Langenthal

Kein Deutsch, verängstigt, traumatisiert

LangenthalSeit Anfang Februar betreibt das Rote Kreuz in der Stadt einen Sozialdienst für Flüchtlinge. Der erste Begegnungsanlass stiess auf reges Interesse und machte deutlich, wo in vielen Gemeinden der Schuh drückt.

Laut der Leiterin der Regionalstelle Mirjam Wenger besteht die Hauptaufgabe des Dienstes darin, Flüchtlinge gemäss dem Sozialhilfegesetz finanziell zu unterstützen.

Laut der Leiterin der Regionalstelle Mirjam Wenger besteht die Hauptaufgabe des Dienstes darin, Flüchtlinge gemäss dem Sozialhilfegesetz finanziell zu unterstützen. Bild: Thomas Peter

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Im Zuge der allgemeinen Umorganisation des Asylwesens werden auch im Kanton Bern ab nächstem Jahr Änderungen in der Sozialhilfe für Asylsuchende und Flüchtlinge erfolgen. Aus diesem Grund sowie aus der Tatsache, dass das Rote Kreuz des Kantons Bern in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, befindet sich die regionale Flüchtlingssozialhilfe seit drei Monaten in den Räumlichkeiten an der Gaswerkstrasse 33.

Nun wurde ein erster Begegnungsanlass organisiert, zu dem Vertreter von Gemeinden, Schulen und Partnerorganisationen der Region eingeladen waren. Mit knapp fünfzig Anwesenden war er gut besucht.

Erfahrung ist gefragt

Laut der Leiterin Mirjam Wenger besteht die Hauptaufgabe des Dienstes darin, Flüchtlinge gemäss dem Sozialhilfegesetz finanziell zu unterstützen. Man arbeite also wie jeder andere Sozialdienst auch, habe aber einen migrationsspezifischen Auftrag. Dabei geht es hauptsächlich um die Integration, sowohl in sprachlicher und sozialer Hinsicht als auch in Bezug auf die Arbeit. Deshalb wurde am Begegnungsanlass insbesondere die Wichtigkeit der Freiwilligenarbeit betont.

Das Rote Kreuz ist angewiesen auf Helfer, die unentgeltlich in ihrer Freizeit den Flüchtlingen die Besonderheiten des schweizerischen Alltags zeigen. Dabei gehe es nicht nur um das Finanzielle. Freiwillige hätten praktisches Erfahrungswissen, das dem Roten Kreuz schlicht fehle, so Julia Burkhard, die für die Freiwilligenkoordination zuständig ist. Zudem kann das Rote Kreuz auf zwei Länderexperten aus Syrien und Eritrea zählen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer eigenen Fluchtgeschichte und ihrer Arbeit als kompetente Auskunftspartner dienen.

Probleme in den Schulen

In der Fragerunde kam hauptsächlich das konkrete Problem der Einschulung zur Sprache. Da in der Schweiz strikte Schulpflicht herrscht, müssen Flüchtlingskinder gleich nach ihrer Ankunft eingeschult werden. Das stellt vor allem kleinere Gemeinden mit beschränkten Ressourcen vor Schwierigkeiten. Lehrer müssen sich plötzlich zusätzlich zum normalen Schulbetrieb auch noch um Kinder kümmern, die kein Deutsch sprechen und zudem manchmal noch verängstigt oder traumatisiert sind. Während beispielsweise in den Städten, wo sich mehr Flüchtlinge befinden, spezielle Integrationsklassen eingerichtet werden können, ist das in ländlichen Gegenden nicht der Fall. Manche Schulverantwortliche fühlen sich deshalb von staatlicher Seite im Stich gelassen.

Da die Lösung dieses Problems jedoch in der Kompetenz der Erziehungsdirektion liegt, kann das Rote Kreuz nur bedingt helfen. Denkbar seien etwa die Vermittlung von Dolmetschern oder spezifischen Integrationsprogrammen. Als problematisch wurde von vielen Anwesenden auch die langsame Abwicklung der Asylgesuche bezeichnet, was von allen Seiten als belastend empfunden wird. Die eingeführten beschleunigten Verfahren sollen hier Abhilfe schaffen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.05.2018, 14:42 Uhr

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