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Nach Gottlieben zu Lisa Della Casa

Die Türe hinein in den Park von Schloss Gottlieben ist zu. Hier also wohnt sie, die 90-jährige Lisa Della Casa, die um 1940 aufgebrochen ist, von Burgdorf aus die Welt als Operndiva zu erobern. Schon ist es 35 Jahre her, seit sie von einem Tag zum andern beschlossen hat, dem Leben auf der Bühne Adieu zu sagen und sich ins Privatleben zurückzuziehen. In ihr Schloss direkt am Ufer des Bodensees, das einst dem Bischof von Konstanz gehörte und seit bald 60 Jahren ihr Zuhause ist. An dieser selbst gewählten Einsamkeit hält Lisa Della Casa auch im Jahr des runden Geburtstags fest. Keine öffentlichen Auftritte und auch keine Interviews, einzig für eine Fernsehdokumentation über ihr Leben hat sie das Tor zum Schloss kurz aufgemacht. So kommt es, dass sie auch nach so langer Zeit im Dorf eine Fremde geblieben ist – «wir kennen sie kaum», heisst es, wo immer man sich unter den rund 300 Gottlieberinnen und Gottliebern umhört. Und doch stösst, wer hier durch die malerischen Gassen schlendert, unweigerlich auf Spuren des Stars aus vergangenen Zeiten. Nicht nur, weil die beiden wuchtigen Schlosstürme das Ortsbild wie eh und je prägen: Vorn am See hat sich das Hotel Krone derzeit ganz der Jubilarin verschrieben. Von einer Ausstellung will Hotelier Raymond Kronig trotzdem nicht reden, denn für einen umfassenden Rückblick auf ihr Leben sei nicht genug Geld zusammengekommen. Deshalb habe man sich für eine Hommage im kleineren Rahmen entschieden. Anziehungskraft hat ein solcher Anlass alleweil, auch wenn er sich auf Streiflichter aus dem reichen Leben der Künstlerin beschränkt. Gleich am Eingang lässt ein Booklet mit ihrer Originalunterschrift die Herzen der Fans höher schlagen – «es kommen Leute von weither zu uns», zieht Kronig zufrieden Bilanz. Der Mythos Lisa Della Casa sei auch nach Jahren der Bühnenabstinenz lebendig, und was ihn persönlich betreffe: Er sei zu jung, als dass er ihre grossen Zeiten bewusst mitbekommen hätte. Umso verblüffter sei er gewesen, als er sie entdeckt habe. «So viel Stimmkraft und vor allem so viel Schönheit ist alles andere als alltäglich für die Schweiz.» Weiter gehts durch die Hotelgänge von Station zu Station in einem märchenhaften Leben, das eben sogar noch nachkommende Generationen in den Bann zu ziehen vermag. Schautafeln erzählen davon, wie die 9-jährige Lisa mit ihrem in Burgdorf als Augenarzt und Theatermann bestens bekannten Vater in die Oper ging und dann beschied, sie wolle singen lernen. Zeigen sie später als Künstlerin an ihren verschiedenen Stationen, die sie vom Städtebundtheater Solothurn-Biel aus an die grossen Opernhäuser der Welt führten, allen voran an die Metropolitain Opera in New York, wo sie nicht weniger als 15 Spielzeiten lang gastierte. Werfen schliesslich einen Blick auf ihre Rollen, auf die Salome, die Ariadne oder die Marschallin in den Werken von Richard Strauss – und natürlich auf die Arabella, ihre Paradefigur schlechthin. «Arabella Della Casa» jubelten ihr die Kritiker einst zu. Unbestrittener Höhepunkt allerdings sind die Stücke am Ende des Rundgangs. Ein oranges Arabella-Kleid mit schwarzen Bordüren, das zwar nur eine Kopie ist, dafür aber angefasst werden darf. Oder – hinter Glas und damit echt – ein Modell in Türkis, ein paar Schritte entfernt ergänzt durch eine weisse Perücke mit schwarzem Kopfputz sowie passenden Frisierutensilien. Hübsch ins Hotel-Interieur mit seinen üppigen Leuchtern und ausladenden Möbeln eingebettet ist schliesslich ein grosses Porträt der jungen Künstlerin mit einer weiteren Signatur sowie der handschriftlichen Ergänzung: «Zur Erinnerung an frühere, goldene Zeiten» Bleibt nachzutragen, dass Lisa Della Casa im Jubiläumsjahr die Welt doch ein ganz klein wenig an ihrem Leben teilnehmen lässt. So hat sie dem «Kronen»-Chef bei der Suche nach einem passenden Spezialmenü geholfen und ihm ausrichten lassen, dass sie spanische Fischsuppe, Rindsfilet an Trüffelrahmsauce und Götterspeisetörtchen besonders gerne mag. Erich Bühlmann, den Gemeindeammann, hat sie als Gratulanten zum Geburtstag sogar persönlich empfangen. «Es war eine nette Plauderstunde», sagt dieser zu seinem ersten Besuch im Schloss. Und Burgdorf? Anders als noch Anfang Jahr deutet nichts darauf hin, dass die Hommage an Lisa Della Casa auch in ihrer Heimat Halt machen wird. So bleibt ihren Fans nichts anderes übrig, als nach Gottlieben zu reisen. Bis Ende Jahr bleibt ihnen noch Zeit.Stephan Künzi •www.lisadellacasa.ch •www.hoteldiekrone.ch>

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