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Mühsame Kundin

Jeden Morgen fahre ich mit dem Fahrrad am Bahnhof Lyss vorbei. Manchmal gönne ich mir dort im Coop Pronto ein feines Schoggigipfeli und einen Caffè Latte. So auch an diesem Morgen. Ich war gerade um sieben Uhr angekommen. Mir war bewusst, dass in dieser Minute die prallvollen Schnellzüge von Biel und Bern eintrafen. So beeilte ich mich, um noch vor der grossen Menschenmasse, welche sich jeweils ins Coop Pronto drängt, mein Gipfeli zu erwischen. Doch ich kam schon zu spät. Das Coop Pronto glich einem Basar aus 1001 Nacht. So viele Menschen in einem so kleinen Shop. Während ich mein Gipfeli aus dem Fach pflückte, um es in ein Säckli zu verstauen, öffnete sich die automatische Tür des Ladens, und eine ältere Frau von zirka 70 Jahren quetschte sich durch die Menschenmenge. Sie nahm ein Körbli vom Stapel und startete ihren Wocheneinkauf. Im Coop Pronto, um sieben Uhr, zur Rushhour. Ich fühlte mich im falschen Film. Mit vielen genervten «Exgüses» und «Entschuldigungs» kämpfte sie sich immer weiter vorwärts. Erstaunlicherweise hatte sie so ihre Sachen schnell zusammen und fügte sich in die endlos lange Schlange vor der Kasse ein. Die «normale» Kundschaft um sieben Uhr morgens kauft höchstens zwei bis drei Artikel, welche aus Getränken und etwas Brotigem bestehen. Die alte Frau hatte ihr Körbli bis fast an den Rand gefüllt. Als sie an der Reihe war, legte sie im Zeitlupentempo alles auf die Theke. Es kam mir so vor, als entziffere sie bei jedem zweiten Artikel auch noch die Zusammensetzung. Hinter ihr wuchs die Schlange rekordverdächtig und rasend schnell an. Viele junge Leute begannen schliesslich zu raunen und beschwerten sich über das mühsame Verhalten der alten Frau. Einige wollten ihr Hilfe anbieten – sie wies diese gut gemeinten Angebote jedoch äusserst forsch ab. Darum bitte ich alle Pensionierten, ihre Einkäufe nicht während der Morgen- oder Abend-Rushhour zu machen. Und schon gar nicht in einem so kleinen Shop. Adrian BaumgartnerGrossaffoltern >

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