Er schloss sich jenen an, die losgelöst waren

Roggwil

Erstmals erhält die Öffentlichkeit in der Kunst­galerie Bromer Einblick in das Gesamtwerk von Urs Burki. Das künstlerische Schaffen des bekannten Schönheitschirurgen war geprägt von der Aufbruchsstimmung der 70er.

Architekt Mario Botta eröffnete die Ausstellung von Urs Burki in der Kunstgalerie Bromer in Roggwil.<p class='credit'>(Bild: Andreas Marbot)</p>

Architekt Mario Botta eröffnete die Ausstellung von Urs Burki in der Kunstgalerie Bromer in Roggwil.

(Bild: Andreas Marbot)

Seine Operationen im Freien machten ihn vor über zehn Jahren bekannt: Der Schönheits­chirurg Urs Burki nahm seine Patienten damals in Konzertsälen, auf einem Schiff oder auf dem Matterhorn unters Messer.

Was viele nicht wissen: Urs Burki war auch ein Künstler. «Vierzig Jahre lang hat er seine Werke bewusst nie ausgestellt», sagt Christian Herren. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Berner Konzeptagentur Porte Blanche und Organisator der Retrospektivausstellung im Blockhaus von Bromer-Kunst in Roggwil.

Seit letztem Freitag erhält die Öffentlichkeit dort erstmals Einblick in das breite Schaffen des gebürtigen Solothurners.Urs Burki könne in keine Dis­ziplin eingeteilt werden, sagt Christian Herren. Er habe sich weder als Arzt noch als Künstler bezeichnet. «Burki war ein Universalgeist, wie es ihn heute nur noch selten gibt.»

Während des Medizinstudiums in den 1970er-Jahren entstanden Burkis erste künstlerische Arbeiten. Er bewegte sich damals in der jungen Kunstszene um Urs Lüthi, Luciano Castelli und Jean-Christoph Ammann. Sein künstlerisches Schaffen sei geprägt gewesen von der Aufbruchsstimmung dieser Zeit, sagt Herren. So schloss sich Burki der deutschen Strömung der Jungen Wilden an, die eine von Konzepten losgelöste Form der Malerei betrieben.

«Er war kein Sonntagsmaler»

Urs Burkis künstlerisches Schaffen umfasst nebst Malereien auch Skulpturen, Fotografien und Performances. Sein Gesamtwerk weist einen Bestand von 500 Arbeiten auf. «Er war kein Sonntagsmaler, ging jeden Tag nach der Arbeit in sein Atelier», sagt Christian Herren.

Gleichzeitig zur Ausstellung erscheint im Vexer-Verlag eine 560-seitige Künstlermonografie. In Zusammenarbeit mit dem Grafiker Anatole Comte hat Christian Herren die Publikation in den letzten drei Jahren erarbeitet. Das objekthafte Buch bietet auf vier Betrachtungsrichtungen Einblick in das vielseitige Schaffen des Künstlers. Um Burkis Stil treu zu bleiben, gestalteten Comte und Herren die Buchseiten nicht auf dem Computer, sondern analog auf Papierbögen.

Dabei setzten die beiden auf eine intensive Zusammenarbeit mit dem Künstler. Den Buchprozess konnte Urs Burki jedoch nicht bis zum Schluss miterleben. Nachdem er nach einem Herzstillstand ein Jahr lang im Wachkoma gelegen hatte, starb er im vergangenen Januar im Alter von 72 Jahren.

Berner Zeitung

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