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Nun kommt Erdgas ins Gespräch

Seit Jahren laufen in Spiez bereits Studien für einen Wärmeverbund. Doch der Baubeginn – geplant wäre der Winter 2011 gewesen – verzögert sich. Diverse Fragen und verschiedene Meinungen halten Planer und Parteien auf Trab.

An der GGR-Sitzung vom 26. April bestätigte der Spiezer Gemeindepräsident Franz Arnold die Machbarkeit einer ökologischen und wirtschaftlichen Wärmeversorgung aufgrund interessierter Abnehmer. Ausgehend von einer gemeinsamen Studie von BKW und Gemeinde sind drei dezentrale Wärmeverbundzonen vorgesehen, welche von der Altholz- und Restholzheizung der Oberland Energie AG mit Wärme aus dem Schluckhals versorgt werden oder mit einem eigenständigen Holzheizwerk betrieben werden können. Der Gemeinderat verhandelt mit der BLS über die Umrüstung der mit Kohle betriebenen Werkstätten-Heizzentrale an der Krattigstrasse und den Anschluss an den Wärmeverbund. Als dritte Energielieferantin käme eine Heizzentrale im neuen Krankenheim in Frage. Diese würde mit einer Gasturbine betrieben und mit wachsendem Abnehmervolumen 17 bis 33 Prozent der benötigten Energie liefern. Dazu müsste ab der Erdgasleitung in Gwatt ein «Zubringer» nach Spiez erstellt werden. Die sogenannte Mikrogasturbine soll die Wärmeversorgung beim Ausfall der Holzanlagen sicherstellen. Zugleich liefert sie in Form eines Blockheizkraftwerkes elektrischen Strom ins öffentliche Versorgungsnetz. Gemeinde nicht beteiligt Zur finanziellen Beteiligung der Gemeinde sagte Planungsvorsteher Stefan Kocherhans an der GGR-Sitzung vom 21.Juni: «Der GR hat entschieden, sich an der Projektgesellschaft finanziell mit 40000 bis 50000 Franken zu beteiligen.» Nun gehe es an die Planung des Leitungsnetzes und die Akquisition von Kunden. Erst bei genügend Anschlusswilligen und vorliegender Baubewilligung wird eine Betriebsgesellschaft gebildet, an welcher sich – so Stefan Kocherhans – die Gemeinde zum heutigen Zeitpunkt (Stand Juni 2010) aber nicht beteiligen wolle. Versorgungssicherheit Zum Richtplan Energie Spiez verwies Kocherhans auf die Beurteilung des Büros Hesse+Schwarze+Partner, welche das bivalente System mit Holz- und Gasbetrieb als Beitrag zu einer hohen Versorgungssicherheit bezeichnet. So entstehe eine beinahe uneingeschränkte Regelungsmöglichkeit, was für einen rationellen und umweltverträglichen wie wirtschaftlichen Betrieb ausschlaggebend sei und den unterschiedlichen Wärmebezug im Sommer und Winter im Verhältnis 1:3 ermögliche. Damit sieht Kocherhans auch die Forderungen des Labels Energiestadt erfüllt, weil der Berater des Labels die vorgesehene Lösung beim Reaudit der Gemeinde als gut bezeichnete. Grüne hinterfragen Anstelle des Motionsentwurfs von Walter Holderegger reichte die Grüne Liste eine «Motion für einen wirklich nachhaltigen Wärmeverbund Spiez mit Antrag auf sofortige Behandlung» ein. Darin hält die Motionärin Nadja Keiser fest: «Wie wir aus unterschiedlichen Quellen erfahren haben, erreicht das von der BKW vorliegende Projekt in keiner Art und Weise die Anforderungen und Vorgaben an den angestrebten Wärmeverbund, wie sie in der Machbarkeitsstudie des Büros EKO ausgearbeitet und am 25.Juni 2007 der Bevölkerung vorgestellt, in den Submissionsunterlagen vorgesehen, vom Gemeinderat freigegeben und von einem weiteren Anbieter offeriert wurden.» Als Beitrag zur CO2-Reduktion setzen die Grünen auf einen grösstmöglichen Wärmeverbund, der unabhängiger von ausländischen Energieressourcen mache und einen Beitrag an die regionale Wertschöpfung leiste. Bis 90 Prozent Holzanteil Als Ziel formulieren die Unterzeichnenden «die Orientierung an den wesentlichen Vorgaben der Ausschreibung». Darin enthalten sei der Anteil an Holzenergie von mindestens 85 bis 90 Prozent, ein Perimeter, der ganz Spiez und Spiezwiler umfasst; zudem die im Contracting sichergestellte Versorgung und ein hoher Anlagegesamtwirkungsgrad. Konkret fordert der Motionstext: «Um dieses Ziel zu erreichen, soll das Projekt von einer ausgewiesenen, neutralen Fachperson beurteilt werden und allfällige Nachbesserungen vorgenommen werden. Die Resultate der Projektprüfung sind dem GGR von der Fachperson vorzustellen. Weiter ist das Geschäft, wie sonst üblich, von der zuständigen Fachkommission zu begleiten.» Diese Forderung begründen die Grünen: «Mit diesen Massnahmen wird sichergestellt, dass die Gemeindeinteressen gegenüber der privaten Anbietergesellschaft bestmöglich gewahrt werden.» «Verwaltet statt regiert» «Mir geht es keineswegs darum, die Idee eines Fernwärmesystems mit erneuerbarer Energieerzeugung zu kippen», sagt GGR-Mitglied Walter Holderegger (SP) zu seinem Motionsentwurf, der bereits in seiner Fraktion keine Gegenliebe fand. Holderegger erwartet «eine gründliche Abklärung mit Aufzeigen aller möglichen Varianten». Erstaunt musste er zur Kenntnis nehmen, dass der Gemeinderat entgegen dem Vorschlag der vorberatenden Kommission die BKW mit der näheren Projektierung des Wärmeverbundes beauftragte. Ärgerlich hält der SP-Mann fest: «Die Gemeinde Spiez wird immer mehr verwaltet statt regiert.» Und fordert: «Als GGR-Mitglied möchte ich offen informiert und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Doch beim Hinterfragen wird beschönigt oder mit betroffen wirkenden Herren ausgewichen.» Jahrhundertprojekte mit Kompetenzregelung zu begründen, darf nicht zur politischen Vision verkommen. Offene Fragen Als für ihn offene Fragen bezeichnet Walter Holderegger «den Anteil erneuerbare Energie zur fossilen Energie mit unterschiedlichen Antworten in der Einfachen Anfrage und den vom GP abgegebenen Infos an der vorletzten GGR-Sitzung». Weiter die vorgesehene Gasleitung ab Kandergrien für nur einen Teil der Fernwärme ab geplantem Krankenheim für das Fernwärmenetz von Spiez mit den drei prioritären Wärmeverbundzonen. Zudem kritisiert er die Wahl der BKW als Anbieter, «obwohl ein zweiter Anbieter vorhanden war, der mit wenig überzeugenden Argumenten ausgebootet wurde». Auch der Standort Schluckhals als Teilenergielieferant für Spiez müsste besser hinterfragt werden, weil er aus Baugrundfragen nicht weiter ausbaubar sei. Guido Lauper >

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