Langenthal

Anwohner stören sich an Frittiergerüchen

Langenthal Im letzten Jahr hat die Kadi AG massiv in die Produktion investiert, gerade auch um die Luftqualität zu verbessern. Anwohner klagen aber weiterhin über Frittiergerüche. Woran liegt das?

Die Produktionsemissionen der Kadi sind Mauro Grossud (links) genauso wie Ernst Roth ein Dorn im Auge.

Die Produktionsemissionen der Kadi sind Mauro Grossud (links) genauso wie Ernst Roth ein Dorn im Auge. Bild: Thomas Peter

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Vielleicht sei der Geruch heute ja wirklich weniger oft da. Vielleicht auch nur für kurze Zeit, so genau kann das Mauro Grossud nicht sagen. Schliesslich stehe er nicht andauernd draussen und strecke die Nase in die Luft. Der Musiker und Produzent, wohnhaft beim Bahnhof Langenthal-Süd, hält aber fest: «Es riecht nach wie vor gleich intensiv.»

Gemeint ist vor allem der Frittiergeruch, der in manchen Nächten oder am frühen Morgen um die Häuser zieht. Grossud: «Bei uns kommen die Frühlingsrollen aus dem Süden, nicht aus dem Osten.» Weder wolle er diesen Geruch zum Frühstück noch zum Schlafen. Derzeit seien die Fenster zwar zu, aber wie es wohl heuer in der warmen Jahreszeit werde, fragt sich Grossud. Dabei hätte die Kadi AG erst kürzlich in eine neue und teure Produktionsanlage investiert. Für Grossud ist deshalb klar: «Da kann doch etwas noch nicht stimmen.»

Güllegestank ist weg, aber . . .

Tatsächlich hat die Kadi AG letzten Sommer für neun Millionen Franken eine Einrichtung installiert, um den Frittierprozess zu verbessern und Gerüche zu verringern (wir berichteten). Seit Herbst laufen nun die Fritteusen und die thermische Nachverbrennung der Tiefkühlherstellerin auf Hochtouren. Ein Ofen verbrennt die Frittierabluft bei 750 Grad. Dadurch sollen giftige Schwefelwasserstoffe nicht mehr austreten und Frittiergerüche in der Umgebung verschwinden.

Ernst Roth ist aufgefallen, dass der Geruch nach Gülle (Schwefelwasserstoff) aus der Kanalisation verschwunden ist. Aber der Anwohner an der Eisenbahnstrasse, der früher schon gegen die Kadi aktiv geworden ist, riecht in seinem Quartier nach wie vor Frittieröl in der Luft. «An einem Tag war es gar nicht gut», sagt er und vermutet: Die Kadi habe wohl mehrere Frittieranlagen, wovon nur die grösste Maschine an die neue thermische Verbrennung angeschlossen sei.

Investitionen fehlen noch

Dass diese Vermutung gar nicht so abwegig ist, bestätigt Yvonne Richard, Leiterin Verkauf und Marketing bei der Kadi. Betroffen sei vor allem eine kleinere Anlage, mit der die Tiefkühlherstellerin ihre Frühlingsrollen produziert. «Hier steht eine Investition nach wie vor aus», sagt Richard. Denn die Anlage habe das Ende ihrer Lebensdauer noch nicht erreicht. An die thermische Nachverbrennung angeschlossen sei jene Linie, die Pommes frites herstelle. Weiter sagt Richard: «Wir wissen um den Umstand und sind bemüht, dieses Problem zu lösen – aber das geht leider nicht von heute auf morgen.»

Grundsätzlich sei die Kadi ein Industriebetrieb, keine Geruchsemissionen wären daher unrealistisch. Trotzdem hätten sich die Gerüche rund um die Produktion in diesem Jahr deutlich verringert, hält Richard fest. Anders als beim Schwefelwasserstoff sei es beim Frittiergeruch aber schwierig, regelmässige Kontrollen durchzuführen, fehle doch dazu eine entsprechende Messgrösse. Zudem, sagt Richard, spiele immer auch die Witterung eine nicht kontrollierbare Rolle. Genau wie das subjektive Empfinden zur Geruchsintensität. Die Kadi ist mit den betroffenen Anstössern seit längerem in Kontakt und will diesen Frühling bei einem Treffen versuchen, Unstimmigkeiten zu bereinigen. Genauso wie Gerüche in der Luft. Denn wer will schon beim Aufstehen an Frühlingsrollen denken? (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.03.2018, 06:19 Uhr

Lagerhalle geplant

Derzeit liegt auf der Stadtver­waltung ein Gesuch von der Kadi für einen Neubau auf. Dabei handelt es sich um eine Kartoffellagerhalle, die es ermöglichen soll, die Kartoffelannahme zukunftsgerichtet abzuwickeln, wie es seitens der Firma heisst. Diese Investition sei ein weiterer Zuspruch zum Produktionsstandort Langenthal und eine Weiterentwicklung der Firma. (jpw)

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