Eine Ausbildung im Wandel

Herzogenbuchsee

Die Ausbildung zum Innendekorateur stand vor dem Aus. Nun können doch noch Lehrlinge verpflichtet werden. Fritz Steffen und ein Arbeitskollege versuchen derweil, die dringend notwendigen Reformen voranzutreiben.

«Wir müssen die Ausbildung entstauben, gliedern und strukturieren»:?Fritz Steffen mit (links im Hintergrund) Megan Bühler, Lernende im zweiten Lehrjahr Innendekorateurin Fachrichtung Boden, sowie Schupperlehrtochter Franziska Kuratli.

«Wir müssen die Ausbildung entstauben, gliedern und strukturieren»:?Fritz Steffen mit (links im Hintergrund) Megan Bühler, Lernende im zweiten Lehrjahr Innendekorateurin Fachrichtung Boden, sowie Schupperlehrtochter Franziska Kuratli.

(Bild: Thomas Peter)

Lange Zeit war ungewiss, ob Jugendliche mit Interesse für eine Innendekorationslehre diese absolvieren können. Erst vor kurzem konnten die Betriebe den Bewerbern eine Zusage machen. Denn erst im letzten Augenblick wurde klar, dass das Ausbildungsreglement nicht wie vorgesehen auf Ende 2015 aufgehoben wird. Diese Massnahme hatte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im letzten Februar angekündigt. Grund dafür sind dringend notwendige Reformen in der Berufsbildung.

«Innerhalb der Branche konnte man sich nicht einigen. Die Strukturen der Verbände waren zu eingefahren, und es kam immer wieder zu Missverständnissen», sagt Fritz Steffen. Der Innendekorateur führt mit seinem Bruder die Steffen Raumkonzepte AG in Herzogenbuchsee. Viele Innendekorationsgeschäfte hätten sich nach der Ansage des SBFI darauf verlassen, dass der Verband handeln werde. Als sich nichts getan hat, haben Steffen und Berufskollege Urs Nussbaumer aus Lüterkofen das Staatssekretariat angeschrieben. «Wir haben uns bereit erklärt, als unabhängige Praktiker eine Lösung auszuarbeiten.»

Das Ende verhindern

Das SBFI stimmte dem Vorschlag zu und räumte den Innendekorateuren mehr Zeit ein. Bis im Frühling müssen die beiden vorweisen, dass sie eine derzeit gespaltene Branche für Reformen geeint haben. Danach haben sie drei Jahre Zeit, die Ausbildung zum Innendekorateur tatsächlich zu reformieren. Im Moment sind Steffen und Nussbaumer dabei, Gespräche zu führen und zwischen Verbänden und Einzelpersonen, zwischen der Deutsch- und der Westschweiz zu verhandeln.

Das sei anstrengend und zeitintensiv, sagt Steffen. «Unsere einzige Motivation ist es, die Ausbildung zum Innendekorateur auch künftig zu ermöglichen und damit den Beruf zu retten.» Denn wird das Ausbildungsreglement nicht revidiert, entzieht das Staatssekretariat dem Bildungsgang die rechtliche Basis, was bedeutet, dass keine weiteren Lehrlinge ausgebildet werden könnten. «Das wäre das Ende.»

Grundsätzlich findet Steffen die heutige Ausbildung nicht schlecht aufgebaut. «Aber wir müssen sie entstauben, neu gliedern und klar strukturieren. Die Namensgebung wird ausserdem ein emotionsgeladenes Thema sein.» In einem ersten Schritt soll der Bereich Innendekoration aufgeräumt werden. In einem zweiten wollen die Reformer dann Weiterbildungsmöglichkeiten, andere verwandte Berufsfelder, kurz das Gesamtberufsbild revidieren.

Dabei erhalten sie Unterstützung eines Mentors, den das SBFI zur Verfügung stellt. Auf dem Weg dorthin werden wohl noch viele Diskussionen stattfinden. Doch Fritz Steffen zeigt sich optimistisch: «Der Anfang ist gemacht. Wir sind auf guten Wegen.»

Zwei Lehrlinge verpflichtet

Die Unsicherheiten der vergangenen Monate bekommen die Lehrmeister jedoch landesweit zu spüren. Vielen sind interessierte Jugendliche abgesprungen, die ihre Zusage schliesslich einem Betrieb in einem anderen Berufsfeld gemacht haben. «Viele Schnupperlis besuchten unseren Betrieb. Wir hatten aber Mühe, sie bei der Stange halten zu können», erklärt Steffen.

Nun ist klar, dass nächstes Jahr die Ausbildung gesichert ist. Die Jugendlichen können die vierjährige Lehre absolvieren. Trotz der späten Rekrutierung konnte Steffens Betrieb zwei Lehrlinge verpflichten. Deren Berufschancen seien übrigens sehr gut, wie Fritz Steffen sagt: «Der Innendekorateur und die Innendekorateurin sind Generalisten. Sie verlegen Böden, nähen Vorhänge und machen Polsterarbeiten. Mit der Grundausbildung eröffnen sich ihnen viele Möglichkeiten, die wir auch in Zukunft bieten möchten.»

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