Langenthal

Langenthal ehrt zwei Fotokünstler

LangenthalDie Fotografen Willy Jost und Fabian Unternährer sind die beiden diesjährigen Kulturpreisträger. Unternäher fotografiert unter anderem für YB-Werbeplakate.

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Der Kulturpreis 2016 der Stadt Langenthal geht an zwei Künstler, die «mit Licht malen», wie Marianne Hauser Haupt, Kunstbeauftragte der Stadt, in ihrer Laudatio ausführt. Dies sei die Übersetzung des altgriechischen Wortes. Willy Jost erhält den Anerkennungspreis für sein «langes fotografisches Schaffen».

Fabian Unternährer, geboren 1981, wird mit dem Förderpreis «für sein vielversprechendes künstlerisches Potenzial» ausgezeichnet.

Seit 24 Jahren wird der Kulturpreis verliehen. Während 1993 und 1998 bereits ein Förderpreis an die Fotografen Christoph Schütz und Ruedi Steiner verliehen wurde, ist Willy Jost der erste Fotograf mit Anerkennungspreis.

Gemeinderat Daniel Rüegger zeigt in seiner Ansprache auf, dass zwar die Kulturkommission die Vorschläge ausarbeite, der Gemeinderat jedoch darüber befinde. Mit Freude stellt er fest, dass der Entscheid für die beiden Fotografen einstimmig gefallen ist. Der Preis umfasst einen Geldbetrag von je 6000 Franken.

Der Urgrossvater von Willy Jost, Bauer auf dem Schattloch, sei der erste Fotograf in der Gegend gewesen, so Marianne Hauser Haupt. Bei Fabian Unternährer war es die Grossmutter, die ihm die Augen für die Fotografie öffnete.

Willy Jost

Die Begeisterung für die Fotografie begleitet Willy Jost, den Anerkennungspreisträger 2016 der Stadt Langenthal, seit dem Beginn seiner Maurerlehre. Schon damals war ihm klar, dass er sich immer mit diesem Medium beschäftigen würde. Bis zu seiner Pensionierung als Hochbaupolier widmete er sich beiden Tätigkeiten. In Langenthal kennt man ihn einerseits als Bauleiter bei der Erhaltung von historischen Gebäuden. Andererseits hat er schon mehrfach mit Ausstellungen, unter anderem im Kunsthaus, auf sich aufmerksam gemacht. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2011 widmet er sich ausschliesslich der Fotografie. «Ich muss nichts mehr. Nur die Freude steht im Zentrum meines Schaffens.»

Der Weg zur Fotografie

Der Busswiler Fotograf, geboren 1951, ist Autodidakt und hat nie einen Fotokurs besucht. Er folgt keiner Theorie und hat auch nie ein Lehrbuch in die Hand genommen. «Ich habe nicht gelernt zu fotografieren, sondern zu schauen», erklärt er. Für das Gelingen eines Bildes sei zum Beispiel das Gespür für die Natur wichtig, und er müsse im richtigen Augenblick am richtigen Ort sein.

Zuweilen lässt dieser Moment aber auch auf sich warten. Erst vor etwa 5 Jahren gab er die analoge Fotografie auf. Er besass nie ein eigenes Labor, sondern schickte früher die Filme zum Entwickeln ein. Obwohl er heute digital fotografiert, bearbeitet er seine Bilder nicht auf dem Computer. Sie entstehen ausschliesslich mit dem Blick durch die Kamera.

Die Themen

Willy Josts Themen sind breitgefächert. Einen Schwerpunkt bilden die Landschaften, sei es im Oberaargau, im Emmental, aber auch in Nepal oder den USA. In anderen Bildern geht es ihm um Strukturen, die er in der Natur findet, Formen, die etwa das Eis auf der Oberfläche einer Lehmgrube bildet, ein Feuer, das sich auf einer gefältelten Eisoberfläche spiegelt. Er fotografiert aber auch Menschen, vor allem in Nepal. Dort unterstützt er mit seiner Frau Magdalena ein Dorf im Erdbebengebiet.

Die Nähe zu den Bewohnern ist in seinen Porträts spürbar. Oft erhält er auch Aufträge von Firmen. Ob Bodenbeläge, Gartengestaltung oder Bau: Immer steht bei ihm das Gestalten des Bildes durch das Auge im Vordergrund. Einzig hier nimmt er auch ein Bildbearbeitungsprogramm zu Hilfe. Wer einen Überblick über sein Schaffen erhalten möchte, findet ihn in dem Bildband «Willy Jost – Fotografie».

Fabian Unternährer

Fabian Unternährer ist Träger des Förderpreises 2016 der Stadt Langenthal. Fotografie bedeutet für ihn persönlich, einen Rahmen zu setzen, in dem sich das Thema aus der Situation heraus kristallisiert.

Seine Fotografien bezeichnet er einerseits als tagebuchartige Alltagsbilder, andererseits als Tagträume. Wichtig ist ihm, die Grenze zwischen Inszenierung und Realität zu verwischen. «Es ist ein Balanceakt, der durch die Wechselwirkung Spannung erzeugt.»

Von Langenthal in die Welt

Fabian Unternährer wurde 1981 in Basel geboren und wuchs in Langenthal auf. «Langenthal war für mich eine fruchtbare Oase, aus der hinaus ich mich entwickeln konnte.» Als «Augenöffner» bezeichnet er den Vorkurs der Neuen Schule für Gestaltung. Von dort fand er direkt Aufnahme in die Fotoklasse des Centre d’enseignement professionel de Vevey.

Es folgte der Bachelor an der Zürcher Hochschule der Künste. Derzeit ist er im Masterstudium für Art Education (Kunstvermittlung) an der Hochschule der Künste Bern. Obwohl er sich in Langenthal und an seinem heutigen Wohnort Bern wohl fühlt, sieht er sich eher als Weltbürger. Er träumt von einem Aufenthalt in Brüssel oder New York. Diese Städte ziehen ihn wegen der Sprachenvielfalt – er ist zweisprachig – und der offenen Kultur an.

Mit Paris fühlt er sich durch seine Agentin, die Esther Woerdehoff Gallery, verbunden. Kunst und Kommerz Mit seinem fotografischen Werk findet Fabian Unternährer seit mehreren Jahren Beachtung. 2009 wurde er mit dem 1. Preis des Prix Photo Bern, einem Talentförderpreis, ausgezeichnet. Er arbeitete unter anderem für «Das Magazin», die «Zeit» und die Kunstzeitschrift «DU».

Demnächst wird in der «Annabelle» eine Fotoreportage über Brüssel erscheinen. Er ist auch ein begehrter Werbefotograf. Dabei macht er keinen kategorischen Unterschied zwischen Kunst und Kommerz.

«Wenn ich von einer Firma angefragt werde, dann wählen sie mich wegen meiner fotografischen Handschrift.» In Zukunft wird sich Unternährer auch mit dem Medium Film befassen, «dem verlängerten Moment der Fotografie», wie er erklärt. Hier werden der Dokumentarfilm und der Kunstclip im Zentrum stehen.

Der Preisträger wird in nächster Zeit öfter in Langenthal sein. Von der Stadt hat er im Rahmen von Kunst am Bau den Auftrag erhalten, die Renovierung des Stadttheaters fotografisch zu dokumentieren. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 28.10.2016, 13:58 Uhr

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