1000 Forellen mit Zement vergiftet

Vor 20 Jahren

Mitte Oktober 1998 verendeten in Leimiswil an die 1000 Forellen. Später fand man heraus, dass die Fische durch Zementrückstände im Wasser getötet wurden.

Im Herbst 1998 gab es im Oberaargau mehrere Fischsterben. (Symbolbild)

Im Herbst 1998 gab es im Oberaargau mehrere Fischsterben. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Sebastian Weber

Am 14. Oktober 1998 war in dieser Zeitung zu lesen: «Fischsterben im ‹Leimiswiler Bächli›».

Es war ein trauriger Anblick, der sich damals bot: Am Wochenende davor waren in der Oberaargauer Gemeinde mindestens 500 Fische verendet. Später wurde bekannt, dass wohl an die 1000 Forellen betroffen waren. Allein am Samstag waren 340 tote Fische aus dem «Leimiswiler Bächli» gefischt worden.

Fischereiaufseher Samuel Kaderli wurde am Dienstag von Willy Christen, der mit seinen Kollegen den Bach bewirtschaftete, persönlich orientiert. Das Treffen hatte allerdings nur informellen Charakter: Denn das Fischsterben in Leimiswil wurde nicht von Kaderli, sondern vom Polizeiposten Kleindietwil bearbeitet.

Der Fischereiaufseher selbst war in diesen Tagen mit einem Fischsterben im Stauffenbach ob Thörigen beschäftigt. Auch dort hatten rund 500 Fische den Tod gefunden. Es waren dies Ereignisse, die nicht spurlos an Samuel Kaderli vorbeigingen: Als sich der gebürtige Lotzwiler 2012 frühzeitig pensionieren liess, sprach er gegenüber der BZ davon, dass ihm sein Beruf zuletzt psychisch immer mehr zugesetzt habe.

Die Gewässerverschmutzungen und Fischsterben würden ihm heute mehr zu schaffen machen als früher, sagte er. «Wenn man jung ist, steckt man so was noch besser weg. Heute habe ich deswegen oft Schlafprobleme.» Kaderli hatte während seiner Zeit als Fischereiaufseher einige Schreckensmomente miterlebt. So etwa 1995, als es im März im Oberaargau zu 20 Fischsterben kam. Oder auch 2003, als wegen der grossen Trockenheit die Bäche austrockneten.

Doch zurück ins Jahr 1998: Womit der Bach vergiftet worden war, das war damals noch unklar. Das Wasser floss bereits wieder sauber dahin. Laut Samuel Kaderli, hiess es, seien die häufigsten Ursachen für solche Fischsterben in Oberaargauer Gewässern: Jauche, Javel-Wasser und chlorhaltige Putzmittel, die Industrie oder Spritzmittel.

Was wohl passiert war, wurde erst später publik: Am 13. Juli 1999 war in dieser Zeitung zu lesen, dass zwei Baufirmen das Fischsterben verursacht hatten. Was war passiert? Nach ersten Abklärungen von Samuel Kaderli war bald einmal klar, dass Zementrückstände die Fische getötet hatten.

Das kantonale Gewässer- und Bodenschutzlabor untersuchte daraufhin einige der toten Tiere und stellte fest, dass sie mit grösster Wahrscheinlichkeit an einem zu hohen pH-Wert im Wasser verendet waren. Dieser Wert mit verätzender Wirkung, so das Fazit, könnte durch betonhaltiges Abwasser verursacht worden sein.

Und weit musste nicht gesucht werden: Wenig oberhalb des Bachs wurde damals bei einem Bauernhaus ein neuer Wagenschopf gebaut. Es war offensichtlich, dass der Zement von dort in den Bach gelangt war.

Zudem wurde festgestellt, dass Wasser durch Sickerleitungen unter dem Neubau durchfliessen und in die Sauberwasserleitung gelangen konnte. Das zeigte ein Färbversuch, den das kantonale Amt für Gewässerschutz durchgeführt hatte. Eine Messung des Drainagewassers im Einlaufschacht auf der Baustelle ergab einen pH-Wert von über 11.

«Falls Abwässer mit einem solchen pH-Wert in ein Gewässer gelangen, ist dies gesetzeswidrig», hiess es im Bericht des Gewässerschutzamtes. Allerdings hielt der Bericht auch fest, es könne «nicht mit Sicherheit auf die Herkunft des betonhaltigen Wassers geschlossen werden». Doch für Willy Christen, den pensionierten Polizeibeamten, war klar: Auf der Baustelle war unsauber gearbeitet worden.

Die Bauunternehmer stritten derweil eine Schuld ab. Letztlich erzielte Privatkläger Willy Christen aber zumindest einen Teilsieg: Auf dem Gericht in Aarwangen stimmte er im Juli 1999 einer Vereinbarung zu, nach der ihm die zwei Bauunternehmer wegen des Fischsterbens je 750 Franken bezahlen mussten. Christen hatte knapp 3000 Franken gefordert. Nun erhielt er also immerhin rund die Hälfte davon. «Das ist doch ein Eingeständnis ihrer Schuld», liess sich der Fischpächter zitieren.

Langenthaler Tagblatt

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