Klang- und Wortakrobatik

Langenthal

Mit imposanten, berauschenden, überraschenden Klängen und Wortakrobatik zum Thema Helden und Freiheit fesselten die Oberaargauer Brass Band und Slam-Poet Valerio Moser in einer Symbiose von Musik und Sprache das Publikum.

Der Slam-Poet auf der Kanzel:?Valerio Mosers teils frechen Worte wurde durch ebensolche Töne der Oberaargauer Brass Band unterstützt.

Der Slam-Poet auf der Kanzel:?Valerio Mosers teils frechen Worte wurde durch ebensolche Töne der Oberaargauer Brass Band unterstützt.

(Bild: Daniel Fuchs)

Als Held ist es nicht einfach. Für welche Freiheit und für wessen Unabhängigkeit soll man denn nun kämpfen? Und wie ist es mit dem freien Willen? Kann man, wenn man frei ist, wirklich frei entscheiden, oder ist das sowieso unmöglich? Sprachakrobat Valerio Moser fand in der Kirche Geissberg treffende, aufrüttelnde, erstaunliche und auch sehr humorvolle Antworten auf diese Fragen, die er sich selbst und dem Publikum stellte.

Die Brass Band Oberaargau (OBB) doppelte nach mit musikalischen Argumenten. Dirigent Christoph Luchsinger motivierte die durch die Wortspiele von Valerio Moser inspirierte und angestachelte OBB zu musikalischen Höchstleistungen und Höhen­flügen. Die Komposition «Stai si, defenda» von Corsin Tuor und die Ouvertüre «Leichte Kavallerie» von Franz von Suppe füllten die Kirche mit berauschenden Klängen.

Kampf für die Freiheit

Valerio Moser, der im November zusammen mit seinem Bühnenpartner Manuel Diener in Augsburg den Titel als bestes Slam-Poetry-Team im deutschsprachigen Raum erhalten hatte, führte das Publikum von Werk zu Werk: «Sich ganz dem Kampf für die Freiheit zu verschreiben, das hat in der Schweiz lange Tradition: Die Liberalen fordern Freiheit für die Märkte, die Punks Freiheit von den Märkten, die Linken Freiheit von den Rechten und die Rechten Freiheit vor dem ­Fremden...»

Die Solistin Belinda O’Reilly (Cornet) führte den musikalischen Dialog «Ballad of Little Ann» von Stefan Roth sehr einfühlsam und mit warmen Tönen. Im Stück «Liberty of Sonance» von Fabian Künzli vereinten sich Valerio Mosers Wortgewalt mit der frechen und kreativen Ton­palette der Band. Im Zentrum von «Devil’s Duel» von Peter Meechan stand Manuel Borer (Eufonium), der die kabarettistischen Vorschusslorbeeren von Valerio Moser vollends verdiente.

Schellen-Ursli

Inspiriert vom Werk «Chalanda­marz» von Stefan Hodel aus «Maletgs rumantschs», trug Slam-Poet Moser seine auf die Sprache der heutigen Jugend getrimmte Geschichte vom Schellen-Ursli vor. Damit erntete er frenetischen Applaus – ebenso wie die Solistin Deborah Heiniger (Flügelhorn) mit «Apex» von Peter Meechan. «Wilhelm Tell» von Gioacchino Rossini bot Valerio Moser eine perfekte Plattform für seine äusserst geistreichen und ironischen Erklärungen zum Schweizer Vorzeigehelden Wilhelm Tell.

Gelungenes Wagnis

Dirigent Christoph Luchsinger, der das Programm zusammengestellt und mit Valerio Moser rea­lisiert hat, ist das Wagnis der ­Verbindung von Klangwelten mit Poesie und Wortakrobatik sehr gut gelungen.

pd

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