grosse Katastrophe, über die aber kaum gesprochen werde, sagte Müller und ergänzte schliesslich: «Frankreich und Europa werden das Geld für den Wiederaufbau auch ohne die Stadt Langenthal zusammenbringen.»

Langenthaler Tagblatt

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