Wangenried

«Ich hatte dieses Bild immer im Kopf»

WangenriedModelleisenbahnen begleiten Romano Schlup schon sein ganzes Leben. Im Kunsthof lässt er nun seinen Kindheitstraum auf Schienen aufleben.

Bis zu neun Züge können gleichzeitig auf der Bahn von Romano Schlup fahren.

Bis zu neun Züge können gleichzeitig auf der Bahn von Romano Schlup fahren. Bild: Marcel Bieri

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Ein leises Surren und die angeregten Unterhaltungen der Besucher erfüllen an diesem Samstagabend die Räumlichkeiten des Wangenrieder Kunsthofs. In rund 50 Arbeitsstunden hat Romano Schlupp aus Niederbipp hier seine 149 Meter lange Modelleisenbahn aufgebaut.

Ob Passagierwagen der SBB und der Deutschen Bahn oder Güterwagen der Marken Ovomaltine, Chiquita und Evian: Modelleisenbahnwagen verschiedenster Bauweisen und mit unterschiedlichen Dekors bewegen sich auf den mal an der Wand montierten, mal von der Decke hängenden Schienen. Dennoch haben sie eine Gemeinsamkeit: Es handelt sich ausnahmslos um Modelle der Marke Lima. «Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Firma Aluminiumgussteile für die italienische Staatsbahn her», sagt Romano Schlup. Als diese schliesslich selbst mit der Produktion der Teile begann, musste Lima umsatteln.

Die Firma nutzte das vorhandene Know-how für Gussformen und spezialisierte sich auf die Herstellung günstiger Modelleisenbahnen. Ab den 1980er-Jahren versuchte Lima, sich im höheren Preissegment zu etablieren, und kaufte dazu andere Firmen auf. «Das Image des Billigherstellers konnte die Firma aber nie ganz ablegen, und so ging sie 2004 bankrott», sagt er.

Nur wenn der Vater da war

Dass Romano Schlup so genau Bescheid weiss über die Geschichte von Lima, kommt nicht von ungefähr. Die Modelleisenbahnen dieses Herstellers begleiten den Holzmechaniker seit Kindesbeinen. Sein Vater sei Lokführer gewesen. «Dementsprechend hatten wir Kinder natürlich eine Modelleisenbahn.» Die Lok hätten sie aber vorsichtshalber nur gebrauchen dürfen, wenn der Vater zu Hause war, erinnert sich Romano Schlup.

Sammlung von 800 Wagen

Seine Sammlung hat sich über Jahrzehnte hinweg stetig vergrössert. Inzwischen umfasst sie um die 800 Wagen. Lange Zeit seien sie aber aus Zeit- und Platzgründen nicht wirklich zum Einsatz gekommen.

Platz hat Romano Schlup nun im Kunsthof genug. Wie er die Räumlichkeiten nutzen wolle, sei ihm sofort klar gewesen. Als Siebenjähriger entdeckte er auf einer Ausstellung einen Zug, der auf einer wendelförmigen Rampe in die Höhe fuhr. «Ich wusste, irgendwann muss ich mir auch so eine Eisenbahn bauen, ich hatte dieses Bild immer im Kopf.»

Dank der langjährigen Freundschaft mit Kunsthof-Besitzer Reto Bärtschi konnte er seinen ­Kindheitstraum verwirklichen. Nebst dem Hauptstück der Installation, der grossen, wendelförmigen Rampe, fahren die Züge auch über im Raum hängende Abschnitte und sogar durch die Wände. «Drei Löcher mussten wir dafür in die Wände schneiden», sagt Schlup. Die Befestigung wirkt immer ganz leicht, die weiss bemalten Trassees verschwinden fast vor den ebenfalls weissen Wänden. Bis zu neun Züge können gleichzeitig auf der Bahn fahren.

Von den sonst für den Modellbau typischen kleinen Bäumchen und Bahnhofshäuschen keine Spur. «Das unterschiedet die Bahn vom klassischen Modellbau. Es ist keine Nachbildung der Realität, sondern eine Performance», sagt ­Reto Bärtschi. Die Ausstellung bleibt noch ein halbes Jahr lang im Kunsthof und kann auf Voranmeldung besucht werden.

Als Künstler möchte sich der gelernte Zimmermann und Werkzeugmacher mit eigenem Unternehmen aber nicht bezeichnen. Reto Bärtschi ist da anderer Meinung. «Die Installation ist mit Liebe und Leidenschaft gemacht. Ich empfinde ihn definitiv als Künstler.» In den aktu­ellen Ausstellungszyklus «Kindheitserinnerungen» des Kunsthofs passt die Installation auf jeden Fall bestens. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 13.11.2017, 11:42 Uhr

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