30'000 Quadratmeter wechseln den Besitzer

Langenthal

Der Vorvertrag ist unterschrieben, nächstes Jahr geht das Langenthaler Porzi-Areal in den Besitz der Ducksch & Anliker-Gruppe über. Sie wolle das Gebiet in enger Zusammenar­beit mit der Stadt entwickeln, sagt Unternehmer Stephan Anliker.

Das Industrieareal im Süden der Stadt ist in neuen Händen – zumindest der grösste Teil ­davon. Nicht zur grössten Parzelle gehören die ­Gebäude im rechten Drittel dieser ­Aufnahme sowie die Gebäude links der ­Ofenhalle.

Das Industrieareal im Süden der Stadt ist in neuen Händen – zumindest der grösste Teil ­davon. Nicht zur grössten Parzelle gehören die ­Gebäude im rechten Drittel dieser ­Aufnahme sowie die Gebäude links der ­Ofenhalle.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

Die Meldung ist kurz und bündig. Die ABB Baugroup habe sich über einen Vorvertrag die Rechte zum Kauf der zentralen Teile des Porzi-Areals gesichert, teilt die Ducksch&Anliker-Gruppe mit. Es handelt sich dabei um drei Parzellen: allen voran die grösste, auf der unter anderem das Fabrikhauptgebäude und die Ofenhalle stehen.

Dann die Zufahrt von der Bleienbachstrasse her, die zum Dance Center Langenthal führt (dieses selbst steht auf einer eigenen Parzelle).Und schliesslich gehört dazu auch eine Miniparzelle direkt an den Geleisen des Südbahnhofs, die heute mit zwei Tanks bestückt ist. So ist es auf dem Plan ersichtlich, der dem Schreiben an Anstösser, Mieter und andere beiliegt.

Verkäuferin der rund 30'000 Quadratmeter grossen Industriefläche ist die aktuelle Eigentümerin, die Immobilien Development & Consulting GmbH mit Sitz in Langenthal. Der definitive Kaufvertrag soll nächstes Jahr unterzeichnet werden. Die Verhandlungen hätten lange gedauert, bestätigt Stephan Anliker: rund zwei Jahre.

Nicht weil man sich nicht einig gewesen sei, sondern vielmehr wegen der komplexen rechtlichen Lage. «Ausserdem», sagt der Architekt und Mehrheitseigner der Ducksch & Anliker-Gruppe, «sind wir ja nicht unter Zeitdruck gestanden.»

Affinität und Kenntnis

«Wir haben das Areal gekauft, weil es in Langenthal ist, wir es beurteilen können und eine Affinität dazu haben», sagt Anliker. Darin, also in der Person des prägenden Langenthaler Architekten, sieht Stadtbaumeister Enrico Slongo einen Vorteil: Als Langenthaler hat er einen Bezug zur Geschichte und zum Vermächtnis der Porzellanindustrie. Stadt und Investor hätten gleichermassen ein Interesse daran, dass aus der Arbeitszone eine Mischzone entsteht.

Eine Mischnutzung ist gefragt

Auf dem Porzi-Areal sieht Anliker eine gemischte Nutzung, wie sie die Stadt im Siedlungsrichtplan für diesen sogenannten Hotspot definiert hat: Wohnen, Dienstleistungen und Gewerbe, sodass im Süden der Stadt eine Entwicklung stattfinden kann. Die städtischen Prioritäten sind definiert: Entwicklung vorab am Bahnhof, auf dem Porzi- und dem Markhallenareal. Ende Jahr wird der Gemeinderat den Siedlungsrichtplan verabschieden, der Kanton im März nächsten Jahres.

Eine Überbauung des Areals müsse zur Stadt passen und eine Aufwertung bedeuten, sagt Stephan Anliker. «Wir wollen im Sinne und Geist der Stadtentwicklung an diesem Ort die nächste Epoche entwickeln.» Dabei gelte es Bestehendes und Neues zu kombinieren. «Für uns als Architekten ist das etwas sehr Schönes.» Darin, dass Gebäude wie die Ofenhalle unter Denkmalschutz stehen, sieht er keinen Nachteil. «Sie statten das Areal mit Identität aus.»

Planungszeit: Einige Jahre

Mit Veranstaltungen für Mieter und Anstösser will Anliker gegen die Unsicherheit angehen, die sich unter den unzähligen Nutzern der verwinkelten Porzi-Haupt- und -Nebengebäude breitgemacht hat. «Im Rahmen dieser Entwicklung gibt es Veränderungen», sagt er. «Ziel ist eine Verbesserung im Rahmen des Gesamten.»

Sicher ist: An den aktuellen Verhältnissen wird sich so schnell nichts ändern. «Die Planungszeit wird einige Jahre beanspruchen», so steht es im Schreiben. Entsprechend werde sich auf dem Areal, mit Ausnahme von Unterhaltsarbeiten, baulich in dieser Zeit nichts ändern. Die bestehenden Mietverträge sollen nicht tangiert werden. Die Verwaltung obliegt weiterhin der Rieder Immobilien AG.

Testplanung steht am Anfang

Mit einem Investor zusammen das Areal beplanen, sagt Stadtbaumeister Enrico Slongo, das bedeute ein Planungsverfahren. Angefangen bei einer Testplanung unter möglichem Einbezug von künftigen und bestehenden Nutzern sowie Nachbarn gelte es herauszufinden, was auf dem Gebiet möglich sei. Ziel sei eine ­Vision. Davon ausgehend wäre es möglich, Teile der städtischen Überbauung in einem Projektwettbewerb zu vertiefen. Andere Teile sind in Absprache mit der Denkmalpflege einer Sanierung zu unterziehen.

Slongo rechnet aufgrund von Erfahrungswerten bei anderen Planungen allein mit rund eineinhalb Jahren bis zum Abschluss einer Testplanung. Das würde bedeuten, dass ungefähr im Sommer 2018 feststeht, was auf dem Porziareal möglich ist – und was nicht. Allenfalls auch in Varianten.

Anliker spricht von vier bis fünf Jahren bis zu einer ersten Umsetzung. Eine Etappierung liegt bei einem Gebiet dieser Grösse auf der Hand.

Momentan hätten alle Ideen Platz, sagt Stephan Anliker. Er könne nur nicht sagen, ob sie auch möglich seien. Enrico Slongo seinerseits wünscht sich «ein Stück Stadtquartier, das die Identität integriert, ergänzt mit Neubauten».

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