Kraft misst sich nicht nur in Watt

Huttwil

Der Campus Perspektiven in Huttwil will auch ein attraktiver Treffpunkt sein, wenn er kein Eis anbietet. Womit, das zeigt er am Wochenende. ­Zudem will er das auch Kraft-Modell bekannter machen.

Bereit für einen heissen Sommer: Der Campus Perspektiven hat im vergangenen Herbst ein Beachvolleyballfeld gebaut. Diesen Sonntag wird es eingeweiht.<p class='credit'>(Bild: Marcel Bieri)</p>

Bereit für einen heissen Sommer: Der Campus Perspektiven hat im vergangenen Herbst ein Beachvolleyballfeld gebaut. Diesen Sonntag wird es eingeweiht.

(Bild: Marcel Bieri)

Unabhängig davon, ob man Muskelprotze schön oder abstossend findet: Was sie auszeichnet, das misst sich in Watt – der Masseinheit für Kraft. Im Campus Perspektiven in Huttwil wird Kraft jedoch nicht nur so gemessen. Das Wort steht dort vielmehr für ein sportpädagogisches Modell, das Stefan Zihler entwickelt hat, dessen Zihler Social Development hinter dem Campus steht.

Dabei hatte Zihler zuerst die Entwicklungshilfe im Auge: In Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien, holten seine Leute damit Strassenkinder in die Gesellschaft zurück. Seit er mit der Zentrum Bäregg GmbH im Kanton Bern die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden betreut, wird das Modell auch hier eingesetzt. Vor allem im Ankunftszentrum Huttwil, wo es darum geht, über Sprachbarrieren hinweg rasch einen Zugang zu den oft traumatisierten und deshalb verschlossenen, misstrauischen Jugendlichen zu finden.

Noch zu wenig bekannt

Mit diesen beiden Bereichen seien die Einsatzmöglichkeiten des Kraft-Modells jedoch nicht ausgeschöpft, betont Lukas Zürcher, Mitglied der Campusgeschäftsleitung. Das Modell sei im Kanton Bern auch fester Bestandteil der sozialpädagogischen Ausbildung und werde etwa in familiären Krisensituationen oder bei Schwierigkeiten in Wohngruppen erfolgreich angewandt. In der Region Huttwil sei es aber noch zu wenig bekannt.

Das Campusspektakel vom kommenden Sonntag wollen die Veranstalter unter anderem dafür nutzen, dies zu ändern. Das beginnt schon bei der Wahl des Datums. Dieses ist einerseits ideal, weil der Campus zeigen kann, dass er mehr anbieten kann und will als das von der Region vehement geforderte und deshalb rasch realisierte Eis. Denn nun ist dieses Eis längst wieder abgetaut.

Andererseits ist am Sonntag auch der von der Unesco 2001 lancierte Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung. Auf grosse Resonanz ist dieser in der Schweiz zwar bisher nicht gestossen, wie Zürcher einräumt. «Er deckt sich aber mit unseren Zielen, und wir leisten bei seiner Lancierung in der Schweiz gerne Pionierarbeit.» Das Campusspektakel soll denn auch zur regelmässigen Veranstaltung im Kalender der Region Huttwil werden.

Bereits letzten Herbst hatte der Campus beim oberen Fussballplatz ein Beachvolleyballfeld gebaut. Dieses war seither zwar nicht eingefroren, aber doch für den Winter eingemottet und wird nun mit dem Spektakel eingeweiht. Es steht künftig am Samstag kostenlos für alle zur Verfügung. An den anderen Wochen­tagen wird es vermietet.

Gar permanent öffentlich genutzt werden kann das obere Fussballfeld, während die beiden anderen für Vereine reserviert sind. Weitere Outdoor- und Indoorspiele sowie Fahrzeuge für Kinder stellt der Campus ebenfalls frei zur Verfügung. In diesem Zusammenhang lanciert er am kommenden Wochenende das ­Pilotprojekt «Wertvolle Sportanlage». Das von Swiss Olympic unterstützte Projekt will das Bewusstsein für Werte schaffen, die im Sport angelegt sind.

Fünf Säulen

Werte, wie sie das Kraft-Modell aufzeigt, wenn man die einzelnen Buchstaben des Wortes als Säulen begreift, auf denen sich soziales Verhalten abstützt.K steht dabei für Körper. Diese Säule drückt die Fertigkeit aus, auf die Zeichen des Körpers zu achten und gesundheitliche Gefahren zu erkennen.R steht für Regeln. Im Sport ermöglichen sie ein herausforderndes Spiel, im Alltag ein bereicherndes Zusammenleben.

A steht für Akzeptanz. Selbst- und Fremdakzeptanz sind ­Voraussetzungen dazu, auch in schwierigen Konfliktsituationen Chancen zur Weiterentwicklung zu erkennen.F steht für Fairness. Im Kraft-Modell drückt Fairness eine Haltung aus, die alle Menschen als gleichwertig versteht.T steht für Team. Indem Sport Teamerlebnisse schafft, ermöglicht er Erfahrungen, die auch im Alltag zu effizienten Lösungsstrategien und einer besseren ­Lebensqualität führen.

Stefan Zihler hat zu seinem Modell ein Lehrmittel verfasst. Dass man im Campus das Bewusstsein für diese Werte verstärken wolle, heisse nun allerdings nicht, dass man auf dem ­Gelände permanent auf Informationstafeln darüber stossen werde, sagt Lukas Zürcher auf Nachfrage. Die Angestellten wollen vielmehr ein verstärktes Auge darauf halten, dass sie gelebt ­werden.

Campusspektakel: Sonntag, 21. Mai, 11 bis 19 Uhr. Programm: www.campusperspektiven.ch

Berner Zeitung

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