Ursenbach

Das neueste Mundartbuch als Familienunternehmen

UrsenbachMundartautorin Greti Morgenthaler aus Ursenbach hat ihr viertes Buch veröffentlicht. Erstmals ist es ein Kinderbuch. Es ist eine wahre Geschichte um die Geiss Netti, die Aussergewöhnliches erlebt hat.

Der Ziegenstall bei Greti Morgenthaler ist leer. Mit ihrem ersten Kinderbuch sorgt die Ursenbacher Mundartautorin dafür,  dass die Erinnerungen an ihre letzten Bewohner nicht vergessen gehen.

Der Ziegenstall bei Greti Morgenthaler ist leer. Mit ihrem ersten Kinderbuch sorgt die Ursenbacher Mundartautorin dafür, dass die Erinnerungen an ihre letzten Bewohner nicht vergessen gehen. Bild: Thomas Peter

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Greti Morgenthaler konnte kürzlich ihren 90. Geburtstag feiern. Fast gleichzeitig erschien ihr neuestes Buch. Warum es nach drei Büchern mit Geschichten für Erwachsene nun ein Kinderbuch geworden ist, gibt sie bei einem Besuch in ihrem heimeligen, alten Bauernhaus – dem Schürhansli – gerne preis: «Ich wollte die Erinnerung an die Geissen, die nun aus unserem Haus verschwunden sind, wachhalten.

Besonders für meine Urgrosskinder.» Sie habe sich beim Schreiben deshalb bewusst an ein kindliches Publikum gerichtet, sagt sie: «Statt Tierarzt schrieb ich zum Beispiel Tierlidokter.»Gehalten worden waren die Ziegen von Tochter Christine, die im selben Haus gewohnt hatte und nun weggezogen ist.

Als die Idee zum Buch geboren war, hat sich Greti Morgenthaler hingesetzt und nach und nach die Ziegengeschichte niedergeschrieben. Als Hauptdarstellerin wurde die Geiss Netti erkoren. Nicht nur, weil sie mit ihrer Anhänglichkeit auffiel, sondern auch, weil ein besonderes Ereignis sie zum Star werden liess: Netti durfte mit einem Helikopter fliegen.

Aufregendes Geissenleben

Bis zu diesem Abenteuer nahm das Leben der Ziege einen ganz normalen Verlauf. Die Erzählerin beschreibt, wie die neugierige Geiss ihre Umgebung erkundet — daheim und auf der Alp. Der Weg zur Alp, der jeweils Anfang Sommer angesagt war, musste ein gutes Stück zu Fuss zurückgelegt werden. Als Netti mit elf Jahren schon eine alte Geiss geworden war, dachte ihre Besitzerin, sie möge den Aufstieg zur Alp nicht mehr bewältigen.

Netti musste also allein zu Hause bleiben. Sie vermisste aber die andern Ziegen so sehr, dass sie jegliche Nahrung verweigerte. Der Hirt kam dann auf die rettende Idee, Netti im Helikopter, der Futter auf die Alp brachte, mitfliegen zu lassen. Auf diese un­gewöhnliche Weise konnte die traurige Ziege wieder glücklich gemacht und mit ihren Gspänli vereint werden.

Dialekt und Hochdeutsch

Greti Morgenthaler schrieb die Geissengeschichte wie alle bisherigen Geschichten im Oberaargauer Dialekt. Oder wie sie gerne sagt: in der Sprache von Ursenbach. Damit aber der Text von allen gelesen und verstanden werden kann, kam Tochter Marianne auf die Idee, die Geschichte parallel zur Mundart in Schriftsprache abzudrucken. Der Verlag war davon ebenfalls begeistert.

Das neueste Buch von Greti Morgenthaler wurde so zu einem kleinen Familienunternehmen: Die Übersetzung ins Hochdeutsche besorgte nämlich Tochter Annelies. Mit passenden Bildern illustriert und bereichert hat das Buch Angela Christen, die künstlerisch begabte Ehefrau eines Enkels. Entstanden ist so ein schönes, buntes Kinderbuch, das sich zum Vorlesen und gleichzeitig für grössere Kinder zum Selberlesen eignet.

Greti Morgenthaler hat erst im bereits hohen Alter von achtzig Jahren ihr erstes Mundartbuch veröffentlicht. Sie gab ihm den Titel «Gschpycherets». Es folgten später noch die Werke «Büschelets» und «Füregrüblets». Sie schrieb über Erlebnisse in der Kindheit, von den Arbeitsweisen früherer Zeiten, über das Leben im Dorf und vieles andere mehr.

«Alles wahre Geschichten», betont sie. Auf die Frage, ob sie noch weiterschreiben werde, sagt die neunzigjährige Schriftstellerin: «Ich hätte schon noch Geschichten im Kopf. Aber jetzt im Herbst gibt es draussen so viel zu tun, da habe ich keine Zeit zum Schreiben.»

Das Kinderbuch«S’Netti» wie auch die drei andern Mundartbücher sind erschienen bei der Edition Schürch, Bahnhofstrasse 9, Huttwil (Tel. 062 959 80 70; info@schuerch- druck.ch). Erhältlich sind sie ausserdem in Buchhandlungen und bei der Autorin (Tel. 062 965 10 09). (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.12.2015, 06:08 Uhr

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