Langenthal

Bauern müssen sich anpassen

LangenthalTrockenheit und Hitze werden in Zukunft weiter zunehmen. Die Landwirtschaft muss den richtigen Umgang damit noch finden. Technische Mittel können dabei nur bedingt helfen.

Hitze und Futterknappheit: Die Situation im Mittelland dürfte sich künftig zuspitzen.

Hitze und Futterknappheit: Die Situation im Mittelland dürfte sich künftig zuspitzen. Bild: Madeleine Schoder

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Meteorologisch ist er zwar noch nicht vorbei, dass es sich dieses Jahr jedoch um einen auffällig heissen und trockenen Sommer handelt, ist bereits jetzt klar. Die hohen Temperaturen und die tiefen Niederschläge haben insbesondere der Landwirtschaft zugesetzt.

Gelitten haben vor allem Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben – Sommerkulturen, die dem Trockenstress potenziell stärker ausgesetzt sind. Stark betroffen ist aber auch die Graswirtschaft, sodass sich ein Mangel an Raufutter abzeichnet. In den letzten Jahren war vor allem die Westschweiz betroffen, dieses Jahr litt aber insbesondere die Nordostschweiz unter der Trockenheit. Viele Bauern mussten einen Teil ihrer Winterreserven verfüttern, in Einzelfällen wurde Vieh sogar notgeschlachtet.

Vor diesem Hintergrund und unter dem aktuellen Titel «Zukunft Grasland Schweiz: noch effizienter, grüner, smarter?» wurden letzten Donnerstag an der Waldhoftagung in Langenthal Entwicklungen präsentiert, die Landwirte bei der ökologischen und ökonomischen Produktion unterstützen können. Etwa der effektivere Einsatz von Maschinen, das Bestimmen des optimalen Erntezeitpunkts oder der Einsatz von digitalen Hilfsmitteln.

Umstellungen werden nötig

«Mit Technik kann man aber nicht alles ausgleichen», sagt Marco Meisser, der bei Agroscope arbeitet und auf Weidewirtschaft spezialisiert ist. Seit Beginn der Messungen 1864 habe man in der Schweiz einen Temperaturanstieg von rund zwei Grad festgestellt. Die Prognosen sehen bis 2060 einen Anstieg von weiteren zwei bis drei Grad – das entspräche in Genf etwa dem Klima der Toscana. «Die Situation im Mittelland wird sich künftig zuspitzen, zudem werden Extremereignisse häufiger und stärker auftreten», so Meisser.

An der Tagung hat er über den Umgang mit der Trockenheit gesprochen und Massnahmen empfohlen: Vermehrt Futterkonserven vorbereiten, angepasste Mischungen für Trockenperioden beschaffen, gezielter düngen. Oder mehr Zwischenfutterbau betreiben, also zwischen zwei Hauptkulturen anbauen, zum Beispiel Alexandriner-Perserklee-Raigras-Mischungen. Langfristig werde man nicht darum herum kommen, beim Anbau teilweise die Kulturen umzustellen, etwa Hirse als Ergänzung zum Mais.

Längere Vegetationsperiode

Trotz den Wasserengpässen, die mancherorts existieren, ist die Schweiz noch weit von einem Wassernotstand entfernt. Zusätzliche Bewässerung beim Futterbau ist also eine Alternative. «Das Grasland profitiert ganz gut von zusätzlichem Wasser. Es stellt sich jedoch die Frage, ob das für den Bauer auch praktisch umzusetzen ist», sagt Meisser.

Es sei denkbar, dass der Futterbau in Zukunft auf höheren Lagen begünstigt wird, wenn in den feuchten Bergregionen der Niederschlag etwas zurückgehen würde. Anders als bei den Temperaturen, die nachweislich steigen werden, seien Prognosen über die Entwicklung von Niederschlägen aber viel schwieriger zu machen, so Meisser.

Die Veränderung der klimatischen Bedingungen bedeute jedoch nicht, dass Landwirtschaft unmöglich wird – sondern, dass sie sich wandeln wird. «Wir stellen fest, dass die Vegetationsperiode länger dauert: Der Frühling kommt früher, und der Herbst dauert länger», sagt Meisser. Das eröffne Möglichkeiten, denn man könne von den guten Verhältnissen am Anfang und am Ende der Saison profitieren. Ein wärmeres Klima begünstigt zudem den Anbau von anderen Kulturen, beispielsweise den Weinbau.

«Für die Bauern bedeutet das in erster Linie, dass sie sich anpassen müssen», sagt Meisser. Das sei zwar nichts Neues, denn Landwirte lebten seit jeher von und mit der Natur. Es dürfte für sie künftig jedoch komplizierter werden – trotz technischer Hilfsmittel. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.08.2018, 17:33 Uhr

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