Alle ins gleiche Boot holen

Das vor zwei Jahren in Auftrag gegebene Meliorationsvorprojekt kann Anfang 2018 in Thörigen eingesehen werden. Die betroffenen Landeigentümer werden im kommenden Februar informiert.

Das Wegnetz, kleine Bäche und Entwässerungsanlagen sollen erneuert, neu erstellt oder revitalisiert werden: Dieser Perimeterplan liegt 2018 öffentlich auf.

Das Wegnetz, kleine Bäche und Entwässerungsanlagen sollen erneuert, neu erstellt oder revitalisiert werden: Dieser Perimeterplan liegt 2018 öffentlich auf.

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Die Altache ist ein Unikum. Sie fliesst das breitsohlige Tal Bettenhausen-Thörigen-Bleienbach-Langenthal nicht hinab, sondern hinauf, allerdings mit einem minimalen Gefälle. Deshalb treten Hochwasser regelmässig auf.

In den letzten Jahren haben zudem die Biberaktivitäten entlang des Baches zugenommen. Die durch die Nagetiere errichteten Dämme führen zu Rückstaus in Drainagen und zur Überflutung von landwirtschaftlichen Flächen.

Um Lösungsansätze zu entwickeln, erarbeitete die Geobau Ingenieure AG aus Münsingen im Auftrag des kantonalen Renaturierungsfonds im Jahr 2013 eine Vorstudie.

Diese zeigt auf, dass eine Lösung erzielt werden könnte, indem das Querprofil des Baches baulich angepasst und das Gerinne lokal verlegt würde. Die im Rahmen der Revitalisierung ausgeschiedenen Gewässerräume würden die Probleme mit den Biberhöhlen entschärfen. Unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit schlug die Studie eine Gesamtmelioration als optimale Lösung vor.

Ein Jahrhundertwerk

Auf der Basis dieser Vorstudie beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bleienbach, Thörigen und Bettenhausen im Jahr 2015, ein Vorprojekt für die Durchführung einer Gesamtmelioration in Auftrag zu geben.

Ein angrenzendes Gebiet der Gemeinde Rütschelen wurde in das Vorhaben einbezogen, sodass das Meliorationsgebiet nun 804 Hektaren von insgesamt rund 400 Grundeigentümern umfasst. Die Gesamtmelioration hat den ­Vorteil, dass gleichzeitig mehrere landwirtschaftliche Strukturprobleme gelöst werden können.

Das nun vorliegende Vorprojekt sieht vor, eine Güterzusammenlegung durchzuführen. Bezweckt wird vor allem, die Anzahl der Parzellen zu vermindern. Aber auch das Wegnetz, kleine Bäche und Entwässerungsanlagen sollen erneuert, neu erstellt oder revitalisiert werden.

Die Güterzusammenlegung bringt ökonomische Vorteile für die Landwirtschaft. Natürlich müssen bei einem Bodenverbesserungswerk aber auch ökologische Anliegen berücksichtigt werden.

Bund und Kanton helfen

Während der Ausbau der Altache in die Kompetenz des Tiefbauamtes des Kantons Bern und der beteiligten Gemeinden fällt, ist die Gesamtmelioration Sache der Landeigentümer. Das Verfahren ist im Ablauf klar geregelt und stellt somit kein Abenteuer für Eigentümer und Bewirtschafter dar. Sie erhalten immer wieder die Möglichkeit zur Mit- und Einsprache.

Die Vorstudie rechnet mit Kosten von 17 bis 18 Millionen Franken. Mindestens zwei Drittel tragen Bund und Kanton, die Restsumme übernehmen Eigentümer und Gemeinden zu gleichen Teilen. Selbstverständlich müssen die Gemeindeversammlungen zu gegebener Zeit den betreffenden Krediten noch zustimmen. Die Eigentümerbeiträge werden nach dem Vorteilsprinzip berechnet und verteilen sich auf 10 bis 15 Jahre.

Präsentation des Vorprojekts

Vom 5. Februar bis zum 7. März 2018 liegen der provisorische Perimeterplan und das Eigentümer- und Flächenverzeichnis bei der Gemeindeverwaltung Thörigen öffentlich auf. Zudem findet am 12. Februar 2018 in Thörigen eine öffentliche Orientierungsversammlung mit Fragerunde statt.

Wann die Gründungsversammlung der Bodenverbesserungs­genossenschaft Bettenhausen-Thörigen-Bleienbach stattfinden kann, ist noch offen. «Wenn nicht zu viele und zu komplexe Einsprachen eingehen, könnte dies Ende 2018 der Fall sein», sagt Urs Zumstein, Gemeindepräsident von Bettenhausen. Doch unter Umständen dauere es länger. «Es muss ja das Ziel sein, alle Landeigentümer ins Boot zu holen.»

Mehrheit muss sich beteiligen

Die Bodenverbesserungsgenossenschaft kommt dann zustande, wenn die Mehrheit der Grundbesitzenden mit insgesamt mehr als der Hälfte der beteiligten Flächen zustimmt. Vonseiten der Landwirte tönt es optimistisch.

«Die Gesamtme­lioration bringt  der Landwirtschaft Vorteile.»Andreas Schaad, Gemeinderat

«Die Gesamtmelioration bringt der Landwirtschaft Vorteile, indem sie zukunftsorientierte Strukturen schafft», sagt Andreas Schaad, Landwirt und Gemein­derat aus Bettenhausen. Seiner Meinung nach stehen seine Berufskollegen dem Vorhaben mehrheitlich positiv gegenüber. Bei einer Meliorationsfläche von gegen 1000 Hektaren wird das Werk erst 10 bis 15 Jahren nach Beginn vollendet sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.12.2017, 07:18 Uhr

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