Hindelbank

Bagger im Naturschutzgebiet

Hindelbank Im Hurstmoos wurde gebaggert, gemessen und gebaut. Der Kanton Bern kämpft um die Erhaltung eines Hochmoors von nationaler Bedeutung.

Mit Vinyl verstärkt: Der neue Damm soll für einen konstanten pH-Wert sorgen.

Mit Vinyl verstärkt: Der neue Damm soll für einen konstanten pH-Wert sorgen. Bild: Thomas Peter

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Manch ein Spaziergänger mag sich während der letzten zwei Wochen ob der Maschinengeräusche im Hindelbanker Naturschutzgebiet Hurstmoos gewundert haben. Ein Bagger riss den Boden auf, und Lastwagen parkten vor dem Blockhaus des Hurstmoosvereins. Der Kanton Bern liess im «Möösli» einen Damm erneuern.

Entscheidender pH-Wert

Die beiden Hauptteile des Gebiets umfassen einerseits das Moor und andererseits mehrere Weiher und ein Blockhaus. Diese werden durch den Damm getrennt. Da das Hurstmoos im Inventar für Hochmoore von nationaler Bedeutung des Bundes aufgeführt ist, muss das Wasser dort einen festgelegten pH-Wert aufweisen, damit es als Hochmoor bezeichnet werden darf.

Ein Hochmoor besteht aus vielen kleinen Pflanzen, sogenannten Torfmoosen. Diese senken den pH-Wert des Wassers im Moor und sorgen dafür, dass dieses sauer wird. Infolge von Unwettern überschwemmten die Weiher im Hurstmoos mehrmals den Damm. Wegen dieser Überschwemmungen ist Mineral- und nährstoffreiches Wasser in das sonst saure Moorwasser gelangt, und der pH-Wert des Mooses schwankte. Dank Messungen des Kantons konnte eine Korrelation zwischen den Übertritten und diesen Schwankungen festgestellt werden. «Um die typischen Charakteristika eines Hochmoores aufrechterhalten zu können, muss eine solche Vermischung verhindert werden», erläutert Petra Graf, die zuständige Fachfrau vom kantonalen Amt für Landwirtschaft und Natur.

Der Kanton hat den Damm deshalb mit Vinylspundwänden verstärkt. Diese reichen 1,50 Meter in den Boden. Das reiche aus, so Graf, um den Wasseraustausch zu stoppen. Darunter sei eine für Hochmoore zwar atypische, aber sehr kompakte Sandschicht, die das Versickern des Wassers erschwert habe. Gut 50 000 Franken kostet die Sanierung des Dammes. Die Hälfte davon wird vom Bund ge­tragen.

Eine lange Geschichte

Ein Waldbrand habe seinerzeit das Moor freigelegt und den Kanton auf den Plan gerufen, erklärt Stefan Lehmann, Holzermeister und Präsident der Burgerlichen Korporation Hindelbank als Besitzerin des Landes. Der 47-jährige Lehmann kennt das «Möösli» schon seit seiner Jugend. Denn schon sein Vater, Urs Lehmann, war während 34 Jahren in derselben Position wie heute er selber. Der grösste Teil des Naturschutzgebiets ist Wald und wird von der Burgerlichen Korporation gepflegt.

Die Weiher und das Blockhaus indes betreut der Hurstmoosverein. Das Hurstmoos drohte in den späten 1960er-Jahren zu verlanden, da sprang der Burgdorfer Aquarienverein ein. «Die Vereinsmitglieder halfen, die Weiheranlage, die heute als Naherholungsgebiet genutzt wird, zu erhalten», sagt Peter Walther, der Präsident des Vereins.

Alle sind sich einig: Das «Möösli»  ist und bleibt ­schützenswert.

Als Anfang 1970er-Jahre der Aquarienverein im Hurstmoos zu bauen begann, war dieses noch kein Naturschutzgebiet. Die Grundeigentümer und der Verein hätten seit ­jener Zeit eine Übereinkunft, ­erklärt Walther: Der Hurstmoosverein pflegt und unterhält die Anlage und darf dafür gratis das Grundstück nutzen. Die Weiher wurden angelegt, damit die Vereinsmitglieder Lebendfutter für ihre Fische, wie zum Beispiel Mückenlarven, züchten konnten.

Ruhe ist eingekehrt

Unterdessen sind die Bauarbeiten fertiggestellt. Das Fortbestehen des Hochmoors im Hurst ist damit gesichert. Bund, Kanton, der Hurstmoosverein und die Burgerliche Korporation, sie alle sind sich einig: Das «Möösli» ist und bleibt schützenswert.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.09.2018, 08:03 Uhr

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