Eriswil

Die Frau, die aus Krawatten Hüftschmeichler fertigt

EriswilElsbeth Kühni haucht alten Halsbindern neues Leben ein. Die 67-jährige Näherin verarbeitet sie zu Dekoobjekten, Schmuck und Kleidern. Eine andere Art des Recyclings.

<b>Ausgefallene Kreationen:</b> Aus abgelegten Kulturstricken schneidert Elsbeth Kühni bisweilen ganze Kleider.

Ausgefallene Kreationen: Aus abgelegten Kulturstricken schneidert Elsbeth Kühni bisweilen ganze Kleider. Bild: Thomas Peter

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Elsbeth Kühni wartet vor ihrem Haus im Niederdorf auf die Gäste – in einem Krawattenkleid. In ihrem Haar steckt eine Rose, auch diese hat sie aus einem Schlips gefertigt. Im Haus trifft man auf Teppiche und Dekorationsgegenstände, die sie aus nicht mehr gebrauchten Halsbindern fertigt.

Für ihre Krawatten-art, die sie ab und zu an Hobbyausstellungen oder während ­Koffermärkten zeigt, wird die ­67-Jährige oft gelobt. Ihre Kreationen zu verkaufen, ist allerdings schwierig. Denn sie weiss, dass nicht jede Frau den Mut hat, solche Jupes oder Kostüme anzuziehen. «Es muss jemand sein, der auch sonst spezielle Kleider trägt.» Wie sie selbst.

Erinnerung gab den Anstoss

Angefangen hat alles an der Fasnacht in Huttwil. «Ich sah einen mit Krawatten behängten Mann. Mein erster Gedanke war, dass er diese besser zusammennähen sollte, damit sie halten.» Doch bald war diese Begegnung wieder vergessen.

«Erst als ich in Bern in einer Brockenstube arbeitete und dort die vielen Krawatten sah, erinnerte ich mich wieder daran.» Statt sie nach einer gewissen Zeit auszusortieren, kaufte Elsbeth Kühni sie und nahm sie mit nach Hause.

Sie sei keine gelernte Schneiderin, betont die vife Frau. Früher nähte sie zwar Kinderkleider und später für den erwachsenen Nachwuchs ab und zu Vorhänge. «So bin ich nach einer längeren Pause wieder zum Nähen gekommen.» Aus den Krawatten hat sie erst Taschen gefertigt, dann sogenannte Hüftschmeichler.

Mit der Zeit kamen Haarschmuck, kleine Teppiche und Dekokränze dazu, dann Jupes und Kostüme. Manchmal ist es nur eine Krawatte, die Elsbeth Kühni zum Beispiel auf ein ­Trikotkleid näht, manchmal ­bestehen ganze Deuxpièces aus den Bindern. Als Vorlage dient ihr ein einfaches Schnittmuster. «Die Brustabnehmer und das Armloch müssen stimmen», erklärt sie.

400 Stück in Spitzenzeiten

Die Krawatten sucht die passionierte Näherin nach zueinanderpassenden Mustern oder Farben aus. Aktuell hat Elsbeth Kühni einen Bestand an 200 bis 250 Krawatten. In Spitzenzeiten lag ihr Vorrat bei rund 400 Stück. Sie erhält sie von überall her, seit bekannt ist, wie sie sie verarbeitet.

«Ein Architekt hatte nach seiner Pensionierung keine Verwendung mehr für seine edlen Stücke und hat mir rund 70 Krawatten geschenkt, darunter 2 von Dior», nennt die vierfache Mutter und zehnfache Grossmutter ein Beispiel.

Nicht immer werden sie gleich verarbeitet. «Manchmal, wenn ich eine Idee im Kopf habe, muss ich lange warten, bis ich das passende Stück finde.»

Nähen für jederfrau

Als die gelernte Verkäuferin in der Brockenstube arbeitete, trug sie immer mal wieder Kleider aus Krawatten. «Natürlich bin ich darauf angesprochen worden», sagt sie und ergänzt schmunzelnd: «meistens von Männern». Für sie sei es keine grosse Sache gewesen, mit einem so aussergewöhnlichen Outfit unterwegs zu sein.

Ob Elsbeth Kühni mit ihrer Krawatten-art weitermachen will, ist noch offen. Weiterführen wird sie sicher die Kurse, die sie meistens auf Anfrage von Frauenvereinen gibt: Sie bringt anderen Frauen das Nähen bei. Oder die Herstellung von Engeln, zum Beispiel aus Notenblättern mit Partituren bekannter Komponisten oder aus Bildbänden.

Und sie gibt ihr Wissen weiter, wie man aus Rhabarberblättern Betondekos für den Garten macht. Das sind jedoch ganz andere Geschichten. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 07.12.2017, 14:08 Uhr

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