Der Biber muss hier weg

Seeberg

Zwei Biberdämme am Chrümelbach in Seeberg blockieren eine landwirtschaftliche Drainage. Das Jagdinspektorat hat die Bewilligung erteilt, die Dämme abzutragen. Eine Seltenheit.

Das aufgestaute Wasser bietet zwar Lebensraum für den Biber, blockiert jedoch die Entwässerung.

Das aufgestaute Wasser bietet zwar Lebensraum für den Biber, blockiert jedoch die Entwässerung.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Giannis Mavris

Die Wiederansiedlung des Bibers in der Schweiz ist eine eigentliche Erfolgsgeschichte. Die Nagetiere, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts hierzulande ausgerottet waren, haben sich nämlich relativ schnell wieder ausgebreitet. Wurden bis Ende der 1970er-Jahre knapp 150 Biber ausgesetzt, leben heute wohl bereits mehr als 2800 von ihnen zwischen Genf und dem Bodensee.

Durch das Bauen von Dämmen, Kanälen und Burgen sowie das Fällen von Bäumen gestalten sie die Landschaft und schaffen eine grosse Vielfalt an neuen Lebensräumen. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle für die Biodiversität. Das bringt den Nagern Sympathien ein.

Siedlungsgebiet betroffen

Das Zusammenleben von Mensch und Biber gestaltet sich jedoch nicht immer harmonisch, wie sich auch in Seeberg zeigt. Der Biber habe sich etwa vor einem Jahr im Unterverlauf des Chrümelbachs Richtung Winistorf eingenistet, so Roland Grütter, Gemeindepräsident (BDP) von Seeberg. Nun sei von den zwei gebauten Biberdämmen eine landwirtschaftliche Drainage betroffen, die auf achtzig Hektaren Land ausgelegt ist. Damit werden die gebauten Leitungen geschlossen, und der Abfluss ist nicht mehr gewährleistet.

«Ein Eingriff muss berechtigt und verhältnismässig sein.»Karin Thülerstellvertretende Jagdinspektorin

Es bestehe die Gefahr, dass das Drainagesystem versande und die Entwässerung nicht mehr richtig funktioniere, führt Grütter aus. Davon betroffen ist auch das Siedlungsgebiet, was die Sache noch heikler macht – könnte es doch bei Hochwasser zu Überschwemmungen von Kellern und Häusern kommen, wenn das Wasser nicht mehr richtig abfliessen kann.

«Wir versuchen seit Monaten, den Biber zu vergrämen», so Grütter. Gemeinsam mit dem zuständigen Wildhüter habe man durch technische Eingriffe versucht, ihn von dieser Stelle zu vertreiben, etwa durch das teilweise Abtragen der Dämme.

Da diese Eingriffe jedoch nicht gefruchtet hätten, habe man sich entschlossen, beim Jagdinspektorat weitergehende Massnahmen zu beantragen. Die Einwohnergemeinde Seeberg, die für den Chrümelbach zuständig ist, hat deshalb zusammen mit der Flurgenossenschaft Seeberg-Hermiswil, der die Drainage gehört, im Januar ein Gesuch für das Ab­senken und das Entfernen der ­Biberdämme eingereicht.

Strenge Auflagen

Da der Biber und seine Dämme unter gesetzlichem Schutz stehen, werden solche Bewilligungen selten erteilt und sind mit strengen Auflagen verbunden. Damit das geschieht, muss zuerst eine Interessenabwägung durchgeführt werden. «Ein Eingriff muss berechtigt und verhältnismässig sein», sagt Karin Thüler, die stellvertretende Jagdinspektorin. Das bedeute, dass letztlich jeder Fall individuell betrachtet und abgewogen werden muss: «Ausschlaggebend ist die Gefahr eines Schadens oder ein bereits eingetroffener Schaden an Infrastruktur und Kulturland.»

«Wir können den Biber ja nicht einfach wegtransportieren.»Roland Grütter Gemeindepräsident Seeberg

Thüler bestätigt, dass der administrative Aufwand dafür gross ist, eine solche Erlaubnis zu erhalten. Das hat einerseits damit zu tun, dass man noch keine gängige Praxis entwickelt hat – solche Eingriffe werden erst seit drei Jahren verfügt. Andererseits sind die hohen Hürden auch dazu da, Willkür abzuwenden. Denn obwohl Biber stark geschützt sind, sind sie nicht überall gern gesehen: Biberdämme werden immer wieder illegal eingerissen.

Die Gemeinde hat zusammen mit der Flurgenossenschaft dennoch Druck gemacht, um die Dämme loszuwerden, da sie die Gefahr vom Wasserrückstau im Siedlungsgebiet als ernsthaft einstufte. Offenbar mit Erfolg: Das Jagdinspektorat war von der ausgehenden Gefahr am Chrümelbach überzeugt.

Den Biber verdrängen

Zunächst einmal wird in Seeberg nun an den zwei Biberdämmen drainiert. Das heisst, sie werden abgesenkt, damit die Leitungen wieder ablaufen können. Im September erfolgt der Haupteingriff: Die Dämme sollen dann komplett abgetragen werden, damit das Wasser gänzlich abgeführt werden kann.

Entsprechende Erfahrungen habe man bisher noch keine gemacht, für die Gemeinde Seeberg sei es das erste Mal, dass man eine solche Bewilligung erhalten habe, so Grütter. Ob die neuen Massnahmen greifen würden, müsse sich zuerst noch zeigen. Das Ziel sei es, dass er in einen anderen Bereich verdrängt werde und andernorts neuen Lebensraum finde. Denn: «Wir können den Biber ja nicht einfach wegtransportieren.»

Langenthaler Tagblatt

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