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Leise Gitarrenklänge in der Schadau

bachwochenBei prasselndem Regen und Donnergrollen entführte der spanische Gitarrist Pablo Sainz Villegas in südliche Gefilde. Sein kurzfristiges Engagement, das ihn buchstäblich über Nacht nach Thun geführt hatte, sorgte für stehende Ovationen.

«Sicher sind Sie von diesem Naturschauspiel, das der Hagelsturm am frühen Abend geboten hat, genauso überrascht worden wie ich», begrüsste Julia Vincent in ihrer Funktion als künstlerische Leiterin der Bachwochen Thun die Konzertbesucherinnen und -besucher im Schloss Schadau. Doch während der gewitterhafte Mittwochabend einen schaurig-schönen Hintergrund für das Gitarrenkonzert darbot, hatte Vincent eine weitere Überraschung auf Lager: Am Vortag ist der vorgesehene montenegrinische Gitarrist Milos Karadaglic erkrankt. Buchstäblich über Nacht konnte Vincent den 34-jährigen spanischen Gitarristen Pablo Sainz Villegas verpflichten – ein Ersatz, der das Thuner Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Und der trotz herrschender Unruhe im und um den Konzertsaal nie den Humor und die Konzentration verlor. Störende Geräuschkulisse Eigentlich passt ein Abend, der ganz dem Soloinstrument Gitarre gewidmet ist, perfekt ins neugothische Schloss Schadau in Thun; doch dass die Restaurantverantwortlichen, die um die Ringhörigkeit der Räume in ihrem Betrieb wissen, gleichzeitig zum Konzert der leisen Klänge eine private Gesellschaft einmieteten, erwies sich als veritabler Missgriff. Die externe Geräuschkulisse, die durch Getrappel, lautes Gelächter und Gerede verursacht wurde, beeinträchtigte den musikalischen Genuss weitaus mehr als das Donnergrollen und der prasselnde Sommerregen. Dass Sainz Villegas sich davon nicht beeindrucken liess und die entstandene Unruhe im Publikum bis zum Schluss seines knapp 90-minütigen Konzerts gar zu besänftigen wusste, verdient mindestens soviel Hochachtung wie sein feinfühliges Gitarrenspiel. Die Akustik im Saal nahm er so sensibel auf, dass jeder verklingende Ton noch fühlbar in der Luft schwebte, als er längst verklungen war. Klassiker von Villalobos, Albeniz, Rodrigo gehörten ebenso zu seinem spanischen und südamerikanischen Repertoire wie Barrios oder – als Zugabe und Hommage an die wechselvolle Geschichte seiner Heimat Spanien – der Ohrwurm «Recuerdos de la Alhambra» von Francisco Tarrega. Dass der Spanier am Ende des Konzerts jeden einzelnen Besucher persönlich mit Handschlag verabschiedete, liess ihn definitiv zum umjubelten Star dieses gewitterhaften Abends werden. HeinerikaEggermann DummermuthDas Bachwochenkonzert mit Pablo Sainz Villegas wurde vom Schweizer Radio DRS 2 aufgezeichnet und wird am Dienstag, 6. September um 22.30 Uhr ausgestrahlt. www.bachwochen.ch>

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