Langenthal

Digitales Unbehagen bleibt

LangenthalIn einem Workshop im Kunsthaus Langenthal wurden die Möglichkeiten und Gefahren der Technik aufgezeigt, gleichzeitig aber auch Ansätze geliefert, wie man sich in dieser komplexen Welt zurechtfinden kann.

Künstler Gordan Savicic (rechts) erklärt den Kursteilnehmern, was heute in der digitalen Welt alles möglich ist.

Künstler Gordan Savicic (rechts) erklärt den Kursteilnehmern, was heute in der digitalen Welt alles möglich ist. Bild: Andreas Marbot

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Einen Tag rund um Privatsphäre, Sicherheit und Mitbestimmung in der digitalen Welt, das versprach das Kunsthaus Langenthal für den Samstag. Den Nachmittag über wurden verschiedene Workshops durchgeführt, die den Besuchern die Ausmasse der digitalen Welt um uns herum aufzeigen und vor allem auch zum Mitmachen anregen wollten. So zum Beispiel der Workshop «Elektromagnetischer Spaziergang und Digital Detox mit Künstler und Critical Engineer Gordan Savicic».

Fluginfos empfangen

Obwohl ein Spaziergang angekündigt worden war, brauchten die Teilnehmer den Raum nicht zu verlassen. Stattdessen ging es auf eine virtuelle Entdeckungsreise, auf der man sich anschauen konnte, was da so alles an elektromagnetischer Strahlung um das Kunsthaus herum zu finden ist, wenn man die passende Ausrüstung dazu hat.

Bei dieser Ausrüstung handelte es sich lediglich um einen PC, USB-TV-Sticks und etwas Software aus dem Internet. Künstler Gordan Savicic, der momentan im Kunsthaus ausstellt, hatte aber auch noch eine grössere Antenne dabei, die natürlich noch mehr zu empfangen vermochte als die kleinen USB-Sticks. Gefunden wurden vor allem Radiosender, die man dann mit der passenden Software auch hören konnte.

Vielleicht etwas überraschender: Man kann auch relativ detaillierte Fluginformationen empfangen, also zum Beispiel die Flugnummer, die Höhe und genauen Koordinaten von allen grösseren Flugzeugen, die sich genügend nah bei der Antenne befinden. Weiter gibt es da auch noch Informationen über WLAN-Netzwerke und Mobilfunkantennen in Reichweite des Empfängers.

Erschreckende Möglichkeiten

Savicic erklärte dem staunenden Publikum, was mit dem heutigen technischen Fortschritt in diesem Bereich möglich ist, und zeichnete dabei auch ein etwas bedrohliches Bild. Denn: Wer bereit ist, über die Grenzen des Legalen hinauszugehen, kann sehr vieles, etwa auch Kommunikation von privaten Handys oder Computern, abfangen, abhören, oder mit eigenen Sendern beeinflussen.

So half einem der Workshop des Künstlers nicht wirklich «raus aus dem digitalen Unbehagen», wie es der Ausstellungstitel doch verheisst. Claire Hoffmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunsthauses, sagte dazu: «Es ist auch die Idee der Ausstellung, aufzuzeigen, wieso es dieses Unbehagen gibt. Sie soll aber auch Auswege und Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich in dieser Welt zurechtfinden kann.»

Möglichst lange Passwörter

Genau das führte das Solutionsbüro, eine kleine Firma aus Bern, die sich auf Informatiklösungen für Kunstprojekte spezialisiert hat, im Workshop «Digitale Selbstverteidigung» vor. Die Referenten erklärten unter anderem, wie man sich vor der Sammlung übermässig vieler personenbezogener Daten schützen kann. Eine einfache Lösung sei es zum Beispiel, verschiedene Nutzungsarten, ­also etwa Finanzielles, Social ­Media oder Informationssuche durch verschiedene Nutzerprofile im Browser zu trennen. Dadurch wird das Profil, das Algorithmen von einem erstellen, sehr schnell sehr viel ungenauer.

Ausserdem gaben sie Tipps zum Thema «sichere Passwörter». Ihre Empfehlung: Auf keinen Fall für mehrere Dienste dasselbe Passwort verwenden. Die Passwörter selber sollen möglichst lang sein, mindestens neun Zeichen. Damit man sie sich trotzdem merken kann, dürfen sie aus aneinandergereihten Wörtern bestehen. Diese sollten aber in keinem inhaltlichen Zusammenhang miteinander oder mit dem Dienst, für den das jeweilige Passwort benutzt wird, stehen.

Die beiden Workshops machten deutlich: Die heute verfügbare Technik bietet beeindruckend viele nützliche, aber eben auch bedrohliche Möglichkeiten. Wer jedoch bereit ist, sich ein bisschen zu informieren, kann durchaus etwas dafür tun, die eigene Privatsphäre besser zu schützen. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 15.10.2017, 17:14 Uhr

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