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Massnahmen für mehr Sicherheit

Der Regierungsstatthalter hat den Rodelbetrieb nach einer Kontrolle wieder freigegeben. Allerdings mit Auflagen, unter anderem müssen die Filme der Überwachungskameras aufgezeichnet und Checklisten geführt werden.

Gestern rauschten die Rodelschlitten von der Heimwehfluh in Interlaken wieder ins Tal. Die Anlage war nach dem tödlichen Unfall vom 19.Juli bis am vergangenen Samstag gesperrt gewesen. Der Regierungsstatthalter hat die Anlage nach einer Kontrolle durch das Internationale Konkordat für Seilbahnen und Skilifte (IKSS) wieder freigegeben, heisst es in einer Mitteilung vom Samstag. Es sei dabei nicht darum gegangen, die Unfallursache weiter abzuklären, sondern den Zustand, den Betrieb und die Instandhaltung der Rodelbahn zu überprüfen. Polster an den Bäumen Beim Besuch dieser Zeitung mit anschliessender Fahrt gestern auf der Heimwehfluh war es ruhig, trotz Hochsaison und gutem Wetter. «Der Unfall und die damit verbundenen umfangreichen Auftritte in den Medien haben die Nachfrage sicher gedämpft», sagte gestern der Geschäftsführer der Heimwehfluh-Bahn, der gestern selber bei der Anlage tätig war. «Mir war es jedoch wichtig, dass wir die Abklärungen durch das IKSS gemacht haben», so Tschanz. Trotzdem hält er fest, dass es für die vom Regierungsstatthalter verfügte Schliessung keine rechtliche Grundlage gegeben habe – weil die Bahnen nicht dem Konkordat über die nichteidgenössisch konzessionierten Seilbahnen und Skilifte unterstellt sind. «Wir würden uns gerne dem Konkordat unterstellen, denn das ist unserem Interesse.» Man habe nichts zu verbergen, die Anlage sei in Ordnung, wie auch der Bericht des IKSS gezeigt habe. Folgendes Fazit hat das IKSS gezogen: «Der Zustand der Anlage ist grundsätzlich in Ordnung.» Der Betrieb sei korrekt organisiert, und die Instandhaltung werde korrekt durchgeführt.» Aber: «Gewisse Verbesserungen sind nötig.» 16 Punkte hat das IKSS aufgelistet, acht Punkte mussten sofort umgesetzt werden (siehe Kasten). Die Heimwehfluh-Bahn hat die Vorgaben umgesetzt und liess die Anlage nochmals durch das IKSS kontrollieren. Aufgrund des Ergebnisses konnte der Regierungsstatthalter am Samstagabend die Rodelbahn für den Betrieb wieder freigeben. Auffälligste Merkmale waren noch mehr Sicherheitshinweise vor, nach und entlang der Strecke und die gepolsterten Bäume. Bei den übrigen Punkten handelt es sich gemäss Mitteilung um Nachrüstungen und Anpassungen der Bahn an die heutigen Anforderungen und Verbesserungen von administrativen Abläufen. Fünf weitere Punkte sind bis am 31.August und drei Punkte bis am 31.Oktober 2010 umzusetzen. Filmen während der Fahrt David Tschanz zu den Sicherheitsauflagen: «Diese acht umgesetzten Punkte erhöhen die Sicherheit stellenweise.» Jetzt entspreche die Anlage den neusten Vorschriften, beim Bau seien diese noch nicht verlangt gewesen. Die ganzen Instruktionen vor dem Start würden die Arbeit für das Personal zwar erhöhen, aber: «Wenn wir für noch mehr Sicherheit sorgen können, tun wir das gerne.» Instruktionen nützen aber nichts, wenn die Eigenverantwortung fehlt: Ein junger Mann aus Kuwait filmte gestern ungeniert mit seinem Handy. Im Ziel erklärte der Mann gegenüber dieser Zeitung, er wolle seinen Freunden zu Hause schliesslich zeigen, was er in Europa alles erlebt habe. Kurz darauf bestieg er erneut die Bahn, um ein weiteres Mal ins Tal zu sausen. Drei junge Männer aus Zürich waren aufgrund der Medienberichte über die Heimwehfluh ins Berner Oberland gereist. «Wir wollten schauen, ob die Bahn wirklich so krass ist», sagte einer. «Da kann ja nichts passieren, die Anlage ist todsicher», sagte der andere nach der Fahrt. Am 19.Juli war eine 26-jährige Mutter aus Pakistan aus noch ungeklärten tödlich verunfallt. Die Rodlerin hatte man hinter einem Baumstrunk liegend aufgefunden, trotz sofortiger Reanimation durch einen Angestellten verstarb die Frau im Spital. Die noch laufenden Ermittlungen gingen bisher davon aus, dass die Frau aus ungeklärten Gründen aus dem Rodel geschleudert wurde. Dem widersprach David Tschanz. Er vermutet, dass die Frau unterwegs ausgestiegen und im steilen Gelände verunfallt ist. Der Unglücksrodel mit der Nummer 81 wurde zwischenzeitlich – obwohl technisch in einwandfreiem Zustand – aus dem Verkehr gezogen. Fritz Lehmann>

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