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«Mister Galenica» geehrt

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Im Büro von Etienne Jornod am Galenica-Hauptsitz in Bümpliz stehen Bilder seiner Frau und vier Kinder. «Neben der Arbeit hat die Familie erste Priorität», sagt der Chef und Verwaltungsratspräsident beim Besuch an seinem Arbeitsplatz. Abends sei er so wenig unterwegs wie möglich. «An Wirtschaftsapéros gehe ich höchst selten», betont er. Für seinen Erfolg – und seine Bescheidenheit – ist der 58-Jährige nun geehrt worden: Gestern hat ihn die Sektion Bern des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern (HIV) für seinen «herausragenden Beitrag an den Wirtschaftsstandort Region Bern» ausgezeichnet. «Etienne Jornod verkörpert das Gegenteil eines Spotlight-Stars – er ist ein Berner Leuchtturm», sagte Präsident Bernhard Emch in sei-ner Laudatio im Berner Hotel Bellevue. «Für Kunden, nicht fürs Ego» Die Kultur von Galenica habe ihn in seinen 33 Jahren bei der Pharmagruppe geprägt, erklärt Jornod im Gespräch. Es gelte die Devise: «Wir arbeiten für die Kunden, nicht für unser Ego.» Nachdem der Neuenburger eine Lehre als Drogist absolviert hatte, trat er 1975 als Produktmanager ins Unternehmen ein. «Die Apotheker von Galenica haben mir als Drogisten, eigentlich einem Konkurrenten, eine Chance gegeben, dafür bin ich dankbar», erinnert er sich. Drei Jahre später durfte Jornod Galenica vorübergehend verlassen, um in Lausanne Wirtschaft zu studieren. Danach kehrte er als Assistent der Generaldirektion zurück, kletterte die Karriereleiter hoch und wurde schliesslich 1996 Chef und Verwaltungsratspräsident in Personalunion. «Mein Beispiel zeigt unseren Mitarbeitern, dass alles möglich ist; dass man es von unten bis ganz nach oben schaffen kann», meint Jornod. Als der Neuenburger den Chefposten antrat, zählte Galenica 950 Mitarbeiter, heute sind es rund 7000. Damals war das Unternehmen in erster Linie ein Zulieferer von Schweizer Apotheken. Inzwischen ist es eine internationale Pharmagruppe: Neben der Grossistentätigkeit betreibt Galenica eigene Apotheken (Amavita, Sun Store sowie Coop Vitality zusammen mit Coop) und stellt Medikamente für die ganze Welt her. «Diese Diversifikation ist unser grosser Trumpf in der aktuellen Währungskrise», sagt Jornod. Weil sich die Logistik und das Apothekengeschäft auf die Schweiz konzentrieren, sind sie kaum vom starken Franken betroffen. Wachsen kann Galenica aber praktisch nur noch mit dem international ausgerichteten Pharmabereich. Die Geschäftsleitung schaut sich deshalb nach möglichen Übernahmen im Ausland um. «Vor allem Spanien, Frankreich oder Deutschland wären interessante Standorte», erklärt der CEO. Gewinn steigt seit 15 Jahren Stolz ist der Chef darauf, dass Galenica die einzige börsenkotierte Schweizer Firma ist, «die in den vergangenen 15 Jahren jedes Jahr ein zweistelliges Gewinnwachstum erreicht hat». Im aktuellen Geschäftsjahr wird dies allerdings kaum gelingen, weil Galenica 70 Prozent der Gewinne in Euro und Dollar erwirtschaftet. «Wir sind zuversichtlich, dass das Ergebnis gleich sein wird wie letztes Jahr. Das wäre angesichts der Währungsprobleme ein riesiger Erfolg», sagt Jornod. Er tritt zu einem Viertel ab Für die Zukunft wünscht er sich, dass der Geist von Galenica – Leistung gepaart mit Bescheidenheit – erhalten bleibt. Deshalb wird er auch nach seinem Rücktritt als CEO auf Anfang 2012 operativ tätig bleiben – als exekutiver Verwaltungsratspräsident. Die Idee ist, dass Jornod involviert bleibt, wenn es um die Strategie, die Unternehmenskultur und Partnerschaften mit anderen Firmen geht. «Ich habe mit meinem designierten Nachfolger als CEO, David Ebsworth, genau definiert, wer wofür zuständig ist», hält Jornod fest. So – gibt er sich überzeugt – liessen sich Konflikte vermeiden. Mirjam Comtesse>

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