Eingreifen, bevor es brennt

Der oberaargauer Pilotversuch mit Schokito ist geglückt. Nun ist das kooperative Modell der Schulsozialarbeit bereit, mit noch mehr Passagieren an Bord abzuheben.

Er will die Schulsozialarbeit in weiteren Gemeinden zum Fliegen bringen: Schoio-Leiter André Chavanne.<p class='credit'>(Bild: Olaf Nörrenberg)</p>

Er will die Schulsozialarbeit in weiteren Gemeinden zum Fliegen bringen: Schoio-Leiter André Chavanne.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

In Wynau gehört das Angebot schon fast so zur Schule wie die Pausen. Aarwangen steht kurz davor, Schokito definitiv und nicht mehr nur versuchsweise anzubieten. Zwei Jahre lang wurde das kooperative Modell der Schulsozialarbeit getestet, ausgewertet, verbessert.

Nun unterbreiten die Familienhilfe Schoio sowie der Trägerverein offene Kinder- und Jugendarbeit Oberaargau (Tokjo) den Oberaargauer Gemeinden das Angebot mit Schokito. Eine Broschüre ist ab sofort im Umlauf.

Zwei Zielgruppen

Für die Schulsozialarbeit sind meistens Festangestellte der Gemeinden zuständig. Mit Schokito übernimmt das ein Team, das aus Mitarbeitenden der Schoio-Familienhilfe und von Tokjo besteht. Die Gemeinden stellen also nicht Sozialarbeitende ein, sondern erwerben bei Schokito die entsprechenden Leistungen. Die zweijährige Pilotphase sei dazu genutzt worden, das Angebot zu optimieren. Es wurden Erfahrungen mit gemeinsamen Projekten und konkreten Hilfeleistungen gesammelt.

Wie André Chavanne, Leiter der gemeinnützigen Schoio AG, erklärt, richtet sich das Angebot an zwei Zielgruppen: einerseits an Schulpflichtige und andererseits an Erwachsene wie Lehrpersonen, Schulleitungen und Erziehungsberechtigte. Die Mitarbeitenden von Schokito sind für beide Gruppen neutrale Ansprechpersonen. Sie beraten, begleiten schwierige Prozesse und ziehen bei Bedarf Spezialisten hinzu.

Die Unterstützung von Schokito soll so unkompliziert wie möglich in Anspruch genommen werden können. Die Teammitglieder von Schokito seien regelmässig innerhalb der Unterrichtsstunden und an Randstunden in einem separaten Raum vor Ort. Hier können sie in Absprache mit den Lehrpersonen während der Unterrichtszeit aufgesucht werden oder gleich nach dem Klingeln. Thomas Bertschinger, Stellenleiter bei Tokjo, betont, dass nicht nur Kinder mit Problemen willkommen seien. Auch Ideen würden aufgenommen und bei Bedarf weitergeleitet.

«Wir sind neutral und haben Schweigepflicht.»Sarah Bleiker Leiterin Schokito-Team

Sarah Bleiker leitet das Schokito-Team. «Wir stehen nicht erst dann zur Verfügung, wenn es brennt.» Sie hätten ebenso offene Ohren und Augen, wenn jemand zu ihnen komme, weil da ein mulmiges Bauchgefühl sei, sagt die klinische Heil- und Sozialpädagogin. Gerade für Lehrpersonen oder Erziehungsberechtigte sei es sehr wertvoll, sich mit jemandem darüber austauschen zu können, ob die eigene Wahrnehmung trüge oder nicht. «Wir haben einen anderen Blickwinkel. Gemeinsam sehen und wissen wir mehr», sagt Bleiker. Sie seien nicht die Polizei, nicht der Schulinspektor, nicht die Kesb und auch keine Schiedsrichter. «Wir sind neutral und haben Schweigepflicht.» Wenn der Kinderschutz in Gefahr gerate, werde aber kein Auge zugedrückt.

Ein Baukastensystem

Schokito hat Grenzen: So gibt es etwa keine Betreuung von suspendierten Schülerinnen und Schülern, keine spezifischen Beratungen zu Themen wie Schulden oder Sucht. Zudem grenzt sich das Angebot von den Aufgaben der Schule oder der Erziehungsberatung ab.

Das Modell ist für die Gemeinden im Baukastensystem erhältlich: Die Grundkosten für ein Schulhaus betragen 30 000 Franken im Jahr und beinhalten 400 Stunden, welche Schokito für die Schulsozialarbeit in dieser Gemeinde aufwendet. Pro weitere 50 Poolstunden fallen zusätzlich 3000 Franken im Jahr an. Wenn eine Gemeinde mehrere Schulhäuser hat, gibt es Rabatte. Es würden Leistungsvereinbarungen abgeschlossen und Ziele definiert. «Diese Ziele werden immer wieder gemeinsam überprüft und angepasst», sagt André Chavanne. Die Initianten haben ein klares Ziel vor Augen: die Schulsozialarbeit in weiteren Gemeinden im Oberaargau mit Schokito zum Fliegen bringen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt