«Ein Fehlentscheid kann uns allen passieren»

Langenthal

Neuer Präsident der Stiftung für Suchthilfe Contact ist Reto Müller. Er löst als früherer Vize Therese Frösch nach zehn Jahren ab.

«Ich engagiere mich, weil ich überzeugt bin, dass Contact eine wichtige Arbeit für benachteiligte Menschen und die Gesellschaft leistet», sagt Reto Müller, neuer Präsident der Stiftung für Suchthilfe Contact.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

«Ich engagiere mich, weil ich überzeugt bin, dass Contact eine wichtige Arbeit für benachteiligte Menschen und die Gesellschaft leistet», sagt Reto Müller, neuer Präsident der Stiftung für Suchthilfe Contact.

(Bild: Thomas Peter)

Reto Müller, wie verträgt sich dieses Präsidium mit Ihren anderen beruflichen Engagements als Stadtpräsident und Grossrat?Müller: Ich freue mich auf diese Aufgabe. Die Aktivitäten von Contact liegen mir am Herzen. Ich erkenne Synergien mit meiner Tätigkeit als Stadtpräsident und insbesondere als Grossrat. Contact betreibt in Langenthal das teilbetreute Wohnen, das Zentrum für ambulante Suchtbehandlung und eine aufsuchende Suchtarbeit. Langenthal steht deshalb auch in der Pflicht, an der Verantwortung mitzutragen und sich zu engagieren. Zudem zeigte sich in der Vergangenheit, dass Diskussionen um die offene Szene immer zur Chefsache gemacht wurden, weshalb sich hier der Stadtpräsident aktiv mit der Thematik auseinandersetzen kann. Formal: Auf Antrag des Stadtpräsidenten hat der Gemeinderat zwei Nebenbeschäftigungen des Stadtpräsidenten, die nicht von Amtes wegen ausgeübt werden – als Verwaltungsrat bei Dahlia Emmental und das Stiftungsratspräsidium Contact – im Frühjahr 2017 bewilligt.

Anders gefragt: Wie finden Sie dafür noch Zeit? Das ist kein Problem. Der Stiftungsrat trifft sich viermal im Jahr während der Grossratssessionen über den Mittag. Der zeitliche Aufwand zur strategischen Führung der überblickbaren, etablierten und gut organisierten Institution hält sich damit in Grenzen.

Warum übernehmen Sie dieses Amt? Ich engagiere mich, weil ich überzeugt bin, dass Contact eine wichtige Arbeit für benachteiligte Menschen und die Gesellschaft leistet. 2011 wurde ich als städtischer Vertreter des Sozialamts Langenthal als sogenannter Gemeindevertreter in den Stiftungsausschuss gewählt. 2014 wählte mich der Stiftungsrat zum Vizepräsidenten. Es war innerhalb der Stiftung auch eine Frage der Kontinuität und der bereits erfolgten Vernetzung etwa mit dem Grossen Rat und den kantonalen Behörden, die Weiterführung des bisherigen Weges nach fast zehn Jahren mit Therese Frösch an der Spitze anzugehen. Ich stelle mich gerne dieser Herausforderung. Contact ist eine bedeutende Organisation der Schadenminderung und der Suchthilfe im Kanton Bern. Ohne ehrenamtliches Engagement können soziale Institutionen im Kanton Bern in diesen Zeiten des Sparens nicht mehr überleben.

Geht Ihr Interesse an der Suchthilfe auch auf Ihre Zeit als ­Langenthaler Sozialvorsteher zurück? In meinem Leben habe ich immer Glück gehabt und wurde von guten Menschen begleitet. Ich bin mir aber bewusst, dass dies bereits das Einzige ist, was mich von Menschen mit Suchtproblemen unterscheidet. Ein Fehlentscheid kann uns allen passieren. Auch Ihnen und mir. Und dann wäre ich jetzt vielleicht in der gleichen oder ähnlichen Situation wie die Klientinnen und Klienten von Contact. Das ist meine Motivation.

Berner Zeitung

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