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Maurice-Müller-Institut buhlt um Bundesauftrag

GesundheitDer Bundesrat will die Qualität in der Medizin besser messen. Umstritten ist, wer dabei die Federführung übernehmen soll. Für den Auftrag kommt auch das Berner Maurice-Müller-Institut infrage. Doch dessen Geld ist

Das Berner Institut für Evaluative Forschung in der Medizin (IEFM) leistet in der Qualitätsforschung Pionierarbeit. Doch Ende Jahr sind seine Gelder aufgebraucht. Der verstorbene Berner Orthopäde Maurice E.Müller hat mit einer Stiftung das Institut einst ermöglicht, bisher gehörte es der Universität Bern an. Der Uni fehlt zur Übernahme offenbar das Geld, obschon das Institut in der internen Rangliste betreffend Anzahl Studien pro Forschenden 2009 den 2.Rang erreichte und in kurzer Zeit nebst Ordinat eine weitere Professur und zwei habilitierte Forscher etablieren konnte. Neue Trägerschaft «Wir führen nun unser Institut einer neuen Trägerschaft zu», sagt Institutsleiter Max Aebi. Christoph Pappa, Generalsekretär der Uni, sagt dazu: «Die Universität Bern unterstützt diesen Prozess.» Nach Angaben von Max Aebi sollte die im Institut durchgeführte Begleit- und Versorgungsforschung in der Medizin sowie die Qualitätserfassung über Register idealerweise von einer nationalen Institution übernommen werden, zum Beispiel von der ETH. Auf die Industrie kann sich das Institut, das Nutzen und Qualität neuer Verfahren hinterfragt, nicht abstützen. Die Qualitätssicherung dürfte indes auch der Bundesrat im Januar ankurbeln, meint Sandra Schneider, Abteilungsleiterin Leistungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Als Grundlage dient der Bericht zur «Qualitätsstrategie des Bundes im schweizerischen Gesundheitswesen». Wie Manfred Langenegger, Bereichsleiter Qualitätssicherung des BAG, erklärt, werden dem Bundesrat bis Ende Jahr die Konkretisierungsprojekte mit Prioritäten vorgelegt. Langenegger: «Der Bundesrat kann die Massnahmen sofort einleiten. Die Versorgungs- und Begleitforschung der Medizin muss zwingend ausgebaut werden.» Für die Umsetzung der Qualitätsstrategie sind laut Bericht 12,5 Millionen Franken ab 2011 und danach jährlich zwischen 20 bis 25 Millionen notwendig. «Die Entscheide dazu wird der Bundesrat wahrscheinlich im ersten Quartal 2011 fällen», sagt Schneider. Positionskämpfe Inwiefern das Berner IEFM mit der Qualitätsforschung beauftragt wird, steht indes noch offen. Im Vorfeld des Entscheids sind unter den Akteuren des Gesundheitswesens zunehmende Positionskämpfe festzustellen. Um Einfluss auf die Führung des Bundes nehmen zu können, wurde einerseits im Kanton Zürich ein Medical Board aufgestellt, quasi als unabhängiges Gremium zur Überprüfung der Leistungen. Anderseits haben die Krankenkassen unter Santésuisse mit der Interpharma, dem Verband der schweizerischen Pharmaproduzenten, ein Gegengremium gebildet. Das BAG will heute Montag beide Gremien anhören. Die Frage, wie und mit welchen Gremien die Qualitätsstrategie umgesetzt werden soll, wird deshalb kontrovers diskutiert, weil ein Wissensnotstand besteht. «Es fehlen zum einen die statistischen Grundlagen», sagt BAG-Abteilungsleiterin Schneider, mit dem Hinweis, dass in der neuen Spitalfinanzierung ab 2012 auch Daten zur Qualität zu erfassen sind. Dazu meint Professor André Busato vom Berner Institut: «Es ist ein Blindflug. Wir haben keine Ahnung, wie sich das neue Entgeltungssystem auf die Qualität auswirkt.» Dasselbe treffe, so Busato, auch auf den neuen Abrechnungsmodus der Manged-Care-Gemeinschaftspraxen zu. Christian Bernhart>

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