50-jähriges Bestehen der Heilpädagogische Schule Oberaargau

Langenthal

Die Heilpädagogische Schule Oberaargau feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Für Schulleiter Dieter Grenacher ist klar: Positive Änderungen stehen an.

Seit bald dreissig Jahren im Einsatz: Der Schulleiter Dieter Grenacher hat die Entwicklung der HPS mitgeprägt.

Seit bald dreissig Jahren im Einsatz: Der Schulleiter Dieter Grenacher hat die Entwicklung der HPS mitgeprägt.

(Bild: Thomas Peter)

Giannis Mavris

Schülerinnen und Schüler, die aufgrund einer Beeinträchtigung dem normalen Unterricht nicht folgen können, bedürfen einer besonderen Schulung. Diese finden sie an der Heilpädagogischen Schule Oberaargau, wo indivi­duelle Förderung und spezielle Therapien, gepaart mit kleinen Klassen und enger Betreuung, den Rahmen für eine individuelle Entwicklung bilden.

Momentan werden in Huttwil 28, in Langenthal 84 Kinder aus dem Oberaargau und einigen Emmentaler Gemeinden in rund zehn Fächern unterrichtet.Was heutzutage normal erscheint, war bis vor fünfzig Jahren allerdings nicht selbstverständlich. Erst seit 1968, mit der zweiten IV-Revision, gelten alle Kinder als bildungsfähig.

Damit erhielten Menschen mit Behinderungen zum ersten Mal ein gesetzlich verankertes Recht auf Bildung und Schulung, wie Dieter Grenacher, Schulleiter der HPS Oberaargau, ausführt.

«Gewaltige Entwicklung»

Die Stiftung der HPS Oberaargau wurde 1968, vier Jahre nach der Eröffnung einer «Sonderschulklasse für praktisch bildungsfähige Kinder», gegründet, wo Kinder in Kleinklassen aufgenommen wurden, die bis dato gar nicht in die Schule gingen. «Rückblickend eine gewaltige Entwicklung», sagt Grenacher.

Seither ist die Schule konti­nuierlich gewachsen. Im Jahr 2010 folgte der neue Standort an der Schorenstrasse in Langenthal, drei Jahre später die Fusion mit der HPS Huttwil, die 1975 gegründet wurde. Zuvor war die Schule an der Ringstrasse, wo aber die Anlagen mit der Zeit nicht mehr ausreichten.

Wieso der Bedarf an Sonderschulbildung dermassen wuchs, ist eine Frage, die selbst Grenacher nicht beantworten kann. Das Bevölkerungswachstum spiele zwar eine Rolle. Wieso aber trotz integrativer Schulförderung und entsprechenden Massnahmen mehr Kinder das Angebot der HPS in Anspruch nehmen, sei ein Umstand, bei dem noch Klärungsbedarf bestehe, so Grenacher.

Ein Meilenstein

Der ausgebildete Feinmechaniker entschied sich nach einem Praktikum für eine Weiterbildung zum Lehrer für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Ab 1989 war Grenacher als Lehrer in Huttwil tätig. Nach der Fusion stiess er in die Schulleitung, seit Sommer 2016 hat er die Gesamtschulleitung inne.

Für ihn ist die Ausrichtung der Schule seit je klar: näher an die Volksschule. Heilpädagogische Schulen sind heute der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion unterstellt, ein Schulwechsel an die HPS bedingt die offizielle Ausschulung aus der Volksschule. «Eine bedauerliche Geschichte», sagt Grenacher, denn damit geht die Verantwortung, einen angemessenen Schulplatz für die Kinder zu finden, auf die Eltern über.

Demnächst wird dieser Umstand wegfallen: Voraussichtlich auf das Schuljahr 2021/2022 erfolgt der Wechsel zur Erziehungsdirektion – ein Meilenstein, wie Grenacher sagt. «Damit sind wir ein grosses Stück näher an der Volksschule.» Das sei ein überfälliger Entscheid: «Wir sind ein Teil des kantonalen Bildungssystems. Unter diesem Aspekt ist der Direktionswechsel logisch und konsequent», so Grenacher.

Zusammenarbeit vertiefen

Die Annäherung an die Volksschule erfolgt seit dem bewussten Umzug in die Nähe des Schulareals Kreuzfeld nicht nur räumlich. «Auf Schulleitungsebene sind wir in Kontakt und suchen Wege, die Zusammenarbeit zu vertiefen», so Grenacher.

Der ­Direktionswechsel kommt dem entgegen, ebenso die Einführung des Lehrplans 21, der auch für die HPS obligatorisch sein wird: «Im Moment werden noch die Grundlagen erarbeitet.»

Infrastrukturell ist in Langenthal nichts geplant, man sei gut abgedeckt. «Wir konnten dieses Jahr eine zwölfte Klasse eröffnen, damit ist auch das letzte Klassenzimmer besetzt worden.» In Huttwil besteht die Absicht, zusammen mit der Volksschule ein heilpädagogisches Kompetenzzentrum zu entwickeln – ein weiterer Schritt der Annäherung.

Dazu wird bis Ende Jahr ein Grobkonzept erarbeitet, welches den verschiedenen Entscheidungsträgern als Grundlage dienen wird. Spielfest:am Samstag ab 13 Uhr an der Schorenstrasse 19.

Langenthaler Tagblatt

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