2,5 Millionen für eine neue Hütte ob Zermatt

Niederbipp

Der SAC Oberaargau will die baufällige Rothornhütte im Wallis nicht sanieren, sondern durch einen Neubau ersetzen. Die Finanzierung ist noch offen.

Die baufällige Rothornhütte ob Zermatt gehört dem SAC Oberaargau. Sie soll nicht mehr saniert, sondern durch einen Neubau ersetzt werden.

Die baufällige Rothornhütte ob Zermatt gehört dem SAC Oberaargau. Sie soll nicht mehr saniert, sondern durch einen Neubau ersetzt werden.

(Bild: zvg)

Dominic Ramel

Ein Sanierungsfall ist die oberhalb von Zermatt gelegene Rothornhütte. Jetzt hat der SAC Oberaargau entschieden, die Hütte nicht zu sanieren, sondern in der Nähe eine neue zu bauen. Die Generalversammlung hat am Freitagabend in Niederbipp 70 000 Franken gesprochen, um das Projekt inklusive Baubewilligung auszuarbeiten.

Der Entscheid fiel mit 87 gegen 4 Stimmen klar. Gebaut werden soll aber erst, wenn die Finanzierung steht. Und diese wird für die Oberaargauer Sektion des Schweizer Alpen-Clubs zur Herausforderung. Die neue Hütte mit 50 Schlafplätzen wird rund 2,5 Millionen Franken kosten.

Immerhin will die SAC-Zentrale den Bau mit rund einer halben Million Franken unterstützen. Mehr als 2 Millionen Franken sind für die Sektion mit ihren 1035 Mitgliedern auch kaum finanzierbar, wie die Verantwortlichen bereits vor einem Jahr sagten. Das Vereinsvermögen beträgt 60 540 Franken. Im Hüttenfonds für die Rothornhütte befinden sich 89 711 Franken.

Erst 2010 hat der SAC Oberaargau seine zweite Hütte, die Dossenhütte im Berner Oberland, für 995 000 Franken um- und ausgebaut. Die Hypothek über 80 000 Franken wird diesen Sommer abbezahlt sein. Der Hüttenbatzen von 20 Franken, der zur Finanzierung dieses Projekts zusätzlich zum Mitgliederbeitrag erhoben wurde, wird beibehalten – jetzt einfach für das Projekt Neubau Rothornhütte.

Sanierung ist keine Alternative

Offene Fragen gibt es zudem zum Rückbau der alten Hütte und dessen Kosten sowie zum notwendigen Landabtausch vom alten zum neuen Standort.

Trotzdem haben sich die Oberaargauer SAC-Mitglieder klar für die Variante Neubau ausgesprochen. Denn die andere Variante – die Stabilisierung, Sanierung und Erweiterung der bestehenden Hütte – ist keine echte Alternative. Sie wäre mit rund 3,2 Millionen Franken nicht nur teurer, sondern auch mit grossen Unsicherheiten behaftet. Niemand weiss, wie aufwendig – und somit wie teuer – die Stabilisierungsmassnahmen wirklich ausfielen und ob sich die Hütte danach tatsächlich stillhalten würde. Denn es ist unklar, in welcher Tiefe sicherer Fels vorhanden ist.

Zugbänder und Plumpsklo

Die Hütte ist in desolatem Zustand. Sie steht auf schlechtem Grund und auftauendem Permafrost; die Fassade hat Risse, es braucht Zugbänder; das Dach ist undicht; innen ist es feucht, eine Heizung fehlt; die Fäkalien gelangen vom Plumpsklo ungereinigt in die Umwelt.

Die neue Hütte soll auf einem Felssporn unterhalb des heutigen Standorts gebaut werden. Planung und Baubewilligung sind in diesem und im nächsten Jahr vorgesehen, sodass der Neubau 2018/2019 realisiert werden kann.

Federführend ist das Zermatter Architekturbüro Arnold Perren Zurniwen GmbH. Dieses hat Erfahrung mit solchen Bauten (Monte-Rosa- und Hörnlihütte). Architekt Hans Zurniwen ist der Bruder von Hüttenwartin Stephanie Zurniwen. Schon ihr Vater war Hüttenwart der Rothornhütte.

Das Legat der Familie Gugelmann

Diese liegt auf 3198 Meter über Meer und ist Ausgangspunkt für Zinalrothorn, Obergabelhorn und andere Gipfel. Die Saison ist kurz: Im letzten Jahr war die Hütte mit 68 Plätzen vom 6. Juli bis zum 16. September bewartet. In diesen 73 Tagen wurden 1253 (Vorjahr: 447) Übernachtungen gezählt.

Es resultierte ein Gewinn von 8016 Franken, nach einem Verlust von 1420 Franken im Vorjahr. Die Hütte wurde 1948 im Gedenken an den 1947 in der Nähe in einem Schneebrett verstorbenen Rudolf Gugelmann gebaut – mit einem Legat von 120 000 Franken der Langenthaler Industriellenfamilie.

Berner Zeitung

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