Die Lust des Wiedererkennens

Langenthal An der Uraufführung des Schauspiels «Ds chlinere Übel» in der Alten Mühle wurde viel gelacht. Die Autoren Mannhart und Kunz vereinen eine breite Palette von vertrauten Themen in ihrem Stück.

Da liegt einer: Der betrunkene Kantonalbeamte gleich zu Beginn des Stückes.

Da liegt einer: Der betrunkene Kantonalbeamte gleich zu Beginn des Stückes.

(Bild: Marcel Bieri)

Das Dorf Bolliswil, in dem das am Samstag in der Alten Mühle uraufgeführte Theaterstück «Ds chlinere Übel – Es Dorf schuflet a sire Zuekunft» spielt, gibt es nicht.

Doch die Probleme, mit denen sich die Bewohner herumschlagen, sind bekannt. Es geht um Selbstverwirklichung, korrupte Beamte, Umweltsünden, Fremdenfeindlichkeit, aber auch um Familienzwist und die Liebe. Der Schriftsteller Urs Mannhart und der Satiriker Matthias Kunz haben zusammen ein Stück geschrieben, das den Finger auf viele grössere und kleinere Wunden unserer Gesellschaft legt.

Roggwil lässt grüssen

Theaterleiter Reto Lang betonte in seiner Ansprache an das Publikum, dass das Theaterstück, das als Koproduktion des Stadttheaters und des Theaters Überland entstanden ist, «von der Region für die Region» gedacht sei.

Unter all den Themen, welche das Autorenteam aufnimmt, springt das in Bolliswil geplante Zentrum für Hirnverletzte besonders ins Auge. Ein solches war bekanntlich in Roggwil geplant. Pikant ist, dass ein paar Tage vor der Uraufführung des Stückes bekannt wurde, dass die Trägervereinigung Konkurs gemacht hat (Ausgabe vom Samstag).

«Von der Region für die Region» bedeutet, dass das Theater Überland mit dem Stück demnächst im Oberaargau auf Tournee gehen wird. Auch Roggwil ist auf dem Plan.

Temporeich und unterhaltsam

Theaterleiter Reto Lang hat das Stück in Szene gesetzt. Schlag auf Schlag folgen sich die kurzen, sketchartigen Szenen in einem Bühnenbild, das sich leicht umbauen lässt. Ein wenig Musik — und schon sind wir in der Handlung ein Stück weiter. Dem Regisseur gelingt es, das Publikum unter Spannung zu halten, sodass es kaum erwarten kann, wie die Geschichte weitergeht.

Einmal wird auch das Publikum als Gemeindeversammlung einbezogen und zur Abstimmung aufgefordert. Es verwirft die Pläne eines Hirnzentrums. Worauf man im Dorf zur Abschreckung die Vision eines Flüchtlingszen­trums aufbringt und die Bewohner vom «chlinere Übel» überzeugt, nämlich von der Stätte für Hirnverletzte. Ob es am Ende gebaut wird, sei nicht verraten.

Reto Lang arbeitet mit einem Ensemble, das mit zwei Ausnahmen seit Jahren aufeinander eingespielt ist. Da begegnet man Marlise Fischer wieder als warmherzige, aber leicht beeinflussbare Gemeindepräsidentin.

Frank Demenga spielt den schlitzohrigen Bauern, der sein Land nicht hergeben will. Karin Wirthner ist seine Freundin, eine emigrierte Bosnierin und uneingeschränkte Sympathieträgerin des Stücks. Anne Hodler verkörpert die ehrgeizige, liebesblinde Architektin, die endlich ein richtiges Projekt betreuen will, und Peter Zimmermann gibt den Beamten deutscher Herkunft, dessen Hemd nicht so weiss ist, wie es aussieht.

Bewährt hat sich auch der Spielort in der Alten Mühle. Der grosse Saal wurde umsichtig in ein Kleintheater mit Atmosphäre verwandelt.

«Ds chlinere Übel – Es Dorf schuflet a sire Zuekunft»:Nächster Spielort Huttwil, 3. und 4. November.

Berner Zeitung

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