Den Fortbestand der Wässermatten sichern

Oberaargau

Die Überbauungsordnung zur Erhaltung der Wässermatten ist genehmigt.

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Giannis Mavris@MavrisGiannis

Letztlich stimmte es für alle: Die drei Eingaben, die im letzten Sommerwährend der öffentlichen Auflage gegen die neue kantonale Überbauungsordnung (KÜO) zur Erhaltung und Bewirtschaftung der Wässermatten gemacht wurden, wurden nach ihrer Beantwortung zurückgezogen. Die neue KÜO konnte nun deshalb ohne Änderungen durch die zuständige Regierungsrätin Evi Allemann erlassen werden.

Vorangegangen war eine umfassende Mitwirkung unter der Beteiligung der Wässermatten-Stiftung, der Region Oberaargau sowie zahlreicher Grundeigentümer, Bewirtschafter und Gemeinden. Bereits in dieser Phase zeichnete sich ab, dass die Betroffenen die neue KÜO befürworteten. Eine solche wurde nötig, nachdem der Grosse Rat 2015 für die finanzielle Sanierung der Wässermatten-Stiftung 3,75 Millionen Franken gutgeheissen hatte. Und ein planerisches Instrument verlangte, das den Schutz und den Fortbestand der betreffenden Flächen garantiert.

Zahlungen angepasst

Zwischenzeitlich sah es düster aus um die Zukunft der Wiesen. Die 1992 gegründete Wässermatten-Stiftung entrichtet Entschädigungszahlungen an die Bewirtschafter, die sich ursprünglich aus den Zinserträgen des Stiftungsvermögens speisten. Wegen sinkender Zinserträge auf den Kapitalmärkten war die Stiftung gezwungen, ihre Zahlungen massiv zu senken, was zu Unmut führte – und sogar zu einer Protestaktion, als ein Bewirtschafter in Lotzwil auf seinen Wässermatten zwischenzeitlich Mais anbaute, um auf die unfaire Abdeckung seiner Einbussen und Aufwände hinzuweisen.

Dank dem Entscheid des Grossen Rates konnten in den letzten vier Jahren die Beiträge wieder erhöht werden, denn die Stiftung darf seither auch ihr Vermögen dazu verwenden. Voraussichtlich 2030 wird dieses aufgebraucht sein, danach wird es mit den genehmigten 3,75 Millionen wieder geäufnet.

Traditionelle Kulturform

Die neue KÜO legt die maximale Abgeltung auf 2500 Franken pro Hektare fest, zuvor war es teilweise nur ein Drittel dieser Summe. Auf ein Düngeverbot wird weiterhin verzichtet, da dieses einer materiellen Enteignung gleichkäme – beim Einsatz von Düngemitteln muss jedoch sichergestellt werden, dass diese nicht ausgewaschen werden. Verboten wird zum Schutz der Heuschrecken der Einsatz von Mulchgeräten auf einem Pufferstreifen von sechs Metern entlang der Ufervegetation.

Geregelt werden Wässermatten von sechzig Bewirtschaftern in den Gemeinden Roggwil, Langenthal, Lotzwil, Madiswil, Rohrbach und Melchnau mit einer Fläche von rund 110 Hektaren. Davon ausgeklammert sind die Matten entlang der Önz, die keinen Vertrag mit der Stiftung haben. Ausgeschlossen wurde auch eine Erweiterung des KÜO-Perimeters.Dafür fehlen der Stiftung die finanziellen Mittel.

Die Wässermatten sind Überbleibsel einer Form der genossenschaftlichen Wiesenbewässerung und Düngung, die ab dem 9. Jahrhundert im ganzen Mittelland verbreitet war.

Langenthaler Tagblatt

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