Aarwangen

Angst um die Natur im Bützbergtäli

AarwangenLandwirte aus dem Bützbergtäli wehren sich gegen die geplante Umfahrung Aarwangen. Aus ihrer Sicht würde die neue Strasse nicht nur wertvolles Kulturland zerstören, sondern auch ein ganzes Naherholungsgebiet.

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Wiesen, die in der Sonne herbstlich grün leuchten, abgeerntete Kartoffel- und Maisfelder, die auf das nächste Frühjahr warten, und Strässchen, auf denen Spaziergänger, Hunde, Biker und Jogger die frische Luft geniessen: Das Bützbergtäli zwischen Bützberg und Aarwangen ist heute ein vielfältiges Naherholungsgebiet ohne Durchgangsverkehr. «So etwas hat im Oberaargau Seltenheitswert», sagt der Bützberger Landwirt Samuel Jenzer, der im Täli Landwirtschaft betreibt.

Doch mit der Idylle könnte es in absehbarer Zeit vorbei sein. Dann nämlich, wenn im Rahmen der Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord die Variante Umfahrung realisiert werden würde. Ab dem geplanten Spichigwaldtunnel würde die neue Umfahrungsstrasse direkt ins Bützbergtäli führen und das Gebiet bis zur Einmündung in die bestehende Zürich-Bern-Strasse förmlich zerschneiden.

«Nicht mehr das Recht»

«Aus meiner Sicht haben wir in der heutigen Zeit nicht mehr das Recht, eine solche Oase zu vernichten», sagt Samuel Jenzer. Simon Rickli und das Ehepaar Eva und Stefan Fuhrimann nicken. Wie Samuel Jenzer bewirtschaften auch sie Land im betroffenen Täli und wollen sich gegen die geplante Umfahrung zur Wehr setzen.

«Wie viel Land wir durch die Strasse verlieren würden, weiss noch niemand genau», sagt Stefan Fuhrimann. Klar sei aber, dass es sich um bestes Ackerland handle, erklärt seine Frau Eva. Und nach Auskunft des Amtes für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern gebe es von solchem nicht mehr viele Reserven im Kanton.

Die Landwirte denken aber nicht nur an ihre Bauernhöfe. Das Bützbergtäli sei seit Jahren Teil des Smaragd-Gebiets Oberaargau und deshalb zusätzlich besonders erhaltenswert, sagt Eva Fuhrimann. Im Täli würden Tiere und Pflanzen leben, die es sonst kaum mehr irgendwo gebe. «Wir Landwirte sind verpflichtet, zur Natur und zu ihrer Vielfalt Sorge zu tragen, und tun dies auch gerne.»

Mit der Strasse die Industrie?

Sowohl das Ehepaar Fuhrimann wie auch Jenzer und Rickli betonen, sie verstünden sehr wohl, dass die Aarwanger mit der heutigen Situation mehr als nur unzufrieden seien und eine Lösung Not tue. «Die Umfahrung, wie sie zurzeit geplant ist, ist aber keine Lösung, mit der wir uns abfinden können», sagt Samuel Jenzer. Das Problem werde lediglich von Aarwangen nach Bützberg verlagert.

Schon heute sei die Zürich-Bern-Strasse während den Stosszeiten hoffnungslos überlastet, und es komme zu Rückstaus. «Das würde sich durch die neue Umfahrung noch verstärken, da sich der Verkehr noch mehr auf den Knotenpunkt zwischen Bützberg und Langenthal konzentrieren würde.»

Eva Fuhrimann macht zudem der geplante Anschluss an die Industrie Aarwangen Sorgen. Solche erleichterten Zufahrten wecken ihrer Meinung nach Begehrlichkeiten. Wo eine Anbindung an ein Strassennetz stattfinde, gerate das Kulturland unter Druck. «Wer garantiert uns, dass in 15 oder 20 Jahren nicht auch das restliche Landwirtschaftsland umgezont wird, damit der Bau von Industrie ermöglicht wird?» (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2015, 05:58 Uhr

Mitwirkung

Bis zum 13. November läuft zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord die öffentliche Mitwirkung. Die Unterlagen dazu sind im alten Kornhaus in Aarwangen ausgestellt. Öffnungszeiten: Montag und Freitag 9 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, Mittwoch 17 bis 20 Uhr.

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Umfahrung Oberaargau

Umfahrung Oberaargau Nach der Mitwirkung zu den Verkehrssanierungsprojekten im Emmental und Oberaargau zeigt sich, dass Umfahrungslösungen favorisiert werden.

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