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Mit viel Moral zum Schweizer Duell

TennisDem 26-jährigen Stanislas Wawrinka gelang gegen Jo-Wilfried Tsonga ein grosses Comeback: Er bezwang den Franzosen nach 0:2-Satzrückstand mit 4:6, 6:7, 7:6, 6:2 und 6:3. Morgen Sonntag kommt es in Roland Garros wie im Vorjahr zum Achtelfinal gegen

Als Stanislas Wawrinka sein Racket in den Sand des Court Philippe Chatrier schmetterte, deutete nichts auf eine der grössten Leistungen in der Karriere des Romands hin. Soeben hatte er zu Beginn des dritten Satzes ein Break kassiert – und dies, nachdem er bereits die ersten beiden Durchgänge verloren hatte. Das Duell mit Jo-Wilfried Tsonga schien eindeutig zugunsten des Franzosen zu laufen. Keiner mehr hätte auch nur noch einen Cent auf den Schweizer gewettet, die Neuauflage eines helvetischen Paris-Achtelfinals gegen Roger Federer schien weit weg. Eineinhalb Stunden und viele dramatische Ballwechsel später jedoch, da strahlte der Romand auf der grössten Bühne, die das French Open kennt, und war das sonntägliche Treffen der beiden besten Schweizer Tennisspieler perfekt. Auf den grossen Frust hatte Wawrinka eine beeindruckende Trotzreaktion folgen lassen, die in einen kaum mehr für möglich gehaltenen 4:6, 6:7, 7:6, 6:2, 6:3-Sieg des Westschweizers mündete. Mit grosser Moral machte Wawrinka im dritten Satz ein 1:4 wett. Er konterte im vierten Durchgang abermals ein Break, schaffte den Satzausgleich und war am Ende der klar frischere Mann auf dem Platz. Dass ihm der entscheidende Service-durchbruch im fünften Durchgang erst bei 4:3 gelang, verwunderte – der französische Tennis-Ali taumelte die letzte halbe Stunde nur noch durch den Ring. «Als mir im dritten Satz das Break gelang, glaubte ich an die Wende – auch weil Tsonga danach sofort defensiver spielte, mir mehr Zeit gab. Im vierten Durchgang merkte ich dann, wie er körperlich nachliess», analysierte Wawrinka seinen Sieg und ordnete diesen in seiner persönlichen Hitliste weit oben ein: «Nach einem solchen Rückstand gegen Tsonga auf dem Court Philippe Chatrier zu gewinnen, ist sehr speziell.» Wie man gewinnt, obwohl man die ersten zwei Sätze verliert, weiss der Romand allerdings schon länger: Bereits zum fünften Mal in seiner Karriere befreite er sich gestern aus einer hoffnungslos scheinenden Situation. Im Hinblick auf die Achtelfinal-partie gegen Federer sagte Wawrinka: «Ich werde davon profitieren.» Starkes Zeichen Der Arbeitstag von Wawrinkas Gegner war ein paar Stunden früher gemütlicher verlaufen: Federer dominierte Janko Tipsarevic vom ersten Ballwechsel an, er liess die Nummer 32 der Welt nie ins Spiel kommen. Als die Partie nach 80 Minuten zu Ende war, hatte der Schweizer, der dem Serben nur eine Breakchance zugestand, mit vielen Winnern und schönen Variationen ein starkes Zeichen im Sand von Roland Garros hinterlassen. Vor Wawrinka fürchtet sich der Baselbieter nicht: Bei grossen Gelegenheiten hatte er den Romand bis jetzt immer sicher im Griff: Anfang Jahr im Viertelfinal des Australian Open gewann er ebenso in drei Sätzen wie vor zwölf Monaten auf der roten Pariser Erde. «Stan ist stark. Da habe ich schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl», sagt Federer zwar, ergänzt aber auch, dass es ihm trotz Freundschaft und gemeinsamem Olympiagold im Doppel jeweils gut gelinge, sich auf die Vergleiche mit dem Lausanner zu konzentrieren. «Es ist viel schlimmer, wenn ich beispielsweise gegen Marco Chiudinelli oder Michael Lammer spiele.» Sollte Federer ausgerechnet an Wawrinka scheitern, wäre dies eine Sensation. Seine Vorstellung gegen Tipsarevic war eindrücklich. Die Zahl jener, die der Nummer 3 der Welt zutrauen, wieder aus dem Schatten Novak Djokovics und Rafael Nadals zu treten, scheint zu wachsen. Federer selbst wiegelt jedoch ab. Wer ihm in Paris zuhört und ihn spielen sieht, kommt nur zu einem Schluss: Roger Federer, der sich hier selbst dann noch mit Nadal auf Augenhöhe sah, als dieser das Sandtennis längst dominierte, geniesst es, nur als Herausforderer taxiert zu werden. Oliver Gut, Paris>

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