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Marazzi: «Es ist halt doch ähnlich wie eine Liebesbeziehung»

Der Berner Flavio Marazzi (32) ist der prominenteste Starboot-Skipper des heute auf dem Thunersee beginnenden Championats.

Warum steuern Sie Ihr Starboot immer barfuss? Flavio Marazzi: Es ist mir angenehmer, und es ist dann nichts im Weg. Zudem kann ich barfuss das Boot an der Leeboje besser steuern als mit Schuhen. Wann und wo haben Sie zu segeln begonnen? Ich war 6 Jahre alt, als mich mein Vater 1984 zum ersten Mal mitnahm. Weil mein Vater aber keine Zeit für Plauschfährtli hatte, steckte er mich gleich aufs Starboot, und wir liefen für eine Regatta auf dem Thunersee aus. Ich erinnere mich nicht mehr, welche Regatta es war, aber es war sehr kalt für diese Feuertaufe. Und wie sind Sie zum regelmässigen Regattieren im Starboot gekommen? Bei mir ist das sozusagen vom Vater her genetisch bedingt. Als ich 1991 mit meinem Vater an der Starboot-WM in Cannes zum ersten Mal mit all den Cracks und Idolen der internationalen Segelwelt um die Wette segeln durfte, da hat mich der Virus voll erwischt. Was für ein Erlebnis, wenn ich später mit meinem Bruder Renato ab und zu ein paar der Superstars schlagen konnte. Sie segeln auch andere Bootsklassen intensiv. Wie vergleichen Sie das Starboot mit ihnen? Das Starboot ist speziell unter allen Bootsklassen. Es ist seit 100 Jahren attraktiv und seit 1932 olympisch. Es ist im Grunde genommen technisch eher einfach gestrickt, und doch ist es sehr anspruchsvoll zu segeln. Es blieb auch für Klubsegler immer sehr attraktiv und geeignet. Es ist die ideale Jacht für nur zwei Personen. Es ist auch einfacher, zwei Personen zu finden als drei, welche regelmässig zusammen segeln gehen wollen. Wie sieht Ihr Regattatag aus? Wir stehen früh auf, sind früh beim Boot, um es vorzubereiten. Dabei versuchen wir auch, uns aufzuwärmen und den Körper auf den Wettkampf vorzubereiten. Das geht immer etwas vergessen, unter anderem weil man beim Segeln nie recht weiss, wann genau es denn nun wirklich losgeht. Ich will als einer der Ersten auslaufen, alles durchchecken, den Trimm Wetter und Wellen anpassen. Dann sind wir bereit für die ein bis zwei Läufe, welche an den grossen Wettkämpfen pro Tag gesegelt werden. Nach dem letzten Zieleinlauf beeilen wir uns, so schnell wie möglich in den Hafen zurückzukehren. Zuerst wird das Boot für den nächsten Tag bereit gemacht. Dann erst sind wir an der Reihe, uns zu erholen, abzuschalten, über etwas anderes zu reden als das Segeln, etwas zu essen und die verlorene Energie zu ersetzen. Welches war Ihr grösster Erfolg, welches der grösste Flop an einer Starboot-Regatta? Mein grösster Flop war, als ich 1998 zum ersten Mal in Kiel war, zusammen mit meinem Bruder Renato. Dabei verfing sich unsere Backstag an einem Pfosten im Fahrwasser des Olympiahafens, was unseren brandneuen Mast total verbog. Das war ziemlich peinlich! Als Erfolg verbuche ich, wenn ich auf ein Ziel hinarbeite und alles zusammenspielt: das Training, das Material, das Boot, der Segelpartner, das Team. Dann ist der Rang gar nicht mehr wichtig, denn im Segeln gibt es ja ohnehin so viele Faktoren, welche man nicht beeinflussen kann. Auf was schauen Sie, wenn Sie ein neues Starboot kaufen? Es muss schnell sein und zu meinem Segelstil passen. Kleine Unterschiede zwischen den verschiedenen Werften, ja sogar zwischen den verschiedenen Baunummern derselben Werft, können deutlich spürbar sein. Können Sie die «Beziehung» zu Ihrem Starboot beschreiben? Das Starboot ist ein Sportgerät, welches extrem sorgfältig behandelt werden muss, wenn man damit Erfolg haben will. Es braucht Liebe zum Detail, man muss viel Zeit in Vorbereitung und Unterhalt stecken. Ich habe auch schon mein Boot ausgeliehen, doch es wurde nie so behandelt, wie ich es selbst will. Das tut mir weh, und ich leihe mein Boot deshalb normalerweise nicht mehr aus. Es ist halt doch ähnlich wie eine Liebesbeziehung. Was würden Sie anderen Starboot-Seglern empfehlen? Wichtig ist, sich realistische Ziele zu setzen. Die Freude am Sport ist entscheidend! Warum ist das Starboot trotz seines «hohen Alters» Ihr Segelboot? Warum hat es schon 100 Jahre überlebt? Man kann einander auf dem Star nicht aus dem Wege gehen, denn der Vorschoter segelt im Gegensatz zu vielen anderen Booten aktiv mit. Der Teamgeist ist essenziell für den Erfolg. Das macht das Starboot so stark. Was wünschen Sie dem Starboot für die nächsten 100 Jahre? Ich wünsche dem Starboot mehr Anpassungsfähigkeit. Die Klassenverantwortlichen sollten nicht nur der Tradition Sorge tragen, sondern auch den innovativen Geist der Klasse bewahren. Sonst riskiert das Starboot, von anderen, moderneren Klassen verdrängt zu werden. Dabei spielt es vielleicht weniger eine Rolle, ob das Starboot olympisch bleibt oder nicht. Interview: Daniel V. Christen>

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