Gondiswil

An der Haltestelle hält kein Zug mehr

GondiswilAuch während des Zweiten Weltkrieges wurde in Gondiswil Braunkohle abgebaut. Damit das Fotohaus Bernhardt eine Postkarte davon drucken lassen konnte, brauchte es eine Bewilligung des Bundes.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Braunkohle von Gondiswil ist gegenwärtig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden. Denn dort befanden sich in den Schichten, die im Ersten Weltkrieg abgebaut wurden, die Reste von Mammuts. Um diese wollen die Touristiker des Huttwiler Verkehrsvereins Pro Regio und der Region Oberaargau ihr Mammutland aufbauen.

Die Postkarte vom «Braunkohlenwerk Gondiswil» stammt allerdings nicht aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, sondern aus der des Zweiten. Das verrät ein Aufdruck auf der Rückseite der Karte, gemäss dem diese zu einem nicht sicher entzifferbaren Datum des Jahres 1940 gemäss Bundesratsbeschluss vom 3. Oktober 1939 bewilligt wurde.

Grubenbahn

Die Aufnahme des Huttwiler Fotohauses Bernhardt zeigt beidseits der Strasse von der Haltestelle Richtung Dorf grossflächige Gruben, aus denen die Kohle gewonnen wurde. Abtransportiert wurde diese mit einer Grubenbahn, die in einem Bogen auf eine Rampe an den ­Geleisen der Huttwil-Wolhusen-Bahn geführt wurde. Eine vergleichbare Bahnrampe ist aus dem Ersten Weltkrieg bekannt, als der Gondiswiler Fotograf Johann Schär den Bergbau minutiös dokumentierte. Damals wurden die Loren noch von Pferden gezogen.

Doch weshalb brauchte es für den Druck einer Postkarte eine behördliche Bewilligung? Am 1. September 1939 war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen. Bereits einen Tag zuvor hatte der Bundesrat einen Beschluss gefasst, um Massnahmen zum Schutz des Landes und zur Aufrecherhaltung der Neutralität ergreifen zu können. Am 21. November 1939 erstattete er der Bundesversammlung einen ersten Bericht, wie er diese Vollmacht konkretisiert hatte.

Ausser Landes verschoben

In diesem Bericht wird auch der Bundesratbeschluss vom 3. Oktober erwähnt. Die Landesregierung verbot damit die Ausfuhr von Karten, Plänen und anderen Geländedarstellungen. Zudem unterstellte sie den Vertrieb im Inland einer Bewilligungspflicht. Sie wollte damit einerseits sicherstellen, dass die Armee mit genügend Kartenmaterial versorgt werden konnte, aber auch verhindern, dass Kartenmaterial «zusammengekauft und ausser Landes verschoben wurde, wie das nach gewissen Anzeichen offenbar beabsichtigt und bereits ins Werk gesetzt worden war», wie es heisst. Der Bundesrat wollte damit Spionage verhindern.

Nach dem Krieg war der Abbau einheimischer Braunkohle wirtschaftlich wieder nicht mehr interessant. Die Gruben bei Gondiswil verschwanden deshalb. Mit Neubauten sowohl auf der Gondiswiler wie auch auf der Ufhuser Seite der Bahnlinie hat sich die Haltestelle dafür zu einem Gewerbe- und Industriegebiet entwickelt. Ein Zug hält dort allerdings nicht mehr. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 26.02.2018, 06:10 Uhr

Zeit im Bild

In einer losen Serie stellen wir historische Foto­grafien Aufnahmen von heute gegenüber. Besitzen auch Sie ein altes Bild aus dem Ober­aargau? Dann senden Sie uns eine Kopie davon. Die für eine Gegenüberstellung ge­eigneten Bilder wählen wir aus. Schreiben Sie uns: langenthalertagblatt@berner­zeitung.ch oder BZ Langenthaler Tagblatt, Jurastrasse 15, 4900 Langenthal.

Artikel zum Thema

Die Holzbrücke hielt jedem Hochwasser stand

Lützelflüh Mehr als 300 Jahre lang stellte sie sich Wind und Wetter entgegen und hielt jedem wilden Wasser stand: die Emmenbrücke. Auch 100 Jahren nach ihrem Abbruch findet sich noch ein Originalteil im Gotthelf-Dorf. Mehr...

Revolutionäre Nächte

Trachselwald Im Gast­hof Tanne in Trachselwald wurde Schweizer ­Geschichte geschrieben. Seit 2014 steht die Beiz leer. Eigentümer Daniel Luginbühl glaubt nicht, dass hier nochmals gewirtet wird. Mehr...

Als die Kunden noch Insassen waren

Wiedlisbach Die ehemalige Armenverpflegungsanstalt Dettenbühl hat sich in ihrem über 120-jährigen Bestehen stark gewandelt. Und dem heutigen Pflegeheim stehen auch in Zukunft noch grosse Veränderungen bevor. Mehr...

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Kommentare

Blogs

History Reloaded Es geht um Respect, Mann!

Sweet Home Es bleibt noch eine Weile grün

Die Welt in Bildern

Dicht an dicht: Was aussieht wie die Nahaufnahme eines Blütenstandes sind tatsächlich Rasierpinsel.Sie stehen bei einem Pinselhersteller im bayerischen Bechhofen. (25. September 2018)
(Bild: Daniel Karmann/dpa) Mehr...