Sumiswald

1500 Käselaibe schlecht geworden

Sumiswald Die Dorfkäserei und der Betreiber eines Käselagers trafen sich vor dem Handelsgericht, nachdem 1500 ­Käselaibe im Lager schlecht geworden waren. Die Käserei bekam recht und Schadenersatz. Trotzdem fehlt ihr Geld.

Eine Zeit lang konnten die Sumiswalder nicht mehr stolz sein auf ihren Nonnenstolz. Qualitätsprobleme führten vors Handelsgericht.

Eine Zeit lang konnten die Sumiswalder nicht mehr stolz sein auf ihren Nonnenstolz. Qualitätsprobleme führten vors Handelsgericht. Bild: Thomas Peter

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Damit, eine bestimmte Menge Milch zu einem Käselaib zu verarbeiten, ist es nicht getan. Zur Kunst des Käsens gehört auch der Reifeprozess. Erst wenn die Laibe in einem bestimmten Klima ­lagern, entwickeln sie das gewünschte Aroma. Dass Niklaus Käser von der Dorfkäserei Sumiswald AG diese Kunst beherrscht, ist bekannt.

An den World Cheese Awards in Birmingham hat er 2012 für seinen Nonnenstolz die Goldmedaille gewonnen. Doch genau dieser Käse ist nun schuld daran, dass die Dorfkäserei Sumiswald AG ihren Neubau nicht ohne finanzielle Sorgen wird feiern können. Am Tag der offenen Tür vom 22. April wollen die Verantwortlichen Flyer auflegen und die Besucher zum Kauf von Aktien motivieren.

Die AG muss ihr Aktienkapital um 100 000 bis 200 000 Franken erhöhen, sonst wird sie nicht alle offenen Rechnungen begleichen können. «Wir gerieten in einen Liquiditätsengpass», lässt sich Verwaltungsratspräsident Hans Haslebacher in der «Wochenzeitung für das Emmental und Entlebuch» zitieren.

1500 Laibe wurden schlecht

Die Zeitung berichtet in ihrer gestrigen Ausgabe über ein Debakel mit dem Nonnenstolz. Nicht in der Käserei sei die Panne passiert, sondern in einem externen Reifungslager. Weil der Platz in der Dorfkäserei im Frühling 2014 zu knapp wurde, liess der Käser sein Produkt im Lager eines Berufskollegen ausreifen.

Zuerst sei alles normal gelaufen, doch dann sei die Feuchtigkeit im Keller kontinuierlich gestiegen, sagt Haslebacher. Im November 2014 habe sich gezeigt, dass von rund 3000 Laiben mehr als die Hälfte schlecht geworden sei. Sie hätten nur noch als Schmelzkäse verkauft werden können. Die Käserei erlitt einen Verlust von 75 bis 80 Prozent.

130 000 Franken

Jetzt muss der Betreiber des Käsereifungslagers einen Schadenersatz von 130 000 Franken bezahlen. Denn laut Haslebacher sei er Anfang März vom Handelsgericht schuldig gesprochen worden. Den Betrag haben die beiden Parteien in einem Vergleich ausgehandelt. Vergeblich hatten sie vorgängig versucht, sich aussergerichtlich zu einigen.

Bislang sei es unter Berufskollegen üblich gewesen, solche Angelegenheiten gemeinsam zu lösen, sagt der Lagerbetreiber. Aber die Verantwortlichen der Sumiswalder Dorfkäserei hätten nicht reagiert, als er sie mündlich auf die Qualitätsprobleme hingewiesen habe.

Wenn sie schon der Ansicht seien, die Fehler seien bei ihm passiert, hätten sie die Laibe doch abholen und anderweitig lagern können, sagt er gegenüber dieser Zeitung. Stattdessen hätten sie noch weitere gebracht. Heute bereut der Käser, dass er «nicht jedes Mal einen eingeschriebenen Brief geschickt» habe. Somit hätten seine Aussagen vor Gericht wenig gezählt.

Noch ist offen, ob er die 130 000 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen muss. Die Haftpflichtversicherung schliesse Schäden an fremden Käsen aus. «Wenn sie trotzdem etwas bezahlen würde, dann nur aus Goodwill», sagt der Käser, der diesbezüglich die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat.

Vertrauen verloren

Wenn es auch viel Geld ist, das der Käser nach Sumiswald schicken muss, vermag der Betrag die finanziellen Probleme, die dort entstanden sind, doch nicht zu lösen. Der Schaden der Dorfkäserei Sumiswald AG sei zwei- bis dreimal grösser, sagt Verwaltungsratspräsident Hans Haslebacher gegenüber dieser Zeitung.

Er beklagt einen nicht bezifferbaren Vertrauensverlust und einen Umsatzrückgang. Inzwischen sei die Talsohle allerdings durchschritten, die Qualität stimme wieder, das Geschäft mit dem Nonnenstolz ziehe wieder an. Gelagert werden die Käse jetzt im Käsereifungslager in Schangnau.

Das wird auch so bleiben, wenn die Dorfkäserei Sumiswald AG ihren Neubau Anfang Mai in Betrieb nehmen wird. Denn die Halbhartkäse werden nur in den ersten vier Wochen in Sumiswald bleiben. Doch jetzt sind die Verantwortlichkeiten offenbar klarer geregelt. Der Vertrag mit dem vorherigen Lagerbetreiber sei nicht so detailliert gewesen, «was im Nachhinein betrachtet sicher ein Fehler war», sagte Haslebacher gegenüber der «Wochenzeitung».

Bis Ostermontag werde in Sumiswald noch in der alten Käserei Milch verarbeitet, in der ersten Maihälfte starte dann die Käseproduktion im Neubau, verrät der Verwaltungsratspräsident. Am 22. April kann er besichtigt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.04.2017, 17:52 Uhr

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