Langenthal

Das clevere Geschäft mit dem Gerstensaft

LangenthalAus einem Studienprojekt entwickelte sich ein Start-up: Seit fünf Jahren beliefern die Smartbeer-Gründer Léon Metz und Lucien Martin Bierliebhaber mit Spezialsorten aus der ganzen Schweiz. Mit Erfolg.

Co-Gründer Léon Metz bringt den Smartbeer-Abonnenten die Vielfalt der Schweizer Braukunst näher. Rechts im Bild ist die Box, in der die Getränke geliefert werden.

Co-Gründer Léon Metz bringt den Smartbeer-Abonnenten die Vielfalt der Schweizer Braukunst näher. Rechts im Bild ist die Box, in der die Getränke geliefert werden. Bild: Thomas Peter

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Nie zuvor zählte die Schweiz derart viele aktive Brauereien wie heute. Waren es im Jahr 2000 noch 81 Betriebe, stieg die Zahl bis 2010 auf 322 an. Und der Boom geht weiter: Derzeit existieren hierzulande 867 Brauer­eien. Bei den meisten handelt es sich um Kleinstbrauereien. Da diese aber eine tiefe Produktionskapazität aufweisen und zu hohen Preisen verkaufen müssen, wird der grösste Teil des konsumierten Bieres in der Schweiz von einigen wenigen Brauereien hergestellt. «Die meisten kennen deshalb vor allem das industrielle Lagerbier», sagt Léon Metz. «Dabei gibt es so viel mehr.»

Mit Smartbeer (zu Deutsch «schlaues Bier») wollen der 31-jährige Langenthaler und sein ehemaliger Studienkollege Lucien Martin ihren Kunden die Vielfalt der Schweizer Spezialbierlandschaft näherbringen. Der Schlüssel dazu ist ein Bierabo. Jeden Monat stellen die beiden ihren Abonnenten eine neue Brauerei vor. Von dieser können sie jeweils sechs Flaschen mit mindestens drei verschiedenen Biertypen probieren.

Sie gaben das Einpacken auf

Das Konzept von Smartbeer tüftelten die beiden während ihres Masterstudiums in Betriebsökonomie mit Vertiefung Unternehmertum aus. Da hatten Léon Metz und Lucien Martin die Aufgabe, gemeinsam einen Businessplan zu erarbeiten. Als Bierliebhaber widmeten sie sich dem Gerstensaft. «Wir fanden es schliesslich schade, das Konzept nicht in die Tat umzusetzen», sagt Metz. So lancierten sie 2012 ihr eigenes Start-up.

Mit Erfolg: Mittlerweile werden über 750 Abonnenten per Post mit Perlen der Schweizer Bierkultur beliefert. Die Lieferungen eigenhändig in die milchkastengrossen Kartons einzupacken, gaben die Unternehmer jedoch nach einem halben Jahr auf. «Ab 60 Abonnenten wurde es uns zu viel», sagt Metz. Seither arbeiten sie deshalb mit der Fondation Polyval, einer Lausanner Werkstatt für Menschen mit Behinderung, zusammen.

Derzeit widmen sich die Co-Gründer mit einem Pensum von 10 bis 20 Prozent dem Projekt Smartbeer. Léon Metz als Verantwortlicher für die Deutschschweiz und Lucien Martin, der in Yverdon-les-Bains wohnt, als Verantwortlicher für die Westschweiz. «Es ist eine schöne Nebenbeschäftigung», sagt Léon Metz. «Mir gefällt es, eigene Ideen verwirklichen zu können und immer wieder neue Leute kennen zu lernen.»

Nur regional verkaufen

Jedes Bier, das sie ihren Kunden vorstellen, haben Léon Metz und Lucien Martin zumindest selbst degustiert. Wenn irgendwie möglich, statten sie den Brauereien sogar einen Besuch ab. Infrage kommen dabei Kleinbrauereien, die ihre Produkte ausschliesslich regional verkaufen. Nichtsdestotrotz müssen sie eine gewisse Menge produzieren können, um sämtliche Abonnenten zu beliefern. So wurde etwa auch das ­49er-Bier der Langenthaler Brau AG vorgestellt.

Seit der Firmengründung haben Léon Metz und Lucien Martin rund 50 Brauereien aus der ganzen Schweiz präsentiert. «Es ist spannend, zu beobachten, wie neue Sorten auf den Markt kommen», sagt der zweifache Vater.

Über die Jahre hinweg haben sich die beiden durch ihre Arbeit mit Smartbeer ein grosses Wissen über das Getränk angeeignet. Dieses halten sie seit neuestem in einem Degustationsführer fest (siehe Kasten).

Experimente wagen

Welches Bier Herr und Frau Schweizer am meisten mögen, kann Léon Metz nicht sagen. «Das kann man nicht generalisieren, die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich.» Während etwa sein Kollege Lucien Martin gerne helles Bier mag, kann es für den 31-Jährigen nicht dunkel genug sein. «Ich liebe das Röstaroma und den Geschmack von Schoggi oder Kaffee darin», so der Treuhänder. Was er hingegen gar nicht mag, ist das Bier der grossen Hersteller. «Seit Smartbeer kann ich dieses nicht mehr trinken.»

Dem Bier hänge auch heute noch häufig das «Süffel-Image» nach, sagt Léon Metz. «Wie Wein kann aber auch Bier edel sein.» So gebe es beispielsweise Biere mit Korkenzapfen, die aussehen wie Champagnerflaschen.

Die Vielfalt dieses Getränks widerspiegle sich zudem in den Inhaltsstoffen, die verwendet werden. «Oft sind es Zutaten, die man nicht in einem Bier erwartet», sagt der Langenthaler. Gerade Kleinstbrauereien hätten die Möglichkeit, Experimente zu wagen. Deren Resultat ist dann nicht nur Weihnachtsbier mit Zimt, Orangen und Lebkuchen. Mit Honig-, Rosmarin- oder Basilikumbier – laut Metz besonders beim weiblichen Geschlecht beliebt –  kann die Neugierige oder der Neugierige sich in ganz neue Geschmacksgebiete wagen. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 29.12.2017, 06:03 Uhr

Richtig degustieren

Ihr Bierwissen halten Léon Metz und Lucien Martin in einem Degustationsführer fest. Hier einige Tipps der Profis:


  • Bier nie in der Flasche degustieren. In einem Bierglas oder auch in einem Rotweinglas kommt der Geschmack besser zur Geltung.

  • Die ideale Serviertemperatur hängt von der Biersorte ab. Während die Idealtemperatur für Pils und Weissbiere 6 Grad beträgt, sollten Starkbiere bei 12 bis 14 Grad genossen werden.

  • Das Bier beobachten. Die drei bis vier Zentimeter grosse Schaumkrone muss aus kleinen Blasen bestehen und hat je nach Brauart eine Farbe von strahlendem Weiss bis zu Creme.

  • Am Schaum riechen. Einige Aromen konzentrieren sich nur in ihm.

  • Tief einatmen. Sobald der Schaum zusammengefallen ist, mit tiefen Atemzügen einen ersten Eindruck von den Aromen des Bieres gewinnen.

  • Das Bier sanft schwenken. So setzt es seine Aromen frei.

  • Die Aromen wiedererkennen. Anhand der einem bereits bekannten Gerüche versuchen, sie einer Zutat zuzuordnen.

  • Das Bier verkosten. Zuerst mit kleineren, dann mit immer grösseren Schlucken, die im Mund behalten werden, die Aromen identifizieren.

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