136 Millionen für eine Umfahrung

Aarwangen/Langenthal

Im Frühling 2016 entscheidet der Regierungsrat, ob das Verkehrsproblem in Aarwangen mit einer 136 Millionen Franken teuren Umfahrung gelöst werden soll oder mit einer Optimierung der Ortsdurchfahrt für 44 Millionen.

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Kathrin Holzer

Von einem «wichtigen Meilenstein nach Jahren der Studien, Analysen und politischer Überzeugungsarbeit» sprach Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP). Für 2,1 Millionen Franken respektive 3,6 Millionen im Emmental sind in den vergangenen drei Jahren jeweils zwei Varianten ausgearbeitet worden, welche die Verkehrssituation in den Gebieten Aarwangen-Langenthal Nord und Burgdorf-Oberburg-Hasle verbessern könnten. Mit jeweils einer Umfahrungsstrasse sowie einer blossen Optimierung der Ortsdurchfahrten lägen nun endlich konkrete und tatsächlich umsetzbare Projekte vor, so die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin. Zugleich sei inzwischen mit der Reservierung von Mitteln aus dem Investitionsspitzenfonds und mit der signalisierten Unterstützung von Bundesmitteln auch die Finanzierung «grundsätzlich machbar».

Voller Zuversicht präsentierte Barbara Egger am Dienstag folglich die Ergebnisse der Vorprojekte – und gab gleichzeitig den Startschuss für die öffentliche Mitwirkung zu den beiden Verkehrssanierungen. Die Mitwirkung werde die Grundlage bilden für den Variantenentscheid des Regierungsrates im kommenden Frühling.

Entsprechend wichtig sei es, dass alle Interessierten und Betroffenen die Gelegenheit nutzen und sich einbringen würden. Bis zum 13.November kann das Mitwirkungsdossier zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord im Rahmen einer umfassenden Ausstellung nun im Aarwanger Whisky House eingesehen werden.

Zwei «taugliche» Lösungen

Wer befürchtet hatte, die Variante Umfahrung werde im Rahmen des Vorprojekts favorisiert, wird eines Besseren belehrt: «Grundsätzlich sind beide Varianten taugliche Lösungsansätze», so die Regierungsrätin. Beide Varianten führten, wenngleich in unterschiedlichem Ausmass, zu einer Verflüssigung des Individualverkehrs sowie zu Verbesserungen auch beim öffentlichen und beim Langsamverkehr. «Die positiven Auswirkungen der beiden Varianten liegen aber in unterschiedlichen Bereichen.»

«Die Variante Umfahrung generiert einen grossen Teil ihres Nutzens aus der Entlastung des bestehenden Strassennetzes und aus der höheren Geschwindigkeit und Sicherheit auf der Umfahrungsstrasse», rückte Kreisoberingenieur Roger Schibler den volkswirtschaftlichen Nutzen einer neuen Strasse ins Feld, der deren Kosten wieder aufwiege. Im geringeren finanziellen Mittelbedarf, aber auch in der Schonung der Umwelt liege indes der klare Vorteil der Variante Null+.

Bahnausbau schafft Platz

Die Umfahrungsstrasse würde Lastwagen und Autos auf einer Strecke von 3,6 Kilometern um Aarwangen herum lenken. Ab der Kantonsstrasse nordwestlich des Klebenhofes würde die Strasse über eine neue Aarebrücke zum Spichigwald führen, durch einen 500 Meter langen Tunnel weiter auf die Bützbergstrasse und schliesslich in einem neuen Kreisel auf die Bern-Zürich-Strasse in Bützberg. Die Industriegebiete Hard in Aarwangen und Hard in Bützberg würden durch einen weiteren neuen Kreisel respektive über die Hardstrasse an die Umfahrung angeschlossen.

Gleichzeitig würden aber auch auf der Ortsdurchfahrt durch Aarwangen Massnahmen dafür ergriffen, bestehende Defizite zu beheben – und den Schwer- und Transitverkehr überhaupt in die gewünschten neuen Bahnen zu lenken. Und primär der Ausbau der Bahnanlage auf zwei Gleise im Ortszentrum – die heute separat neben der Strasse geführte Bahn könnte so gemeinsam mit dem motorisierten Verkehr in zwei Richtungen verkehren – würde mehr Platz schaffen für den Langsamverkehr.

Der Ausbau der Bahnlinie auf zwei Spuren bildet auch einen zentralen Bestandteil der Variante Null+: Um den Verkehrsfluss zu verbessern und den Langsamverkehr zu sichern, würde die Bahnlinie ohne zusätzliche Umfahrung ab dem Bahnhof gar bis hinauf zur Mittelstrasse kurz vor dem Dorfausgang auf zwei Spuren ausgebaut. Es würden Querungshilfen für Fussgänger installiert, teils gar beidseitig Radstreifen eingerichtet, und die Verkehrsknoten bei der Schwarzhäusernstrasse, im Zentrum sowie beim Kreisverkehr Hard in Langenthal würden mit Ampeln versehen.

Günstiger als erwartet

Während die Varianten im Emmental mit 144 (Null+) und 647 Millionen Franken (Umfahrung) teurer als erwartet veranschlagt sind, würde eine Umfahrung im Oberaargau voraussichtlich «nur» rund 136 Millionen Franken kosten, die Variante Null+ gar nur 44 Millionen. Das ist günstiger als bei der Zweckmässigkeitsbeurteilung vor acht Jahren erwartet, als man für den Bau einer Umfahrung noch mit rund 170 Millionen Franken rechnete. Vor allem der Wegfall eines zweiten Tunnels beim Klebenhof – die Umfahrung würde die Aarwangenstrasse und die Bahnlinie nun in einem Einschnitt unterqueren – habe beigetragen zur Kostenreduktion, erklärte Schibler.

«Welche Variante erachten Sie als die richtige Lösung?», so lautet auf den vorgedruckten Mitwirkungsbögen die zentrale Frage, die sich jetzt auch die Bevölkerung stellen muss.

Lesen Sie auch den Kommentar von Dominic Ramel, Redaktionsleiter Langenthaler Tagblatt, zum Thema.

Berner Zeitung

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